Objekt des Monats: Reisebericht, 1792

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Das älteste Buch in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses: „Gouverneur Phillips Reise nach Neu-Südwallis“, 1792. © Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Reisebericht „Gouverneur Phillips Reise nach Neu-Südwallis“ von Arthur Phillip, 1792 im F. Schrämbl Verlag erschienen.  

Material:
Papier, Leinen

Maße:
16,4 cm x 10,5 cm x 3,5 cm

Ankauf:
2013 für die Sammlung des Deutschen Auswandererhauses

Historische Einordnung

Am 26. Januar wird in Australien der Australia Day gefeiert. Der offizielle Nationalfeiertag erinnert an die Ankunft der ersten Schiffsflotte, die am 26. Januar 1788 die Bucht des heutigen Hafens von Sydney erreicht. Mit der Ankunft der „First Fleet“ beginnt die europäische Besiedelung des australischen Kontinents. 1786 beschließt Großbritannien, das heutige Australien – damals „Neu-Holland“ – als Sträflingskolonie zu nutzen. Für die Begleitung des ersten Gefangenentransports stellt die Royal Navy zwei kleine Kriegsschiffe bereit. Der Transport der Häftlinge, Vorräte und Gerätschaften erfolgt auf neun angemieteten zivilen Frachtern. Die Gruppe besteht aus 1403 Männern, Frauen und Kindern, unter ihnen der Kapitän und künftige Gouverneur der Kolonie Arthur Phillip. Seine Erlebnisse hält Arthur Phillip in einem Reisebericht fest, der 1792 von F. Schrämbl auf Deutsch gedruckt und verlegt wird.

Kurzbiographie

Arthur Phillip wird am 11. Oktober 1738 in London geboren. Sein Vater ist ein eingewanderter deutscher Sprachlehrer, seine Mutter eine Engländerin. Bereits mit 17 Jahren tritt Phillip der Royal Navy bei. Nach dem Entschluss der britischen Krone, Häftlinge nach Australien zu deportieren, wird Phillip im Jahre 1786 zum Kapitän der ersten Gefangenenflotte und zum Gouverneur der zu gründenden Kolonie New South Wales ernannt. Am 13. Mai 1787 sticht die „First Fleet“ in See und gut acht Monate später setzt Phillip seinen Fuß auf australischen Boden. Nach seinem mehr als vierjährigen Aufenthalt verlässt er Ende 1792 New South Wales aus gesundheitlichen Gründen und kehrt nach England zurück, wo er sein Amt als Gouverneur der australischen Kolonie niederlegt. In England ist Phillip weiterhin bei der britischen Marine aktiv, steigt zum Admiral auf und nimmt an den Napoleonischen Kriegen gegen Frankreich teil. 1814 stirbt Phillip im englischen Bath, wo er die letzten Jahre seines Lebens mit seiner zweiten Ehefrau verbringt.

Bedeutung des Objektes

Der Reisebericht ist ein Zeugnis der britischen Kolonialgeschichte und beschreibt den Beginn der europäischen Besiedlung Australiens. Mit dem Australia Day wird an die Ankunft der „First Fleet“ erinnert und damit die Gründungsgeschichte der australischen Nation entworfen. Es ist die „Geschichte der Sieger“, nicht die der unterdrückten indigenen Bevölkerung. Als Arthur Phillip 1788 an Land geht, leben nach heutigen Schätzungen bereits 750.000 Aborigines in Australien. Gewaltsame und brutale Übergriffe sowie eingeschleppte europäische Krankheiten rotten die indigene Gesellschaft beinahe aus – 1920 leben nur noch rund 60.000 von ihnen. Aus diesem Grund werden die Feierlichkeiten des Australia Day heutzutage vor allem von indigenen Gruppen kritisch betrachtet. Für sie markiert die Ankunft der „First Fleet“ den Beginn von Verdrängung und kulturellem Verlust.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

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