Objekt des Monats: Gruppenfoto Fußballmannschaft, 1962

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Objektbezeichnung

Gruppenfoto Fußballmannschaft, 1962
 

Material:
Fotopapier

Maße:
10,5 x 15 cm

Schenkung:
Salih Ucar
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbeschreibung

Schon früh zeigte sich, dass Menschen nicht nur zum Arbeiten nach Deutschland kamen; ihre Freizeit gestalteten sie auch sportlich. Angefangen in den 1920er-Jahren mit polnischen Fußballvereinen im Ruhrgebiet, aus denen die Stars der Schalker Mannschaft Ernst Kuzorra und Fritz Szepan hervorgingen, folgten nach der sogenannten „Gastarbeiterperiode“ in den 1970er-Jahren Vereinsgründungen von italienischen, griechischen oder türkischen Einwanderern. Heutzutage umfasst die Selbstorganisation von Migranten in Fußballvereinen mehrere hundert Vereine in der Bundesrepublik.

Kurzbiographie des Einwanderers Salih Ucar

Salih Ucar, am 10. Juli 1935 in Istanbul geboren, geht mit 19 Jahren für sein Ingenieurstudium nach Deutschland. Die Universität in Stuttgart genießt damals bei Architekten und Bauingenieure einen hervorragenden Ruf. Seine Freunde beneiden ihn, als sie ihn am 19. Februar 1957 am Istanbuler Bahnhof Sirkeci verabschieden. Vor seinem Studienbeginn absolviert er zunächst ein dreimonatiges Praktikum auf einer Baustelle in Sindelfingen.

Beim Tanz lernt er seine zukünftige Frau Rosemarie kennen. Nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes versuchen sie sich in der Türkei ein neues Leben aufzubauen. Aber die Arbeitsbedingungen in Istanbul sind schlecht und auch die politische Lage in der Türkei der 1960er Jahre ist angespannt. 1969 kehrt die Familie Ucar nach Deutschland zurück. 30 Jahre lang arbeitet Salih Ucar in einem Ingenieursbüro in Stuttgart. Seit 2003 leben Salih und Rosemarie Ucar in Tübingen.

Bedeutung des Objektes

Der Slogan „Sport spricht alle Sprachen“ steht für die integrative Wirkung von Sport und soll betonen, dass Sport die Beteiligten – Sportler und Trainer, Fans und Manager – verbindet und Brücken baut. Insbesondere der Fußball, einer der interkulturell verständlichsten und am leichtesten zu vermittelnden Mannschaftssportarten, nimmt dabei eine besondere Stellung ein.

Für viele Mitglieder bedeutet die Vereinszugehörigkeit mehr als nur sportliche Betätigung; sie bietet auch die Möglichkeit gemeinsamen kulturellen oder sozialen Interessen nachzugehen. Waren diese Vereine erst als integrationshemmend vom Deutschen Sportbund eingestuft worden, werden sie heutzutage als Bereicherung für das Sportsystem angesehen, weil diese die Partizipation der Migranten am Sport und folglich an der Gesellschaft fördern.

Salih Ucars große Leidenschaft ist der Fußball. Auf dem Gruppenbild seiner studentischen Fußballmannschaft trägt er ein schwarzes Trikot. Für ihn bedeutet sein Team ein Stück Heimat, denn die Mannschaft besteht aus anderen türkischen Studenten. Durch das Fußballspielen mit seinen türkischen Kommilitonen vergisst er sein Heimweh und kommt außerdem bei Fußballspielen in Kontakt zu anderen deutschen Studenten. Regelmäßig organisieren er und die anderen Studenten seiner Mannschaft auf dem Uni-Campus Turniere.

Obwohl der Fußball in Deutschland schon immer stark migrantisch geprägt war, dauerte es bis zum Sommermärchen 2006, bis dies auch endgültig im Nationalteam widergespiegelt wurde. Spieler wie Mesut Özil, Sami Khedira oder Jerome Boateng sind neben anderen Spieler ohne Zuwanderungsgeschichte die prägenden Akteure der deutschen Nationalmannschaft, die auch in diesem Jahr für Deutschland die Europameisterschaft in Frankreich gewinnen sollen.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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