Objekt des Monats: „Lebenszeichen“-Postkarte, 1944

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

„Lebenszeichen“-Postkarte, 1944

 

Historische Einordnung

Am 1. September 1939 beginnt mit dem deutschen Einmarsch in Polen der Zweite Weltkrieg, ein rücksichtsloser Raub- und Vernichtungskrieg. Die Alliierten Frankreich, Großbritannien, USA und Russland kämpfen mit ihren Verbündeten gegen das Deutsche Reich, das sich seit 1933 in eine Diktatur verwandelt hat.

Die grausamen Folgen der nationalsozialistischen Diktatur spürt Europa bis heute. Über 13 Millionen Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge, politisch oder rassisch Verfolgte werden als Zwangsarbeiter für den Arbeitseinsatz nach Deutschland deportiert. Mehr als zehn Millionen Menschen, darunter sechs Millionen Juden, werden durch die Nationalsozialisten ermordet. Durch den Vormarsch der sowjetischen Armee und der Neuordnung Europas nach dem Sieg der Alliierten fliehen Deutsche aus den ehemaligen deutschen Gebieten in Ostpreußen, Schlesien und Pommern. Auch werden deutschstämmige Bewohner aus der Tschechoslowakei und Polen vertrieben. Insgesamt zählt man etwa 12,5 Millionen deutsche Flüchtlinge und Vertriebene durch den zweiten Weltkrieg.

Material:
Papier

Maße:
10 x 14,1 cm

Schenkung:
Wilfried Sauer
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Kurzbiographie

Wilfried Sauer wird 1931 als erstes Kind des aus Hinterpommern stammenden Lehrers Kurt Sauer in Berlin geboren, 1938 folgt sein Bruder Manfred. Als 1939 der Zweite Weltkrieg beginnt, wird Vater Kurt als Luftwaffenoffizier eingezogen – mit Standort zunächst in Berlin. 1943 beginnen die Alliierten die Stadt zu bombardieren, Frauen und Kinder werden evakuiert. Wilfried findet mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder Zuflucht bei den Großeltern im pommerschen Greifenberg. Das dort zunächst vom Krieg weitestgehend unberührte Leben endet 1945. Die Front, und damit die sowjetische Armee, rücken näher. Die Mutter flieht mit ihren beiden Söhnen aus Greifenberg und findet schließlich Aufnahme bei einem Bauern im niedersächsischen Bevern. Auch Vater Kurt, der in den letzten Kriegswochen noch an die Front geschickt wird, überlebt seinen Einsatz und kann sich nach Bevern durchschlagen. Am Himmelfahrtstag 1945 ist die Familie wieder vereint, ihren gesamten Besitz haben die Sauers verloren.

Bedeutung des Objektes

Mithilfe der während des Zweiten Weltkrieges üblichen deutschen „Lebenszeichen“-Postkarten benachrichtigt auch Kurt Sauer seine evakuierte Familie nach überstandenen Bombenangriffen von seinem Überleben. Die Postkarte ist ein persönliches Erinnerungsstück der Familie Sauer an eine schreckliche Zeit, die sie im Rückblick gut überstanden haben.

Zum Gedenken an die furchtbaren Folgen von Krieg und Gewalt wird seit 1957 jährlich am 1. September, dem Jahrestag des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen 1939, der Antikriegstag begangen. Unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ mahnt er die Menschen zu einem friedlichen Miteinander.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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