Objekt des Monats: Uniform, um 1910

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Uniform Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Gala-Uniformrock (1. Garnitur), Preußisches Finanzministerium, um 1910.

Historische Einordnung

Derart aufwendig verzierte Uniformröcke wurden von den Staatsbeamten im Preußischen Finanzministerium zu besonderen Anlässen getragen. Zur kompletten Garnitur gehörten zudem Hose, Hut, Halsbinde und Weste. Auf einer Bandschnalle wurden die erhaltenen Orden und Ehrenzeichen befestigt. Im Unterschied zu Felduniformen waren zivile Uniformen mit prächtigen Stickereien, vor allem an Jacken- und Ärmelaufschlägen, versehen.

  • Material:
    Seide, Leinen, Wolle, Messing

  • Maße:
    100 cm x 48 cm (oben) bzw. 63 cm (unten)

  • Schenkung: 
    Erika Kosswig
    © Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Kurzbiographie des Auswanderers Curt Kosswig

Curt Kosswig kommt am 30. Oktober 1903 in Berlin zur Welt. Bereits als Kind begeistert er sich für Fische und Aquaristik. Nach dem Studium der Biologie, Chemie und Philosophie an der heutigen Humboldt-Universität in Berlin wird er 1927 Assistent des Zoologen Leopold von Ubisch in Münster. Dort lernt Kosswig seine Frau Leonore kennen, die beiden heiraten 1930 und bekommen drei Söhne. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wächst der Druck auf den Zoologen, da sich dieser mit seinen bedrängten jüdischen Kollegen solidarisiert. Der Ruf der Universität Istanbul auf den Lehrstuhl für Zoologie gibt ihm und seiner Familie 1937 die Möglichkeit, Deutschland zu verlassen. In seiner neuen Heimat gründet er 1944 das Institut für Hydrobiologie in Baltalimanı am Bosporus und erkundet auf zahlreichen Reisen mit seiner Frau die Fauna Anatoliens. Das von ihnen entdeckte „Vogelparadieses“ am Manyas-See wird 1959 der erste Nationalpark der Türkei. 1955 folgt Curt Kosswig dem Ruf an die Universität Hamburg. Er bleibt der Türkei aber auch nach seiner Rückkehr verbunden, zumal seine Frau Leonore im gemeinsamen „Haus am Berg“ in Bebek wohnen bleibt. Am 29. März 1982 stirbt Curt Kosswig in Hamburg und wird in Istanbul beigesetzt.

Bedeutung des Objektes

Als Curt Kosswig 1937 ins Exil nach Istanbul geht, befindet sich in seinem Gepäck auch die Uniform des Vaters, der Geheimer Oberfinanzrat im Preußischen Finanzministerium war. Für den Sohn symbolisiert das Kleidungsstück Prestige und Anerkennung – Statussymbole, die er sich in der Türkei erst neu verdienen muss. Zugleich steht die Uniform auch für die preußischen Tugenden wie Bescheidenheit und Disziplin, die aufgrund der väterlichen Erziehung für Curt Kosswigs Charakter prägend sind. Die Uniform begleitet den Zoologen ein Leben lang und wird auch nach dessen Tod in der Familie sorgsam verwahrt.

Aufgrund ihrer bewegenden Wanderungs- und Familiengeschichte ist diese seltene und besonders gut erhaltene Uniform nicht nur von hohem materiellen, sondern auch von emotionalem Wert.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

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