Objekt des Monats: Teddybär, um 1920

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Teddy Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Teddybär, um 1920.

Historische Einordnung

Teddybären sind bereits seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt, und haben seitdem eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Bis heute ist allerdings nicht eindeutig geklärt, wer den ersten Teddybären erfunden hat und wie dieser zu seiner ungeheuren Verbreitung kam. Sicher ist, dass der weltweit erste Plüschbär mit beweglichen Gliedmaßen 1902 von Margarete Steiff auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellt wurde. Er besaß den noch wenig ansprechenden Namen „Bär 55 PB“. Und es gilt heute als zweifelsfrei erwiesen, dass der Teddybär seinen Namen vom amerikanischen Präsidenten und Bärenliebhaber Theodore Roosevelt erhielt, dessen Spitzname „Teddy“ war.

  • Material:
    Mohair, Glas, Samt, Baumwolle, Metall, Strass

  • Maße:
    26 cm x 18,5 cm x 8 cm

  • Schenkung: 
    Sabine Schastok
    © Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Kurzbiographie der Ein- und Auswanderin Sabine Schastok

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird Familie Schastok aus dem heute zu Polen gehörenden Oberschlesien vertrieben. Der Teddybär begleitet die sechsjährige Sabine. Aufnahme findet die Familie im ostfriesischen Bad Zwischenahn. Schon früh wächst dort bei Sabine der Wunsch, einmal nach Amerika auszuwandern, als Teenager träumt sie von dem „amerikanischen Lebensgefühl“. Sie kauft sich Schallplatten und hört heimlich Jazz und Rock ’n’ Roll. 1958 erfährt sie, dass es für Auswanderungswillige aus England leichter sei, ein Visum für die USA zu erhalten und zieht nach London. Im Gepäck der inzwischen 19-Jährigen befindet sich natürlich auch der geliebte Freund aus Kindertagen, ihr Teddybär. In England arbeitet Sabine als Köchin und Dienstmädchen. Schnell hat die lebenslustige junge Frau sich einen großen Freundeskreis gewonnen. 1960 erfüllt sich schließlich ihr Traum: sie erhält das Angebot, für eine wohlhabende Familie in den USA als Köchin zu arbeiten. So machen sich Sabine und Teddy auf den Weg über den Nordatlantik.

Bedeutung des Objektes

Mit dem Kriegsende 1945 beginnt die Vertreibung von Deutschen und deutschstämmigen Familien vor allem aus Polen, aus den Ostgebieten, aus der Tschechoslowakei, zum Teil auch aus Ungarn, Rumänien und Jugoslawien. Die polnischen, tschechischen und andere staatliche Behörden erteilen Ausweisungsbescheide an die Familien. Zusätzlich üben vor allem die Polen und Tschechen massiven Druck in den Dörfern und Städten aus, gewalttätige Ausschreitungen sind nicht selten. Wie viel und was die Vertriebenen mitnehmen dürfen, hängt allein von der Willkür der die Vertreibung überwachenden Soldaten und Beamten ab. Der Teddybär ist der einzige persönliche Besitz, den Sabine Schastok mitnehmen kann. Er ist ihr Trostspender und einziger Freund während der Zwangsumsiedlung und in späterer Zeit alleiniges Erinnerungsstück an die alte Heimat.

Viele Menschen heben Erinnerungsstücke aus ihrer Kindheit bis ins hohe Alter auf. Wenn es jedoch wie bei Sabine Schastok nur ein einziges Objekt aus dieser Zeit gibt, erfährt es eine erhebliche Wertsteigerung.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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