Objekt des Monats: Foto, 1996

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Objektbezeichnung

Foto

Material

Reproduktion

Format

jpeg

Schenkung

Haluk Köker
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

Dass Menschen am 1. Mai, am Tag der Arbeit, auf die Straße gehen, um z.B. gegen schlechte Arbeitsbedingungen zu demonstrieren, ist kein junges Phänomen. Amerikanische Gewerkschaften forderten bereits 1865 die Einführung des Acht-Stunden-Tages. Am 1. Mai 1886, also zwanzig Jahre später, beschlossen sie einen mehrtätigen Generalstreik durchzuführen. 400.000 Beschäftigte aus 11.000 Betrieben der USA traten in den Streik, wobei nur für 20.000 der Acht-Stunden-Tag durchgesetzt werden konnte. Der 1. Mai galt in den USA traditionell als „Moving Day“, ein Tag an dem sich etwas bewegt, da er ein Stichtag für den Abschluss oder die Aufhebung von Verträgen war.

Auch in Deutschland beteiligten sich 1890 trotz drohender Sanktionen 100.000 Arbeiter an Streiks, Demonstrationen und „Maispaziergängen“. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zeigt sich seit seiner Gründung 1949 für die Maifeiern verantwortlich und beschließt Mairufe und ein zentrales Motto.

Kurzbiographie des Schenkers/Einwanderers

Haluk Köker kommt am 19. Oktober 1961 in der türkischen Grenzstadt Edirne zur Welt. 1965 geht sein Vater, ein Jahr später auch die Mutter, als „Gastarbeiter“ nach Deutschland. Haluk Köker und sein älterer Bruder bleiben bei der Großmutter. Im September 1969 holen sie die Familie nach. Drei Tage und drei Nächte ist die Großmutter mit den drei kleinen Jungen unterwegs, bis sie im nordrhein-westfälischen Aalen ankommen. Da die Eltern nicht wie erhofft am Bahnsteig stehen, bringt sie der Fahrer einer Kehrmaschine kurzerhand zu ihrem neuen Zuhause. In der Schule findet der achtjährige Haluk schnell neue Freunde und erlernt die deutsche Sprache. 1975 beginnt er eine Ausbildung in der Zeche Westfalen. Er engagiert sich im Betriebsrat und ist in verschiedenen Gremien und in der Gewerkschaft IG Bergbau und Energie tätig. 1983 heiratet er, seine drei Kinder wachsen zweisprachig auf.

Bedeutung des Objektes

Die Mitarbeiter der Zeche Westfalen streiken, so auch Haluk Köker. Er ist vorne rechts in der ersten Reihe, mit einem gelben Helm und einer schwarzen Hose bekleidet, zu sehen. Als die Schließung des Bergwerkes Westfalen droht, wechselt er 1997 in den Öffentlichen Dienst. Bis heute arbeitet Haluk Köker bei der Knappschaft in Hamm und ist Vorsitzender des Migrationsausschusses bei der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie Landesbezirk Westfalen.

Das Foto zeigt einen Demonstrationszug, wie man ihn auch in diesem Jahr am Tag der Arbeit, am 1. Mai, in Städten in ganz Deutschland sehen wird, wenn die Gewerkschaften aber auch andere Gruppen zu Kundgebungen aufrufen.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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