Heimat neu denken

Am Samstag, 18. November 2017, haben die Stiftung Deutsches Auswandererhaus und das Deutsche Auswandererhaus gemeinsam den mit 10.000 Euro dotierten Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung verliehen. 22 Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen von Kiel bis München und von Berlin bis Münster hatten sich um diesen Preis beworben.

Kalliope-Preisträger 2017: Prof. Dr. Christoph A. Rass, Universität Osnabrück. Foto: Antje Schimanke

„Der Kalliope-Preis ist ein Gewinn für die deutsche Museumslandschaft, weil er exemplarisch zeigt, wie Museen aktuelle Forschungsergebnisse in Kooperation mit Universitäten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen können“, so der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, Prof. Dr. Hermann Parzinger. Er war neben dem ARD-Journalisten und „Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber Mitglied der fünfköpfigen Jury, die den Kalliope-Preis 2017 Prof. Dr. Christoph A. Rass von der Universität Osnabrück zugesprochen hat. Ausgezeichnet wurde der Migrationswissenschaftler für die Konzeption eines Workshop-Formats, welches verdeutlicht, dass Wanderungsbewegungen auch in deutschen Familiengeschichten häufiger vorkommen als allgemeinhin vermutet. In einem Kooperationsprojekt zwischen dem Preisträger und dem Deutschen Auswandererhaus wird Besuchern zukünftig ermöglicht, eine familiäre Wanderungslandkarte über vier Generationen zu erstellen. Mit ihrer Hilfe soll deutlich werden, dass fast alle Familien in einem Zeitraum von einhundert Jahren über kleinere oder größere Distanzen in Bewegung sind – ob durch Flucht vor Gewalt ist, die Suche nach einem besseren Leben oder nach besseren Bildungsmöglichkeiten oder sogar durch Migration aus Liebe. „Darüber hinaus wird das Projekt zeigen, dass Heimat auch in deutschen Familien weniger ein Ort als ein Gefühl ist“, erklärt die Direktorin des Deutschen Auswandererhauses, Dr. Simone Eick.

Der Kalliope-Preis wurde am Samstag zum zweiten Mal im Deutschen Auswandererhaus feierlich verliehen. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Saxophonistin Asya Fateyeva, die im vergangenen Jahr den Echo Klassik Award als „Nachwuchskünstlerin des Jahres 2016“ gewann und gemeinsam mit der ebenfalls preisgekrönten Pianistin Valeriya Myrosh auftrat. Durch den Abend führte TV-Journalist Markus Brock, der unter anderem die Sendung „Museums-Check“ auf 3sat moderiert und in dieser monothematischen, 45-minütigen Sendung im Jahr 2011 auch das Deutsche Auswandererhaus ausführlich porträtierte.

Die feierliche Verleihung des Kalliope-Preises der Stiftung Deutsches Auswandererhaus wurde Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung der Wirtschaftsförderung Bremen und der Seestadt Bremerhaven ermöglicht. Das Preisgeld stiftete Dr. Joachim Ditzen-Blanke, Herausgeber der Nordsee-Zeitung sowie langjähriger Freund und Unterstützer des Deutschen Auswandererhauses.

v.l.n.r.: 3sat-Moderator und "Museums-Checker" Markus Brock, Matthias Ditzen-Blanke (Vorsitzender des Stiftungsrates, Stiftung Deutsches Auswandererhaus), Bremens Wissenschaftssenatorin Prof. Dr. Eva Quante-Brandt, Kalliope-Preisträger 2017 Prof. Dr. Christoph A. Rass, Bremerhavens Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Lückert, Staatsrat Jörg Schulz (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsches Auswandererhaus) und Museumsdirektorin Dr. Simone Eick. Foto: Antje Schimanke