Objekt des Monats: Annahme-Schein, 1872

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Vorderseite des Annahme-Scheins, 1872. © Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Annahme-Schein zur Überfahrt nach New York, 1872, Norddeutscher Lloyd

Material:
Papier

Maße:
27,7 x 21,9 cm (geschlossen)

Schenkung:
Rainer Marquardt
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es üblich, dass deutsche Auswanderungswillige mitsamt ihrem Gepäck „auf gut Glück“ in den Hafen reisten. Dort angekommen, mussten sie sich über abfahrende Schiffe mit der gewünschten Destination erkundigen, dann mit den jeweiligen Kapitänen die Überfahrtskosten aushandeln und anschließend geduldig auf die Abfahrt des Schiffes warten. Für die Reisenden war das ein sowohl zeit- als auch kostspieliges Unternehmen. Mit dem stetigen Anwachsen der Auswandererzahlen ab den 1830er Jahren wurde eine übergeordnete Organisation der Passagierannahme notwendig. Es bildete sich ein eigener Geschäftszweig heraus, der die Vermittlung von Auswanderern an die Reeder organisierte. In Bremen ergriffen zunächst die Schiffsmakler die Initiative, ab 1849 wurden auch Nichtmakler dort als Expedienten zugelassen. Die beständige Konkurrenz um Reisende führte zu einer Ausdehnung des Geschäfts und zur Entstehung eines Netzes von Agenten, die für die Expedienten die Verbindung zu den Auswanderungsgebieten herstellten und in Flugschriften, auf Plakaten und durch Zeitungsanzeigen für eine Reise über Bremen/Bremerhaven warben.

Kurzbiographie des Auswanderers Wilhelm Wrampelmeyer

Wilhelm Wrampelmeyer wird 1850 vermutlich im niedersächsischen Vorwalde geboren. Der junge Mann arbeitet dort später als Tischler-Gehilfe, doch die Auftragslage ist schlecht und der Verdienst gering. So entschließt sich der 22-jährige Junggeselle 1872, sein Auskommen in den USA zu suchen. Mit einer Anzahlung von 20 Talern erwirbt er von einem Agenten des Norddeutschen Lloyd einen Annahme-Schein zur Überfahrt nach New York und sichert sich so einen Platz im Zwischendeck des Dampfschiffes „Rhein“. Im Dezember 1872 reist Wilhelm nach Bremen und erhält dort nach Bezahlung des restlichen Fahrgeldes von 25 Talern sein Überfahrtsticket. Mit dem Zug geht es dann weiter nach Bremerhaven, wo er am 14. Dezember an Bord der „Rhein“ geht.  Seine Ankunft in New York wird am 31. Dezember registriert, danach verliert sich seine Spur. Wie es Wilhelm in der neuen Heimat ergangen ist, ob er seinen Traum vom „großen Geld“ verwirklichen konnte – das bleibt ungewiss.

Bedeutung des Objektes

Historische Dokumente wie dieser Annahmeschein stellen für die Migrationsforschung wichtige Informationsquellen dar. Sie überliefern nicht nur biographische Daten wie Name, Alter, Beruf, Auswandererschiff und Zielhafen, die insbesondere bei Auswanderern im 19. Jahrhundert oftmals nur spärlich in der Familienüberlieferung erhalten sind, sondern geben auch Hinweise auf historische Rahmenbedingungen. Der vorliegende Annahme-Schein bietet beispielsweise zusätzliche Auskünfte über Liniendienste und Abfahrtszeiten des Norddeutschen Lloyd, Fahrpreise sowie im Besonderen Gepäckbestimmungen für Passagiere im Jahr 1872.
  

Rückseite des Annahme-Scheins, 1872. © Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

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