Objekt des Monats: Zeitungsausschnitt, 1965

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Objektbezeichnung

Zeitungsausschnitt aus dem Washington Journal, 21.05.1965

Material:
Zeitungsdruckpapier, schwarze Druckfarbe

Maße:
14 x 24,1 cm

Schenkung:
Maria Lüdtke
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

Feiern zum Beginn der warmen Jahreszeit gehören (auch) an vielen Orten Deutschlands zum heimischen Brauchtum. Dabei wird insbesondere die „Walpurgisnacht“, die Nacht zum 1. Mai, mit „Maifeuern“, Tanz und Trank feierlich begangen. Vielerorts, vor allem in den Dörfern und Städten des heutigen Baden-Württembergs und Bayerns, ist das Aufstellen von Maibäumen auf dem zentralen Platz Teil des Festes. Durch die vielen deutschen Auswanderer des 19. Jahrhunderts finden die Maifeste „nach deutschem Brauch“ – das heißt oft nach vereinheitlichtem bayerischen Vorbild – in den USA weitere Verbreitung.

Kurzbiographie

Der „Festleiter“ des annoncierten „Maifestes am Potomac“ und Bruder der Schenkerin, Paul August Lüdtke, wird am 29. August 1905 als erstes von insgesamt acht Kindern in Bremen geboren. Die Inflation und die Arbeitslosigkeit in Deutschland veranlassen den ausgelernten Küfer, mit 18 Jahren das Dampfschiff „Derfflinger“ zu betreten – um erst in den USA wieder Fuß auf das Festland zu setzen. Auf der Reise lernt er Bertha Geiger aus Stuttgart kennen, die er fünf Jahre später heiraten wird. Fünf Jahre, in denen er sich an Baltimore und die dort lebende Bertha erst „heranarbeiten“ muss, indem er sich als Farmarbeiter, Verkäufer, Bäckergehilfe und Kesselschmied durchschlägt. Der Wechselhaftigkeit seiner „amerikanischen Wanderjahre“ steht die Beständigkeit danach entgegen: Nach seiner Heirat arbeitet Paul Lüdtke – bzw. Ludtke – 40 Jahre bei den städtischen Verkehrsbetrieben Baltimores. In der Freizeit organisiert der „Mr. Oktoberfest von Baltimore“, wie ihn das Washington Journaleinmal betitelt hat, zahlreiche Veranstaltungen für Deutschamerikaner in der Region. Der gebürtige Bremer gründet auch einen eigenen Verein, den „Edelweiss Pleasure Club“, und moderiert jahrzehntelang die deutschsprachige Radiosendung „Edelweiss-Hour“. Für sein Engagement in den zahlreichen deutschen Vereinen Baltimores und ganz Marylands erhält er 1988 das Bundesverdienstkreuz. 1992 ist Paul Lüdtke, fünf Jahre nach seiner Frau, in Baltimore gestorben.

Bedeutung des Objektes

Das Maifest in Shepherdstown, West Virginia, zeigt die Anziehungskraft von die deutsche Herkunft zelebrierenden Veranstaltungen auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Anziehungskraft, die nichts durch die Tatsache verliert, dass bei weitem nicht alle, denen die dort gepflegten Bräuche in der „Neuen Welt“ Heimat bedeuten, sie auch tatsächlich „von zuhause her“ kennen. So hat auch das „Maifest am Potomac“, mit Maibaum in bayerischen Landesfarben und Auftritt eines Schuhplattler- und Gebirgstrachtenvereins, der gebürtige Bremer Paul Lüdtke organisiert. In der Fremde scheint das Heimatgefühl also elastisch zu werden – und sich bei Bedarf über die Region auf die Nation hin ausdehnen zu können.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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