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Geschichte

Das Deutsche Auswandererhaus steht in Bremerhaven an einem historischen Standort. Es liegt direkt am Neuen Hafen, der 1852 eröffnet wurde und von dem bis 1890 knapp 1,2 Millionen Menschen in die Neue Welt aufbrachen. Neben dem Neuen Hafen waren der Alte Hafen, die Kaiserhäfen und die Columbuskaje Abfahrtsorte für die insgesamt 7,2 Millionen Auswanderer, die von Bremerhaven aufbrachen.

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Der Neue Hafen in Bremerhaven um 1888. An der Stelle des Lagerschuppens in der Bildmitte befindet sich heute das Deutsche Auswandererhaus. © Historischen Archiv der Hapag-Lloyd AG

Das Deutsche Auswandererhaus wurde am 8. August 2005 eröffnet. Über 20 Jahre lang hatten sich in Bremerhaven Menschen aus Kultur, Politik und Wirtschaft dafür eingesetzt, dass am größten deutschen Auswandererhafen ein Museum zum Thema Auswanderung errichtet wird. Besonders der 1985 gegründete „Förderverein Deutsches Auswanderermuseum“ und der 1998 gegründete ,,Initiativkreis Erlebniswelt Auswanderung“ engagierten sich sehr für die Errichtung eines solchen Hauses. Aus ihnen sind mittlerweile der „Freundeskreis Deutsches Auswandererhaus“ und der „Initiativkreis Deutsches Auswandererhaus“ hervorgegangen. Dank ihrer Bemühungen konnte schließlich der Bau des europaweit einzigartigen Erlebnismuseums zur deutschen und europäischen Auswanderungsgeschichte realisiert werden.

Die konzeptionelle und architektonische Gestaltung des Hauses wurde vom Studio Andreas Heller Architects & Designers in Hamburg entworfen. Das Deutsche Auswandererhaus ist als Privat-Public-Partnership-Projekt konzipiert. Die Finanzierung des Baus erfolgte durch Mittel des Landes Bremen und der Stadt Bremerhaven; seit der Eröffnung wird das Museum von der Betreibergesellschaft „Paysage House 1 – Gesellschaft für Kultur und Freizeit mbH & Co. KG“ rein privatwirtschaftlich betrieben. Mit dieser Struktur nimmt das Deutsche Auswandererhaus eine Sonderstellung unter den kulturhistorischen Museen Deutschlands ein.

Am 22. April 2012 eröffnete das Deutsche Auswandererhaus seinen Erweiterungsbau, in dem über 300 Jahre Einwanderungsgeschichte nach Deutschland präsentiert werden. Auch die bisherige Dauerausstellung wurde um das Thema der deutschen Einwanderung in den USA seit 1683 erweitert. Die finanziellen Mittel für das neue Ausstellungsgebäude und den teilweisen Umbau des Haupthauses wurden vom Bund, dem Land Bremen mit Unterstützung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie von der privaten Betreibergesellschaft aufgebracht.

Durch die Verbindung von historischer sowie aktueller Aus- und Einwanderung hat sich das Deutsche Auswandererhaus zum bundesweit ersten Migrationsmuseum entwickelt. Im Jahr 2007 wurde das Deutsche Auswandererhaus für sein innovatives Ausstellungskonzept mit dem bedeutenden European Museum of the Year Award ausgezeichnet.

Film & Kino

Unser Kino „Roxy“ begrüßt Sie mit dem Charme eines Lichtspieltheaters der 1950er Jahre. In Anlehnung an die charakteristische Linienführung der Nachkriegsarchitektur ersteht vor Ihren Augen ein typisches Kino aus Zeiten des Wirtschaftswunders. Im Vorraum werden klassische Szenen der bundesrepublikanischen Einwanderungsgeschichte gezeigt und Hörstationen informieren über die Einflüsse der Einwanderung auf Literatur, Film und Popkultur.

Weit entfernt von Wirtschaftswunder-Nostalgie sind jedoch die beiden Kurzfilme, die abwechselnd im Kino zu sehen sind. Der Grimme-Preisträger Ciro Cappellari drehte exklusiv für das Deutsche Auswandererhaus die Dokumentationen „Welcome Home“ (2005) und „24h Buenos Aires“ (2007). Verdichtet in eindrucksvollen Bildern stellen beide Filme Einwanderer in den USA sowie in Argentiniens Hauptstadt vor. Ihre unterschiedlichen Erwartungen, Träume, Erfahrungen und Erlebnisse werden von Cappellari zu einer bewegenden persönlichen Erzählung verbunden.

Museumstechnologie

Mit Modernster Technik auf Spurensuchen

Im Deutschen Auswandererhaus kommt modernste Museumstechnologie zum Einsatz. Sie steckt auch im Eintrittsticket, der iCard, und macht es zum Schlüssel, der die Welt des Museums erschließt. Dabei ist die Handhabung ganz leicht. Ob bei Computer- oder Hörstationen: Wird es gegen eine markierte Stelle gehalten, erhält man auf seiner Reise durch die Zeit wie von selbst Zugang zu bestimmten Informationen. Übrigens: Auch die Ergebnisse der Recherche in den Datenbanken und Passagierlisten lassen sich einfach auf der iCard speichern. Wer will, kann mit ihr an der Fotostation sogar fotografieren.

Möglich macht dies alles die RFID (Radio Frequency Identity)- Technologie. Sie funktioniert im Verborgenen und wird von speziellen Lesegeräten und Servern gesteuert.

icard Dieses Symbol markiert im Deutschen Auswandererhaus die Stationen, an welchen die iCard zum Einsatz kommt.

Die Architektur des Deutschen Auswandererhauses

Ein- und Auswanderung braucht beides: Zuversicht und den Mut zur Entbehrung. Diese Eigenschaften spiegelt auch die Architektur des Deutschen Auswandererhauses wieder. In die weiche, ovale Grundform aus Sichtbeton des Haupthauses schiebt sich das holzbeplankte Obergeschoss als kantiger Block. Beide Elemente erscheinen als Gegenpole und sind doch untrennbar miteinander verbunden. Auch die aufragenden Betonschwingen betonen die gegensätzlichen Facetten von Migration. Sie stilisieren ein winkendes Tuch, das ein zentrales Symbol des Abschieds und zugleich der Hoffnung auf ein Wiedersehen ist.

Der würfelförmige Erweiterungsbau, eine hölzerne „Box“, ein Aufbewahrungsgebäude, beherbergt die Biographien der neu präsentierten Einwanderungsgeschichte. Eine Brücke verbindet beide Gebäudekomplexe: die Auswanderungsgeschichte und die Einwanderungsgeschichte. Symbolhaft wird gezeigt, dass die Unterscheidung von Aus- und Einwanderung in erster Linie eine Frage der Perspektive ist.

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Auszeichnungen

In seiner noch jungen Geschichte kann das Deutsche Auswandererhaus auf Erfolge zurückblicken, die über hohe Besucherzahlen hinausreichen.

Im Jahr 2007 gewann das Erlebnismuseum den „European Museum of the Year Award“, der damit nach 15 Jahren erstmals wieder an ein deutsches Museum vergeben wurde. Insbesondere das innovative Ausstellungskonzept und die emotionale Annäherung an das Thema Auswanderung überzeugten die Jury des Europäischen Museumsforums EMF. Das Deutsche Auswandererhaus befindet sich damit in einem Kreis international renommierter Häuser wie beispielsweise dem Guggenheim Museum in Bilbao oder dem Victoria and Albert Museum in London.

Im folgenden Jahr (2008) wurde das Deutsche Auswandererhaus mit dem „The Best in Heritage Award“ der gleichnamigen europäischen Exzellenzinitiative ausgezeichnet. Die Preise unterstreichen die Bedeutung des Museums als außergewöhnliche Institution für die Beschäftigung mit der historischen Auswanderung bei gleichzeitigem Blick auf zeitgenössische Entwicklungen.

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