„Insel der Hoffnung“ – „Insel der Tränen“ – „Fabrik zur Herstellung von Amerikanern“

125 Jahre Ellis Island: 1892 - 1954.

In der Registry Hall auf Ellis Island. Nach einer Photographie gezeichnet von Ewald Thiel. Um 1905. Foto: Dauerleihgabe Initiativkreis Deutsches Auswandererhaus

Ellis Island. Seit jeher fasziniert die auf einer kleinen Insel vor Manhattan gelegene Einwanderungsstation die Menschen. Grund: Sie ist der Ort, an dem Auswanderer aus aller Welt das erste Mal US-amerikanischen Boden betraten. Ihr erster Schritt in ein neues Leben und gleichzeitig eine letzte und alles entscheidende Hürde, denn dort wurde entschieden, wem die Einreise gestattet und wem sie verwehrt bleiben sollte. Tränen der Freude und Tränen der Enttäuschung flossen gleichermaßen.

Dokumente der Behörden und Zeitzeugen erzählen heute die Geschichte von Ellis Island, unter anderem im Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven. Dort stellt ein detailgetreu rekonstruierter Raum die Einwanderungsstation im Jahr 1907 nach und ermöglicht den Museumsgästen so eine Zeitreise: Wer im Deutschen Auswandererhaus den langen Gang zu Ellis Island durchschreitet hört den Herzschlag der vielen Tausend, die durch den gleichen Gang auf Ellis Island einer ungewissen Zukunft entgegen gingen.

Die Fragen der Menschen werden für die Besucher in dieser realistischen Atmosphäre deutlich: War die Entscheidung zur Auswanderung die Richtige? Was wird passieren? Werde ich abgewiesen? Angst und Hoffnung liegen in diesem Augenblick nah beieinander. In den engen Bankreihen des Museumsraumes können die Gäste an Hörstationen nachvollziehen wie es dem Auswanderer, dessen realer Biographie sie beim Besuch des preisgekrönten Erlebnismuseums von der Abfahrt an der Kaje bis zu Ankunft in New York folgen, auf der „Insel der Tränen“ ergangen ist. An so genannten „Legal Desks“, den Schreibtischen der Einwanderungsbeamten, können die Besucher zudem unter Zeitdruck die Fragen eines virtuellen Beamten beantworten und herausfinden, ob sie 1907 hätten einreisen dürfen.

Mit abermals geänderten Einreisebestimmungen und nachlassenden Einwanderungszahlen wurde Ellis Island, während des Zweiten Weltkriegs als Gefängnis geführt, im Jahr 1954 endgültig geschlossen. Seit 1990 ist die Einwanderungsstation ein Museum und über vierzig Prozent der Amerikaner haben Vorfahren, die über diesen besonderen Ort eingewandert sind.

Ausstellungsraum "Ellis Island" ...

im Deutschen Auswandererhaus.

Fotos: Werner Hutmacher (1), Stefan Volk (2).