Objekt des Monats: „In der Pass- und Polizeistube vor der Emigration”, 1859

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Felix Schlesinger, „In der Pass- und Polizeistube vor der Emigration”, 1859. © Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Deutsches Auswandererhaus

Ausstellungsraum „Wartehalle“, in der das Gemälde präsentiert wird.

Objektbezeichnung

Felix Schlesinger, „In der Pass- und Polizeistube vor der Emigration”, 1859

Historische Einordnung

Der Schöpfer des Gemäldes Felix Schlesinger gehörte der Düsseldorfer Malerschule an. Zu dieser zählten zwischen 1819 und 1918 mehr als 4.000 Künstler, die an der dortigen Kunstakademie oder in ihrem Umfeld tätig waren. Unter der Direktion von Wilhelm von Schadow entwickelte sich die Akademie zwischen 1826 und 1859 zur führenden deutschen Ausbildungsstätte für Maler. Zunächst lag der künstlerische Schwerpunkt auf der Historienmalerei, später auf der Landschafts- und Genremalerei. Letztere beinhaltet die Abbildung von Alltagsszenen aus der breiten Bevölkerung. In der Tradition der Düsseldorfer Genremalerei ließ Felix Schlesinger Szenen mit Kindern, ihren Großeltern, aber auch sozialgeschichtlich pointierte Themen entstehen. Das Gemälde „In der Pass- und Polizeistube vor der Emigration“ schuf er kurz nach der ersten großen Auswanderungswelle, bei der sich Anfang der 1850er-Jahre mehr als 700.000 Deutsche auf den Weg in die Neue Welt machten. Es zeigt einen Moment, der existentiell für jeden legalen Auswanderer war: die Ausstellung des Passes in einer Amtsstube.

Material mit Rahmen:
Öl auf Leinwand, Glas, Holz

Maße mit Rahmen:
113 x 138 x 12,5 cm

Schenkung:
Initiativkreis Deutsches Auswandererhaus e. V.
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus 

Der Initiativkreis Deutsches Auswandererhaus e. V. ersteigerte das Gemälde „In der Pass- und Polizeistube vor der Emigration” Anfang Juli 2006 beim Auktionshaus Karl & Faber in München und stiftete es anschließend dem Deutschen Auswandererhaus.

Kurzbiographie des Malers

Felix Schlesinger wurde 1833 in Hamburg geboren. 1848 begann er dort seine künstlerische Ausbildung bei Friedrich Heimerdinger. Von 1850 bis 1851 besuchte Felix Schlesinger die Düsseldorfer Kunstakademie. Nach einem einjährigen Studienaufenthalt in Antwerpen kehrte der junge Maler 1852 nach Düsseldorf zurück. Dort nahm er zwei Jahre Privatunterricht im Atelier des Düsseldorfer Genremalers Rudolf Jordan. Mehrere Reisen führten ihn anschließend nach Norddeutschland, er arbeitete einige Jahre in Paris und wechselte von 1861 bis 1863 nach Frankfurt. Schließlich ließ er sich endgültig in München nieder, wo er 1910 starb.

Bedeutung des Objektes

Das Bild von Felix Schlesinger ist ein einzigartiges sozialhistorisches Dokument. Als besonderes Exponat der Museumssammlung, die vor allem Lebensgeschichten, Fotos, Dokumente und Erinnerungsstücke von Aus- und Einwanderern enthält, stellt es ein zentrales Dokument in den Mittelpunkt: den Pass. War und ist er meistens Voraussetzung zur Ein- und Ausreise, wurde er zusammen mit einem Visumstempel in der Zeit des Nationalsozialismus überlebenswichtig. Fehlt der Pass oder ist er ungültig, wird der Mensch in die Illegalität gezwungen.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

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