Objekt des Monats: Broschüre, 2014

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Infobroschüre aus dem Jahr 2014. © Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Broschüre, 2014

Material:
Papier

Maße:
14,8 x 21 cm

Schenkung:
Soleyman Teymoory
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbeschreibung

Die Broschüre des Münchner Flüchtlingsrats zum „Infobus für Flüchtlinge“ erhält Soleyman Teymoory nach seiner Ankunft in München 2014. Der „Infobus für Flüchtlinge“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Münchner Flüchtlingsrats und Amnesty International München. Die Broschüre soll neu angekommenen Flüchtlingen eine Hilfestellung geben: In diesem Fall auf Dari, einer Variante des Persischen, enthält sie Informationen und Ansprechpartner rund um das Thema Asyl in Deutschland. Die Broschüre gibt es aber auch in anderen relevanten Sprachen.

Der „Infobus für Flüchtlinge“ steht seit 2001 vor Münchner Erstaufnahmestellen für Asylsuchende. Das Infobus-Team und die ehrenamtlichen Dolmetscher unterstützen die neu angekommenen Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in München und stehen ihnen bei ihrem Asylverfahren beratend zur Seite. Zudem unterstützen sie Flüchtlinge bei Behördengängen und helfen ihnen in ihrem Alltag in Deutschland.

Fluchtroute von Soleyman Teymoory

Sieben Monate dauert die Flucht der fünfköpfigen Familie Teymoory von Afghanistan über den Iran, die Türkei und Griechenland bis nach Deutschland. Nach fast sechs Monaten im Iran gelingt den Teymoorys die Flucht in die Türkei. Bei der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland kommt es fast zur Katastrophe: Das Schiff sinkt und sie treiben sieben Stunden im Wasser, bis sie von der griechischen Küstenwache gerettet werden. Von Griechenland aus dauert die Flucht nach Deutschland weitere 19 Tage. Nach ihrer Ankunft in München im Dezember 2014 erhält der Vater Soleyman die Broschüre des „Infobus für Flüchtlinge“. Von der Erstaufnahmestation in München wird die Familie Teymoory zunächst nach Bremen und dann nach Bremerhaven zugeteilt, wo sie seit Januar 2015 lebt.

Bedeutung des Objektes

Am 28. Juli 2016 jährte sich zum 65. Mal das „Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge“, welches bei der Bevollmächtigungskonferenz der Vereinten Nationen in Genf verabschiedet wurde. Laut Definition der Genfer Flüchtlingskonvention ist ein Flüchtling eine Person, die ihr Land verlassen hat „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung.“

Nachdem die Genfer Flüchtlingskonvention in den 1950er Jahren für den Großteil der Asylverfahren in Deutschland entscheidend war, verlor sie danach an Bedeutung, da Geflüchtete, zum Beispiel aus den sozialistischen Staaten Osteuropas, nach Artikel 16 des Grundgesetzes Schutz erhielten. Dieser wird ausgesprochen, wenn eine Person durch staatliche Organe verfolgt wird. 1993 wurde der Artikel 16 durch den Asylkompromiss eingeschränkt, so dass die Genfer Konvention wieder an Bedeutung gewann. 2016 haben im ersten Halbjahr Asylbewerber 148.000 Mal Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention erhalten.

Ende 2015 waren insgesamt 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Konflikten oder Verfolgung. Noch nie war die Zahl so hoch. Es ist die höchste Zahl, die jemals von UNHCR (Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge, auf Englisch United Nations High Commissioner for Refugees) verzeichnet wurde. Mit 2,7 Millionen war Afghanistan, das Heimatland der Familie Teymoory, nach Syrien (4,9 Millionen) das zweithäufigste Herkunftsland.

Wie auch bei der Familie Teymoory zu sehen ist, hat die Genfer Flüchtlingskonvention auch nach 65 Jahren immer noch eine hohe Bedeutung für die aktuelle Flüchtlingssituation. Wie die Broschüre zeigt, gibt es aber auch schon lange nicht nur auf staatlicher, sondern auch auf nicht-staatlicher Seite Organisationen, die Flüchtlinge professionell unterstützen.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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