Objekt des Monats: Schmuck-Schachtel, um 1940

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Objektbezeichnung

Schmuck-Schachtel des Juweliers Roy W. Johnston im The Waldorf-Astoria Hotel New York

Material:
Pappe, Seide

Maße:
Höhe: 2,0 cm
Breite: 4,3 cm
Tiefe: 4,3 cm

Schenkung:
Else Arnecke, 2007
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

Jedes Jahr am 8. März wird der Internationale Frauentag begangen. Gefeiert werden das Wahlrecht, die ökonomische Unabhängigkeit und die gesellschaftlichen Leistungen von Frauen in vielen Staaten der Welt. Gedacht wird aber auch den Frauen, die noch immer unter Unterdrückung, Zwang und Gewalt leiden.

Die kleine rote Schmuckschachtel stellte für die Bremerhavenerin Else Arnecke ein Symbol dafür dar, dass sie es geschafft hatte im New York der 1930er Jahre: den Aufstieg vom einfachen Serviermädchen zur Buchhalterin im Luxushotel Waldorf-Astoria. Das Schmuckstück, dass sie damals beim Juwelier „Roy W. Johnston” im Waldorf-Astoria kaufte, ist verloren. Die Schmuckschachtel hat sie über all die Jahre aufbewahrt.

Wie vielen anderen Frauen im 20. Jahrhundert gelang Else Arnecke ihr beruflicher Aufstieg über den zweiten Bildungsweg: Nach den langen Schichten als Servicekraft im Restaurant „The Savarin” besucht sie abends viermal die Woche noch ein Juniorcollege in New York, wo sie die Kurse Stenographie, Schreibmaschine und Ökonomie belegte. Abendschulen waren sowohl in Europa als auch in den USA durch die Arbeiterbewegung Ende des 19. Jahrhunderts initiiert worden und ermöglichten vielen Frauen und Männern eine Karriere, die ihnen sonst verwehrt geblieben wäre.

Kurzbiographie der Schenkerin

Else Arnecke wurde 1911 in Bremerhaven geboren. Die Stadt war ein Auswandererhafen: Über 7,2 Millionen Europäer brachen von hier nach Übersee auf. Mit 18 Jahren wanderte sie selber nach New York aus. Dort arbeitete sie zunächst als Au-pair-Mädchen, bevor sie 1931 im neu eröffneten Waldorf-Astoria Hotel als Servierkraft begann. Nach erfolgreichem Besuch der Abendschule wechselte sie 1936 in die Buchhaltung, wo sie die Hotelrechnungen für zahlreiche berühmte Leute erstellte, so auch für den Herzog von Windsor und seine Frau Wallis. 1942 kehrte sie mitten im Krieg für ihre kranke Mutter nach Deutschland zurück, ein Entschluss, den sie oft bereute – sie kam nicht zurecht mit den „Nazis”. Nach dem Tod der Mutter ging sie 1951 wieder nach New York, wo sie weiter als Buchhalterin in den luxuriösesten Hotels arbeitete: dem Waldorf-Astoria, dem St. Regent und dem Carlyle. 1971 kehrte sie nach Bremerhaven zurück, wo sie 2009 starb.

Bedeutung des Objektes

Die kleine rote Schachtel ist ein sehr persönliches Erinnerungsstück einer Frau, die stolz auf das war, was sie erreicht hat: Sie konnte sich ein Schmuckstück von einem Juwelier in einem der besten Hotels der Welt leisten. Ohne Ausbildung, ohne wohlhabende Eltern ist es ihr in den 1930er Jahren gelungen, Karriere zu machen – in einem fremden Land, in einer fremden Sprache. Dafür hat sie viel investiert: zunächst die jahrelange Doppelbelastung mit Beruf und Abendschule, später unzählige Überstunden und kaum ein Privatleben. In Deutschland hätte sie das so nicht geschafft, rückblickend schrieb sie über Amerika: „… das Land, das mich in meinen jungen Jahren so herzlich aufgenommen hat. Das Land, das mein Leben geprägt hat, das Land, das gut zu mir war.”

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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