Objekt des Monats: Pfadfinderhut, um 1949

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Objektbezeichnung

Pfadfinderhut, um 1949

Material:
Wollfilz, Leder, Metall

Schenkung:
Manfred Schnetzer
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

Die Pfadfinderbewegung geht auf das Jahr 1907 zurück. In diesem Jahr hat der Gründer Lord Robert Baden Powell das erste Zeltlager auf Brownsea Island (Großbritannien) abgehalten. Er probierte mit 22 Jungen verschiedener sozialer Schichten sein Konzept einer Pädagogik des Erlebens und der Verantwortung. Kinder und Jugendliche sollten sich mit der Natur auseinandersetzen und lernen zusammenzuhalten. Ein Jahr später veröffentlicht er sein erfolgreiches Buch „Scouting for Boys“, das zur Gründung der Weltpfadfinderbewegung führt. Heute gehören dieser Bewegung 34 Millionen Mitglieder an, was sie zur größten Jugendorganisation macht. 1909 widmet sich Dr. Alexander Lion auch in Deutschland der Idee von Powell und führt den Begriff „Pfadfinder“ für das englische Wort „Scout“ ein.

1928 gibt es erste katholische Pfadfindergruppen unter anderem in Wuppertal, München, Berlin und Beuthen. Diese schließen sich ein Jahr später zur Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) zusammen. 1934 verbieten die Nationalsozialisten das Tragen von Kluften, Banner und Abzeichen. Später wird der DPSG sogar aufgelöst und verboten. Einige agieren im Untergrund und wagen dennoch den Kontakt zu ausländischen Pfadfindern und legen auf diese Weise den Grundstein für spätere Verständigung. Nach dem 2. Weltkrieg werden vielerorts wieder auf örtlicher Ebene Pfadfindergruppen gegründet und die DPSG hat vier Jahre nach Kriegsende wieder 20.500 Mitglieder. Heute zählen deutschlandweit ca. 96.000 Mitglieder dazu.

Kurzbiographie des Auswanderers Manfred Schnetzer

Manfred Schnetzer wird am 21. Juli 1935 als ältestes von vier Geschwistern in Friedrichshafen am Bodensee geboren. 1946 zieht die Familie ins bayerische Kempten, wo der Vater, der eigentlich Flugzeugbauingenieur ist, eine Stelle in einer Maschinenfabrik annimmt und wenig später ein kleines Ingenieurbüro gründet. 1949 beginnt Manfred Schnetzer eine Lehre als technischer Zeichner und möchte, wie sein Vater Ingenieur werden. Im Jahr 1951 entschließt sich der Vater zur Auswanderung, um in den USA wieder als Flugzeugbauingenieur arbeiten zu können, die Familie bleibt zunächst in Deutschland. Knapp ein Jahr später folgt ihm die Mutter mit den drei Kindern. Bis 1958 arbeite Manfred Schnetzer als technischer Zeichner und geht danach für zwei Jahre zum Militär. Er besucht eine Abendschule und besteht 1961 sein Abitur und im beginnt im Anschluss daran mit einem Maschinenbau-Studium. Im gleichen Jahr heiratet er seine Frau Regina. Nach seinem Universitätsabschluss wird Manfred Schnetzer von einem Flugzeugbauunternehmen als Ingenieur eingestellt, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 arbeitet.

Bedeutung des Objektes

Bedeutung des Objekts: Der schöne Sommermonat August bietet sich durch die meist warmen Temperaturen für Ausflüge und zum Zelten an, beispielsweise mit einem Pfadfinderverein. 1949 tritt Manfred Schnetzer der Pfadfinderschaft St. Georg in Kempten (Allgäu) bei. Seinen Pfadfinderhut nimmt er bei seiner Auswanderung 1952 Jahre als Andenken an seine Heimat mit und hebt ihn über Jahrzehnte hinweg weiterhin auf.

Der Pfadfinderhut ist nur ein Utensil, das die Pfadfinderkluft eines Pfadfinderbundes- oder verbandes ausmacht. Der Pfadfinderhut wurde ebenfalls in dem Buch von Powell als Teil der Scout Uniform (Pfandfinderkluft) eingeführt. Durch den Wollfilz dient er wunderbar als Sonnen- und Regenschutz.

Die Pfandfinderkluft oder auch –uniform wurde eingeführt, um den Klassenunterschied der Mitglieder unsichtbar zu machen. Außerdem erzeugt sie ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Zu der Kluft gehören neben dem Hut außerdem ein Hemd und ein Halstuch, die je nach Verband in den Farben variieren. Außerdem werden häufig Abzeichen in Form von Aufnähern auf den Hemden angebracht um zu zeigen welchem Pfadfinderbund der Träger angehört und gegebenenfalls welche Aufgaben und Funktionen er dort wahrnimmt.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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