Freie Universität Berlin gewinnt „Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung“

Stiftung Deutsches Auswandererhaus und Deutsches Auswandererhaus verleihen erstmalig mit 10.000 Euro dotierten Preis

Die Freie Universität Berlin ist am Freitagabend, 7. August 2015, im Deutschen Auswandererhaus mit dem „Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung“ ausgezeichnet worden. Prämiert wurde ein Projekt von Prof. Dr. Markus Tiedemann vom Institut für vergleichende Ethik, das sich um die interkulturelle Verständigung in der Schule in Theorie und Praxis verdient gemacht hat. Die Stiftung Deutsches Auswandererhaus und das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven haben den mit 10.000 Euro dotierten Preis zum ersten Mal verliehen und fördern damit ein Projekt, das „die Schulung philosophischer Urteilskraft“ in den Vordergrund stellt.

Preisverleihung 2015: Stiftungsvorstand Jörg Schulz, Museumsdirektorin Dr. Simone Eick, Preisträger Prof. Dr. Markus Tiedemann von der Freien Universität Berlin, und der Stifter des Preisgeldes Dr. Joachim Ditzen-Blanke (v.l.n.r.).

Förderung der Stiftung Deutsches Auswandererhaus

„Wir fördern mit dem Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung wissenschaftliche Arbeiten und Universitätsprojekte, deren Forschungsergebnisse Kultur- und Bildungseinrichtungen helfen, Migration weitsichtig, nachhaltig und global zu vermitteln“, erklärte der Vorsitzende der Stiftung Deutsches Auswandererhaus Jörg Schulz bei der Preisverleihung in Bremerhaven. Dabei sei es besonders wichtig, praxisnah zu arbeiten – so, wie es auch dem Ansatz des Deutschen Auswandererhauses entspreche, die deutsche Migrationsgeschichte informativ und erlebnisreich für alle Zielgruppen aufzubereiten, um die Gesellschaft weiterhin für dieses relevante Thema zu sensibilisieren.

Das sei, so die Jury, dem nun ausgezeichneten Projekt der Freien Universität Berlin in besonderer Weise gelungen: Es versucht unter anderem, dem „Werte-Vermittlungsdilemma“ in der interkulturell geprägten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts entgegen zu wirken. Das Institut gestaltet zum einen die Lehrerausbildung sowie die Schul- und Unterrichtsentwicklung des in Berlin verpflichtenden Schulfaches Ethik. Zum anderen haben die Wissenschaftler um Markus Tiedemann konkrete Hilfestellungen „für Lehrer, Pädagogen und streitbare Bürger“ entwickelt. Die daraus hervorgegangene Publikation „Unsere Tochter nimmt nicht am Schulunterricht teil!“ greift 50 religiös-kulturelle Konfliktfälle in der Schule auf. Hierfür haben die Wissenschaftler Lehrkräfte und das Leitungspersonal verschiedener Schulformen systematisch nach Vorkommnissen in ihrem Alltag befragt. Konfrontiert werden diese mit elterlichen Aussagen wie: „Unser Sohn gibt einer Frau nicht die Hand!“, „Unser Kind muss während des Schultages beten können!“ oder „Unser Kind darf die Vertreibung der Armenier nicht als Völkermord bezeichnen!“. Der Ratgeber informiert über die kulturellen Wurzeln der jeweiligen Forderungen und alternativen Deutungen dieser Traditionen, stellt die geltende Rechtslage dar und gibt konkrete Empfehlungen. Neben dieser didaktisch-methodischen Arbeit finden am Institut für vergleichende Ethik auch Forschungen zum Selbstverständnis der Philosophie statt: Welchen Beitrag kann und will die Philosophie zur normativen Orientierung in der pluralistischen Gesellschaft leisten?

Ein Teil des Preisgeldes, das mit dem Verleger der Nordsee-Zeitung Dr. Joachim Ditzen-Blanke ein langjähriger, großzügiger Unterstützer des Deutschen Auswandererhauses gestiftet hat, kommt der ausgezeichneten Institution zugute. Mit dem anderen Teil wird ein Kooperationsprojekt zwischen dem Institut für vergleichende Ethik und dem Museum durchgeführt. Darüber freut sich die Direktorin des Deutschen Auswandererhauses Dr. Simone Eick besonders: „Wir werden gemeinsam philosophisch-ethische Unterrichtseinheiten zum Thema Migration entwickeln, die hier am außerschulischen Lernort Deutsches Auswandererhaus erarbeitet und ausprobiert werden. Als Museum haben wir den Anspruch, Migration alltagsnah zu vermitteln und emotional erlebbar zu machen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen wollen wir Ängste in Neugierde umwandeln.“

Kalliope-Preis für praxisnahe Migrationsforschung Stiftung Deutsches Auswandererhaus

Ausschnitt aus einem Bilderbogen. Cesare Ripa, Paris, 1677.

Jury des Kalliope-Preises für praxisnahe Migrationsforschung 2015

Prof. Dr. Christine Langenfeld
> Vorsitzende Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration, Berlin

Prof. Dr. Bernd M. Scherer
> Intendant, Haus der Kulturen der Welt, Berlin

Jörg Schulz
> Oberbürgermeister a. D., Vorsitzender Stiftung Deutsches Auswandererhaus

Matthias Ditzen-Blanke
> Stiftungsratsvorsitzender Stiftung Deutsches Auswandererhaus

Dr. Simone Eick
> Direktorin, Deutsches Auswandererhaus