Objekt des Monats: Studentenausweis, 1962

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Studentenausweis, Freie Universität Berlin, 1962

Historische Einordnung

Bereits im Osmanischen Reich (1876 – 1923) werden ausgewählte Studenten nach Deutschland geschickt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt es zum Neuaufschwung der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei. In den 1950er-Jahren steigt das Interesse junger Türken an einer akademischen Ausbildung in der BRD. Die Zahl der türkischen Studenten an deutschen Universitäten und Technischen Hochschulen steigt zwischen 1954 und 1962 von 405 auf 1.365 an. Viele von ihnen gelangen mit Hilfe eines Stipendiums ihrer Regierung nach Deutschland. Besonders beliebt sind die Studienfächer Bauwesen, Maschinenbau und Architektur.

Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Material:
Papier

Maße:
11,5 cm x 8 cm (zugeklappt)
11,5 cm x 16 cm (offen)

Schenkung:
Hasan Barlas Foçali
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Kurzbiographie des Einwanderers Hasan Barlas Foçali

Hasan Barlas Foçali wird am 6. Juni 1939 in der türkischen Stadt Ayancık geboren. 1946 zieht die Familie vom Schwarzen Meer in die Großstadt Istanbul. Auf Wunsch des Vaters geht Hasan Foçali nach dem Abitur zum Studieren nach Deutschland. Im Juni 1961, wenige Wochen vor dem Mauerbau, kommt er in Berlin an. Dort will er Medizin oder Ingenieurwissenschaften studieren, macht zunächst jedoch ein Praktikum bei Siemens, wo er sich als Heimleiter und Dolmetscher um die Belange der ersten türkischen „Gastarbeiter“ in der Firma kümmert. Im Sommersemester 1962 beginnt Hasan Foçali schließlich sein Zahnmedizinstudium an der Freien Universität Berlin. 1965 kehrt er aus persönlichen Gründen in die Türkei zurück. An der Universität Istanbul beendet er 1970 sein Studium. Seinen Militärdienst absolviert Hasan Foçali als Zahnarzt-Reserveoffizier. Eines Abends lernt er in Istanbul seine jetzige deutsche Frau Ilona kennen. Sie ist damals mit ihrer Familie auf Türkeiurlaub und der Grund für seine Rückkehr nach Deutschland im November 1971. Im Jahr darauf heiraten die beiden und bekommen drei Kinder. Bis zu seinem Ruhestand 2008 arbeitet Hasan Foçali zunächst in Berlin und später in Lippstadt als Zahnarzt.

Bedeutung des Objekts

Die Biographie von Hasan Barlas Foçali zeigt, dass sich die türkische Einwanderung nicht allein auf die so genannte „Gastarbeitermigration“ ab 1961 reduzieren lässt. Bereits vor und auch nach dem deutsch-türkischen Anwerbeabkommen gehen Türken nicht nur zum Arbeiten, sondern beispielsweise auch zum Studieren nach Deutschland. Aufgrund ihrer deutlich geringeren Zahl wurden diese jedoch oft wie „Gastarbeiter“ wahrgenommen. Der Studentenausweis ist so ein wichtiges Dokument der türkischen Bildungsmigration nach Deutschland.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

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