Objekt des Monats: Schiffszeitung „Skaubryn News“, 1955

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Deutsches Auswandererhaus

Titel der „Skaubryn News“.
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Innenseite der „Skaubryn News“.
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

„Skaubryn News“. Schiffszeitung der MS Skaubryn auf ihrer Reise von Bremerhaven, Deutschland, nach Melbourne, Australien. Weihnachtsausgabe 1955.

Historische Einordnung

Schiffszeitungen lassen sich auf interkontinentalen Fahrten bis mindestens in die frühen 1830er Jahre zurückverfolgen. Waren sie zunächst ein Eigenprodukt von Passagieren der Ersten und Zweiten Klasse gegen die Langeweile, so nahmen um 1900 die Schifffahrtsgesellschaften die Herausgabe der Zeitungen selbst in die Hand. Durch die telegraphische Verbindung mit dem Festland war es nun möglich, die Passagiere durch die Schiffszeitung mit aktuellen Informationen zu versorgen.

Die Schiffszeitung der MS Skaubryn begleitete die Passagiere auf der Route von Bremerhaven nach Melbourne. Ihre erste Nummer während der Fahrt von Ende November bis Ende Dezember 1955 erschien am Montag, den 28. November. Darin gibt ihr Redakteur über Zweck und Inhalt der Zeitung Auskunft:

„Mit dieser Zeitung, die Sie hier in Haenden halten, wollen wir Ihnen im Laufe der Reise, ausser den taeglichen Radio-Presse-Meldungen, Schiffsnachrichten usw., auch einiges über das Land berichten, in das Sie nun fahren und in welchem Sie sich eine neue Heimat zu gründen beabsichtigen.
Wir sind sicher, dass Sie diese Informationen interessieren werden, denn wir wollen versuchen, Sie schon von hier aus mit den Lebensgewohnheiten Australiens, mit den sozialen Verhältnissen und mit der Schönheit des Landes vertraut zu machen.“
   

Material:
Papier, maschinengeschrieben und hektografiert

Maße:
DIN A4

Schenkerin:
Liselotte Meller
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Kurzbiographie der Schenkerin Liselotte Meller

Liselotte Meller, geborene Martens, wurde am 8. August 1931 geboren. Mit 24 Jahren heuerte sie als Krankenschwester auf der MS Skaubryn an. Vom 26. November 1955 bis zum 7. Mai 1956 gehörte sie zur Crew des Schiffes, das in dieser Zeit die folgenden Häfen anlief: Bremerhaven – Port Said – Suez – Colombo – Fremantle – Melbourne – Sydney – Saigon – Marseille.

Liselotte Meller ist selber nicht ausgewandert. Aber sie hat zahlreiche Auswanderer auf dem Weg in ihr neues Leben begleitet und auf diese Weise ihre Abenteuerlust gestillt: „Als mir 1955 (10 Jahre nach Kriegsende) die Möglichkeit gegeben wurde, an Bord eines Schiffes zu gehen und damit die weite Welt kennenzulernen, habe ich sofort zugegriffen.“

Bedeutung des Objektes

Das Objekt ist zunächst ein Souvenir für Liselotte Meller, die die Schiffszeitungen aus ihrer Zeit als Krankenschwester an Bord des Auswandererschiffs MS Skaubryn gesammelt hat: „Nicht nur damals, auch heute noch kommt mir diese Zeit wie ein Traum vor. 2 ½ Monate auf begrenztem Raum mit so vielen Menschen zu leben, für Ordnung und Ruhe zu sorgen, das Feiern nicht zu vergessen, die Abschiedsszenerien in Bremerhaven und in den Häfen Australiens haben mich geprägt für mein Leben.“

Darüber hinaus veranschaulicht das Objekt auch den Versuch der Schifffahrtsgesellschaften, die Passage dem Landleben so ähnlich wie möglich zu gestalten. Indem sie in die Lage versetzt werden, die tägliche Routine des Zeitungslebens auch an Bord auszuüben, erfahren die Auswanderer die Überfahrt nicht (mehr) als Bruch, sondern als Fortsetzung des bisher gepflegten Lebens. Die Schiffszeitung verschafft der Überfahrt also den Charakter des Gewohnten und Bekannten.

Drittens aber hat diese Ausgabe der Schiffszeitung auch Bedeutung aufgrund ihres Anlasses: Weihnachten. In den Worten des Schiffskapitäns Ellef Knudsen vom 24.12.1955:

„Weihnachten werden wir in diesem Jahr auf hoher See feiern. Für die meisten von Ihnen wird dieses das erste Weihnachtsfest sein, das Sie so weit von der Heimat entfernt verbringen, und da Weihnachten unser größtes Fest ist, ist es natürlich, dass all unsere Gedanken zu Hause bei unserer Familie und unseren Lieben weilen. Wir wollen uns daher bemühen, dieses Fest, vor allem für die Kinder, zu einem unvergesslichen Erlebnis und so schön und heimatlich wie nur möglich zu gestalten.“

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen frohe Weihnachten – wo auch immer Sie dies gerade lesen!

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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