Objekt des Monats: Schiffsmodell, um 2000

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Objektbezeichnung

Schiffsmodell „Potsdam“, Norddeutscher Lloyd, Maßstab 1:250

Material
Holz, Papier, Plastik, Bindfaden

Maße
76 x 9 x 18 cm

Schenkung
Michael Müller, cfm Verlag
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

Auf Initiative von Hermann Henrich Meier und Eduard Crüsemann gründeten Bremer Kaufleute 1857 den Norddeutschen Lloyd. Von Beginn an setzten die Reeder ausschließlich Dampfschiffe ein, transportierten Waren ebenso wie Passagiere in die ganze Welt. Ende der 1860er Jahre war der Norddeutsche Lloyd zur führenden Reederei in der bremischen Schifffahrt aufgestiegen. Ihr Sitz blieb Bremen, die Abfertigung der Passagierschiffe erfolgte jedoch in Bremerhaven. Die Seestadt entwickelte sich zur „Lloydstadt“, in der zeitweise rund die Hälfte der Bevölkerung von der Arbeit beim Norddeutschen Lloyd abhängig war. Seinen großen Erfolg verdankte die Schifffahrtsgesellschaft dem Auswanderergeschäft – bis zu ihrem 50-jährigen Jubiläum im Jahr 1907 war sie zur führenden Passagierreederei der Welt aufgestiegen.

Kurzbiographie des Schiffes

Das Turbinenschiff „Potsdam“ lief am 16. Januar 1935 bei Blohm & Voss, Hamburg vom Stapel und wurde im Juni an den Norddeutschen Lloyd abgeliefert. Die Jungfernreise erfolgte kurz darauf von Bremerhaven nach Yokohama/Japan. Fortan war die „Potsdam“ regelmäßig für den Ostasien-Dienst im Einsatz.

Der formschöne Dampfer gehörte zu den internationalen Spitzenschiffen dieses Fahrgebietes, doch ihr wirtschaftlicher Erfolg hielt sich, wie bei allen Ostasien-Schnelldampfern der Bremer Reederei, in Grenzen. Es folgte eine wechselvolle Geschichte: 1940 diente das 193 Meter lange und 22,6 Meter breite Schiff als Wohnschiff der Kriegsmarine und 1942 als Truppentransporter. Später wurde es erneut zum Wohnschiff ausgerüstet und kam nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Evakuierung deutscher Flüchtlinge aus den Ostgebieten zum Einsatz. Bis 1976 war die „Potsdam“ im Einsatz, fuhr nach dem Zweiten Weltkrieg erst unter britischer, dann unter pakistanischer Flagge. Im Oktober 1976 wurde sie in der Bucht von Gadani/Pakistan abgewrackt.

Bedeutung des Schiffes

Schiffe waren bis zum Aufkommen der Konkurrenz durch den Luftverkehr ab Mitte des 20. Jahrhunderts das einzige Verkehrsmittel für eine Reise in die Neue Welt. Millionen von Auswanderern traten eine Seereise an, je nach Jahr und finanziellen Mitteln auf Segel-, Dampf oder Motorschiffen. Modelle verdeutlichen die Entwicklungen im Schiffbau, zeigen welchen Rahmenbedingungen die Überseemigration während der großen Auswanderungszeiten Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts unterlag und welche Auswirkungen das auf die Passagiere an Bord hatte.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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