Objekt des Monats: Puppe, um 2003

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Puppe im Stil einer Quinceañera, um 2003

 

Material:
Kunststoff/Kunsthaar, Papier, Metall

Maße:
Höhe: 23,0 cm
Breite:  20,0 cm
Tiefe:   27,0 cm

Schenkung:
Aurellie Ballajee
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

Wenn sich Menschen verlieben, so ist es nur natürlich, dass sie auch zusammen sein wollen. Lebt die Person jedoch in einem anderen Land, ist dies gar nicht so einfach. Die große Frage: „Kann ich meine Heimat für diese Liebe hinter mir lassen?“ haben sich mit Sicherheit schon viele von uns einmal im Leben gestellt. Obwohl dieses Thema heute genauso wichtig ist wie vor mehreren hundert Jahren, ist die Entscheidung noch genauso schwer. Für eine neue gemeinsame Zukunft etwas zurückzulassen, sei es die Familie, einen Ort oder gar ein Land, erfordert es sehr viel Mut. Nicht selten sind es Frauen, die diese Reise in der Hoffnung auf ein neues Leben und aus Liebe zu ihrem Partner antreten.

Kurzbiographie

Aurellie Ballajee wird im Mai 1993 auf Mauritius geboren und lebt dort mit ihren Eltern und fünf Geschwistern bis zu ihrem neunten Lebensjahr. Im Frühjahr 2003 wandert sie als jüngstes Kind gemeinsam mit ihrer Mutter aus, um bei ihrem neuen Stiefvater in Nordenham an der Weser zu leben. Der Start in Deutschland ist für sie nicht leicht. Denn obwohl sie die Sprachen Kreolisch, Französisch, Englisch und Japanisch spricht, helfen ihr diese vielfältigen Kenntnisse nicht beim Deutschsprechen.

In Deutschland muss sie sich als erstes in eine neue Schule eingewöhnen und sich dem Erlernen der neuen Sprache widmen. Da diese Aufgabe alles andere als leicht ist, besucht sie die vierte Klasse in Deutschland zwei Mal und nimmt zusätzlich in den Ferien an Sprachkursen in Deutsch teil. Im Alter von 17 Jahren zieht sie aus dem Haus aus, in dem sie mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater wohnt, um auf eigenen Beinen zu stehen. Sie macht ihren Realschulabschluss in Nordenham und erhält ihre Fachhochschulreife in Modedesign im Schulzentrum Geschwister Scholl in Bremerhaven. Im Anschluss beschließt sie aufgrund ihrer umfangreichen Sprachkenntnisse ein Studium zur Fremdsprachenkorrespondentin zu absolvieren.

Bedeutung des Objektes

Als Abschiedsgeschenk erhält Aurellie Ballajee von ihrem Vater eine Puppe, die ein voluminöses hellblaues Kleid im Stil einer Quinceañera trägt. Dies ist zugleich das letzte Mal, dass sie ihren Vater sieht.

Die Quinceañera ist insbesondere in Lateinamerika und in Teilen der USA weit verbreitet. Dieser Brauch beschreibt den Wandel eines Mädchens zur Frau und wird zum 15. Geburtstag groß gefeiert. Diese Lebensübergangsphase wird je nach Region von abweichenden Traditionen begleitet und steht als Symbol für den Eintritt ins Erwachsenenalter. Die Mädchen tragen zu diesem Ereignis besondere Ballkleider, die prunkvoll ausfallen und an Hochzeitskleider erinnern können. Neben dem Besuch einer kirchlichen Messe, ist der Vater-Tochter-Tanz ein ganz besonderes Ereignis, indem noch einmal deutlich wird, dass die Tochter nun das Kindheitsalter hinter sich gelassen hat und in die Gesellschaft eingeführt wird.

In den USA ist den Puppen selbst ein eigener Feiertag gewidmet: der „National Doll Day“. Er wird jeweils am ersten Sonntag im August begangen. Obwohl dieser „Tag der Puppe“ nicht in direkter Verbindung zum Brauch der Quinceañera steht, verkörpert er dennoch eine Sammelleidenschaft und kostbare Kindheitserinnerungen, die Menschen wie Aurellie Ballajee und viele andere damit verbinden. Der Feiertag geht auf die US-amerikanische Bloggerin Lanetta J. Sprott im Jahr 2011 zurück und wird am ersten Sonntag im August gefeiert.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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