»Gott sei Dank nicht nach China.« Der Holocaust und deutsch-jüdische Auswanderer in Shanghai

Der Freundeskreis unterstützt das Deutsche Auswandererhaus in ganz unterschiedlichen Bereichen und organisiert jedes Jahr eine Vortragsreihe. Die Matineen über verschiedene Themen zur Migrationsgeschichte finden in den Räumen des Museums statt.

Die Vorträge sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

Mehr zum Freundeskreis unter: www.freundeskreis-dah.de

Vortrag der Berliner Vertreterin des Leo Baeck Institute – New York | Berlin, Dr. Miriam Bistrovic, am Sonntag, 08. April 2018, um 10.30 Uhr

»Gott sei Dank nicht nach China.« Die Worte entstammen einer Postkarte vom 14. Dezember 1938. Deren Verfasserin sprach damals vielen deutschsprachigen Jüdinnen und Juden aus der Seele. Nur die wenigsten unter ihnen hätten freiwillig ihren Lebensmittelpunkt nach Asien verlegt. Shanghai mit seinen Menschenmassen, dem babylonischen Sprachengewirr und dem sozialen Gefälle eilte der Ruf eines Sündenbabels voraus. Zudem drohte den meisten Auswandernden in der asiatischen Metropole unweigerlich der Statusverlust: In Ermangelung der benötigten Sprachkenntnisse sahen sich einstmals anerkannte Angehörige der bürgerlichen Mittelschicht plötzlich zu einfachen Almosenempfängern degradiert, die nicht nur ihrer Heimat, sondern zugleich ihres Ansehens und bisherigen Lebensinhalts beraubt wurden. Trotzdem erwies sich ausgerechnet das Exil in Shanghai zu einer Zeit, als die Ausreise zum einzigen Ausweg vor nationalsozialistischer Verfolgung wurde und ein Land nach dem anderen seine Grenzen für verzweifelte jüdische Flüchtlinge schloss, für Tausende als sicherer und letztendlich lebensrettender Hafen.

Dr. Miriam Bistrovic ist Historikerin und die Berliner Vertreterin des Leo Baeck Institute - New York | Berlin. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem Erinnerungskulturen (insbesondere Deutschland und Japan), jüdisches Exil und Diaspora sowie aktueller Antisemitismus.

Der Vortrag ist öffentlich, der Eintritt ist frei.

Dr. Miriam Bistrovic.© Privat