Objekt des Monats: Mokkatasse, ca. 1920er-Jahre

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Mokkatasse, Beyer & Bock, ca. 1920er-Jahre.

Historische Einordnung

Die Porzellanfabrik Beyer & Bock wurde 1853 im thüringischen Volkstedt-Rudolstadt als Malerei gegründet. Ab 1890 stellte der Betrieb auch Porzellan her. Dazu zählten Zierporzellan, Figuren, Geschenkartikel sowie Kaffee- und Teeservice. Zwischen 1905 bis ca. 1931 war das Markenzeichen ein „B“ – für die beiden Gründer Ferdinand Beyer und Theodor Bock – in Wappen mit Krone. 1948 wurde das Unternehmen verstaatlicht und hieß bis 1990 VEB Porzellanfabrik Rudolstadt-Volkstedt.

Material:
Porzellan

Maße:
Tasse: Höhe 5 cm,  ø 5 cm
Untertasse: ø 11 cm

Schenkung:
Renate Hills
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Kurzbiographie der Auswanderin Renate Hills

Renate Hills, geb. Dewosch, kommt am 12. Oktober 1936 in Berlin zur Welt. Die Familie wohnt in Berlin-Adlershof, das nach dem Zweiten Weltkrieg zum sowjetischen Sektor gehört. 1947 beschließen Renates Eltern, in die USA auszuwandern. Doch die Behörden stellen sich quer. Die US-amerikanischen Behörden verlangen einen Umzug von Ost- nach West-Berlin, ehe sie den Auswanderungsantrag bearbeiten. Die sowjetischen Behörden fordern einen Wohnungstausch. Es vergehen Monate, bis sie die passende Familie gefunden und alle notwendigen Unterlagen beisammen haben. Am 7. Februar 1952 ist es endlich soweit: Renate und ihre Eltern besteigen in Cuxhaven die SS „Homeland“ nach New York. Rasch findet sich die 15-jährige Schülerin in ihre neues Leben ein. Nach der High School arbeitet Renate zunächst als Sekretärin bei einer Versicherungsanstalt in Manhattan, ehe sie zur New York Telephone Company in Queens wechselt. Dort lernt sie auch ihren Mann Don kennen, mit dem sie 32 Jahre verheiratet ist. Inzwischen im Ruhestand, lebt Renate bis heute in New York. 

Bedeutung des Objekts

Mit insgesamt elf Koffern kommt die Familie Dewosch am 18. Februar 1952 in New York an. Im Gepäck von Renate befindet sich auch die zierliche Mokkatasse. Sie ist ein Geschenk ihrer geliebten Tante Martha – immer wenn Renate diese in Berlin-Tempelhof besuchte, durfte sie aus der kleinen Tasse trinken. Renate bewahrt diese all die Jahre auf. Dank dieser überlieferten Anekdote ist die fast hundertjährigen Tasse nicht nur ein seltenes Sammler-, sondern zugleich ein einzigartiges Erinnerungsstück an Renates Kindheit und Jugendjahre in Berlin.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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