Objekt des Monats: Zeitungsgrafik, 1895

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Deutsches Auswandererhaus

© Initiativkreis Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Zeitungsgrafik „Auf dem Auswandererbahnhof in Ruhleben. Nach dem Leben gezeichnet von W. Zehme.“

Erschienen in: „Die Gartenlaube“ 1895, Nr. 9, S. 137
 

Material:
Holzstich auf Papier, schwarze Druckfarbe

Maße:
DIN A2

Dauerleihgeber:
© Initiativkreis Deutsches Auswandererhaus e. V.
  

Historische Einordnung

Seit den 1880er Jahren nahm die Auswanderung aus Osteuropa stark zu – aus dem Auswanderungsland Deutschland wurde ein Transitland. Bald waren die Reiserouten für die „Durchwanderer“ aus dem Zaren- oder dem Habsburgerreich festgelegt, die Fahrt von Anfang bis Ende streng durchorganisiert und kontrolliert. An den Grenzen zu Russland und Österreich-Ungarn errichteten die beiden deutschen Reedereien HAPAG und Norddeutscher Lloyd ein Netz von Kontrollstationen, die von allen Auswanderern zu passieren waren. Als eine solche Kontrollstation fungierte seit 1891 auch der Bahnhof Ruhleben bei Berlin.

Hier mussten sich alle ankommenden Transitwanderer registrieren, desinfizieren und eine medizinische Untersuchung über sich ergehen lassen. Hintergrund dafür war, dass die Reedereien nicht nur den Ausbruch von Krankheiten in den Auswanderungshallen an den Häfen verhindern, sondern auch frühzeitig sicherstellen wollten, dass die eintreffenden Auswanderer die verschärften Einreisebedingungen in Übersee erfüllten. Wenn sie die Kontrolle passiert hatten, stiegen die Auswanderer in Sonderzüge, die sie direkt nach Bremen oder Hamburg brachten.

Der Leihgeber

Nachdem sich bereits 1985 engagierte Bremerhavener Bürger zu dem Zweck zusammengeschlossen hatten, an authentischem Ort die Einrichtung eines Museums zur Auswanderungsgeschichte anzuregen, gründeten 1998 Bremerhavener Unternehmer und Politiker den „Initiativkreis Erlebniswelt Auswanderung“, um diesem Zweck verstärkt politischen Nachdruck zu verleihen. Als dann 2005 das Deutsche Auswandererhaus eröffnet wurde, übergab der nun in „Initiativkreis Deutsches Auswandererhaus e. V.“ umbenannte Verein dem Museum die umfangreiche und bedeutende Grafiksammlung, die in zwanzig Jahren zusammenge­tragen worden war. Sie liegt heute als Dauerleihgabe in der Sammlung des Museums.

Bedeutung des Objektes

„Die Gartenlaube – Illustrirtes Familienblatt“ war das erste erfolgreiche deutsche Massenblatt und die am weitesten verbreitete Zeitschrift im Deutschen Kaiserreich. Wenn die Zeitschrift im Jahre 1895 dem Auswandererbahnhof Ruhleben eine mit mehreren Holzstichen bebilderte Reportage widmete, dann bediente sie nicht das Informationsbedürfnis der Auswanderer, sondern den Unterhaltungswunsch der Daheimbleibenden. Der Text zu den Bildern widmet sich denn auch weniger dem ernüchternden Procedere der Kontrolle als den Sympathie heischenden Lebensäußerungen der verschiedenen Auswanderergruppen: dem Durcheinander von Geschrei, Gespräch und Gesang sowie dem Nebeneinander von „ostdeutscher Bauernfamilie“, „russischem Muschik und den Seinen“ und „russischem Juden“. Es entsteht auf diese Weise das Porträt einer „Feiertagsstimmung“, die sich in Ruhleben angeblich auch auf allen Gesichtern zeige: Die Auswanderer sähen sich hier „ausnahmslos in goldnem Schmuck und die Taschen voll klimpernder Dollars“ von ihrem Amerikaaufenthalt wieder zurückkehren. Die Hoffnung, die sich auf fremden Gesichtern malt, scheint allemal einen anrührenden Effekt zu haben – und auf ihn hat es die „Gartenlaube“ abgesehen.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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