Migrationsgeschichte virtuell gemacht – Emotionen digital gedacht

Gesellschaftliche Debatten finden zunehmend im Netz statt, virtuelle Realitäten sind nicht nur bei Computerspielen längst etabliert. Doch wie reagieren Museen auf die Digitalisierung, wo sie doch meist an einen festen Ort gebunden sind? Wie können neue Besucher gewonnen und bestehende stärker eingebunden werden? Kann mit neuer Technik Wissen besser oder anders vermittelt werden? Im Projekt „museum4punkt0 – Digitale Strategien für das Museum der Zukunft“ werden Möglichkeiten getestet, digitale Technologien für Kommunikation, Vermittlung und Interkation in Museen nutzbar zu machen.

Das Deutsche Auswandererhaus ist einer von sechs Partnern in diesem von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages geförderten Pilotprojekt. Neben dem Deutschen Auswandererhaus beteiligen sich unter Federführung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und ihrer Staatlichen Museen zu Berlin auch die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, das Deutsche Museum München, die Fasnachtsmuseen Langenstein und Bad Dürrheim mit weiteren Museen der schwäbisch-alemannischen Fasnacht und das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz an „museum4punkt0“.

Am Deutschen Auswandererhaus werden interkulturelle Kommunikationskompetenzen für das Zusammenleben in einer Einwanderungsgesellschaft vermittelt. Das Thema Migration wird dabei auch durch persönliche und digitale Kommunikation den Besuchern nahegebracht. Ziel ist es, einen intensiveren Austausch mit den Besuchern zu ermöglichen und deren Bereitschaft zu fördern, sich mit Ein- und Auswanderung auseinanderzusetzen. Das Projekt am Deutschen Auswandererhaus besteht aus drei Modulen, die sich mit den Themen Besucherkommunikation, Vermittlung biographischer Aspekte und mit emotionalen Aspekten von Einwanderung befassen. Die Projekte laufen bis 2020.

Modul 1: Kommunikationsplattformen

Online-Befragungen in einem eigens dafür gestarteten Portal ermöglichen die Interaktion mit den Besuchern vor und nach dem Museumsbesuch. In den Befragungen geht es sowohl um aktuelle politische Debatten als auch um historische Migrationsthemen. In der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses befinden sich über 3.000 Aus- und Einwandererbiographien, die vielfach persönlich dem Museum übergeben worden sind. In einem neuen Portal sollen Familiengeschichten und Erinnerungsobjekte online gesammelt und präsentiert werden.

Bereits gestartet:

Dialog Migration

Weitere Elemente folgen im Frühjahr 2018

Modul 2: Biographie-Stationen in Mixed/Virtual-Reality-Umgebungen

Die biografischen Schilderungen von Aus- und Einwanderern werden an Mixed Reality-Stationen in Bezug gesetzt zu Migrationsbewegungen und Statistiken, die die persönlichen Geschichten in einen größeren politischen Kontext einordnen. Erste Elemente der neuen Technik werden in einem Ausstellungsexperiment zum Thema Kriegsgefangenschaft im Ersten Weltkrieg getestet.

Seit 31. Juli 2018: KRIEGsgefangen. OHNMACHT. SEHNSUCHT. 1914 – 1921

Modul 3: Mixed Reality Emotions-Stationen

Einwanderung soll aus verschiedenen Perspektiven (u.a. aus der Sicht von Einwanderern und Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft, in die eingewandert wird) virtuell betrachtet werden. Dabei entsteht eine multiperspektivische Wahrnehmung von Meinungsbildungsprozessen, die den Besuchern irrationale Elemente von Migrationsdebatten vor Augen führt.

Start im Herbst 2018

Das museum4punkt0-Team am Deutschen Auswandererhaus

Birgit Burghart, Kulturwissenschaftlerin, ist als Referentin der Direktion für die Koordination des Projektes am Deutschen Auswandererhaus zuständig.

Katie Heidsiek, Sozialwissenschaftlerin, konzipiert die Befragungen und Evaluationen bei „museum4punkt0“. Die US-Amerikanerin erarbeitet außerdem Konzepte für deren zeitgemäße Präsentation und Einbindung in die Ausstellung.

Johanna Knoop, Sozialwissenschaftlerin, beschäftigt sich mit dem Aspekt der Emotionalität im gesellschaftlichen Migrationsdiskurs und der Rolle von Statistiken darin. Zudem ist sie für die wissenschaftliche Aufbereitung der online gesammelten Familiengeschichten zuständig.

Manuel Krane, Literaturwissenschaftler, ist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und die Webseite im Rahmen von „museum4punkt0“ zuständig. Außerdem entwickelt er gemeinsam mit Katie Heidsiek das Kommunikationsportal.

Janina Schneider, Kulturwissenschaftlerin, ist für die Recherche und wissenschaftliche Aufbereitung der Ausstellungsinhalte bei „museum4punkt0“ verantwortlich.

Weitere Informationen

Mehr Informationen zum „museum4punkt0“-Gesamtprojekt gibt es auf museum4punkt0.de

Auf der Seite der Stiftung Preussischer Kulturbesitz gibt es ein Interview zu dem Pilotprojekt mit der Direktorin des Deutschen Auswandererhauses Dr. Simone Eick.

museum4punkt0 ist auf Twitter: @museum4punkt0