Objekt des Monats: Keksdose, um 1900

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Objektbezeichnung

Keksdose, um 1900

Historische Einordnung

Der Bäckergeselle und Enkel des Hugenotten Etienne Cabos, Carl Immanuel, gründet 1864 in der Hauptstadt des Habsburgerreiches eine eigene Firma, die „Erste Wiener Cakes- und Biscuits-Fabrik Charles Cabos“. Als er stirbt, übernimmt sein Adoptivsohn Christian Mörzinger-Cabos das Unternehmen.

In der Liste der kaiserlichen und königlichen, kurz k.u.k., Hoflieferanten aus dem Jahre 1899 ist auch Christian Mörzinger-Cabos zu finden als „Wein-,Tee- und Dessertbäckerei“. Die k.u.k.-Hoflieferanten waren in der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie Händler, denen es erlaubt war, Waren an den Hof in Wien zu liefern. Natürlich konnte dies auch öffentlich annonciert und damit geworben werden. Eine berühmte Kundin von Cabos war die Kaiserin Elisabeth, auch bekannt als Sisi. Sie ließ sich beispielsweise Konfekt von Wien nach Korfu liefern, wo sie zwischen 1889 und 1891 ein griechisches Schloss im pompejischen Stil, das Achilleion, errichten ließ.

Material:
Blech

Maße:
19 x 9 x 5 cm

Ankauf:
2011 für die Sammlung des Deutschen Auswandererhauses

Kurzbiographie des Einwanderers Etienne Cabos

Der Hugenotte Etienne Cabos wird 1737 in Caussade bei Montauban in Frankreich geboren. Aufgrund der dortigen Verfolgungen seiner Glaubensbrüder sieht sich der Protestant zur Flucht gezwungen, Aufnahme findet er in Deutschland. Wann und auf welchen Wegen genau er dorthin gelangt, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass er die Berlinerin Justine Sircken heiratet, und mit ihr gemeinsam 1780 Deutschland wieder verlässt und nach Rotterdam zieht. Doch dem Paar, das mittlerweile wenigstens vier Kinder hat, geht es dort wirtschaftlich sehr schlecht und so kehrt die Familie Cabos 1790 wieder zurück nach Berlin zu Justines Familie. Dort wird 1793 ein weiterer Sohn geboren. Letztlich findet Etienne hier sein Auskommen als Zahnarzt. 1808 stirbt er in Charlottenburg.

Einige von Etiennes Nachfahren bleiben in Deutschland, andere verschlägt es nach Österreich, nach Holland, in die USA und sogar nach Libyen. Enkel Carl Immanuel wird 1820 in Lippehne in Brandenburg geboren. 1854 wandert der Bäckergeselle nach Wien aus.

Bedeutung des Objektes

„Cabos“ – ein Name, eine Marke. Generationen von Familien zauberte er den Geschmack der „Wiener und französische[n] Wein-, Dessert- und Theebäckerei-Specialitäten“, für die die Süßwarenfabrik bekannt war, auf die Zunge. Heute klingt die Marke den Jüngeren fremd in den Ohren – und stellt sie vor die Frage, wie sie überhaupt auszusprechen ist. Französisch, also „ka-bó“? Oder vielleicht doch deutsch, also „ká-boss“? Solche Assimilationen von Vor- oder Nachnamen an die Lautungsregeln der im Einwanderungsland gesprochenen Sprache sind häufig – man denke nur an das bekannte deutsche Beispiel „Schimanski“. Oft ist der Name die einzige Spur, die noch Zeugnis davon ablegt, dass die eigenen Vorfahren eingewandert sind ...

Im Fall der Cabos sprechen die Nachfahren ihren Namen deutsch aus. Die französische Lautung dürfte der in Brandenburg geborene Firmengründer Carl Immanuel Cabos allerdings ganz bewusst nahegelegt haben, um den Bezug zu Frankreich und seiner berühmten süßen Backtradition herzustellen. Wählte er doch anstelle seines deutschen Vornamens „Carl“ auch die französische Schreibweise „Charles“. Und so kommt es, dass der Markenname „fremd“ klingt für die, die nicht mehr selbstverständlich mit ihm aufgewachsen sind. Aber liegt nicht darin gerade ein Anreiz, über diese (Einwanderungs-)Geschichte etwas zu erfahren?

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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