Objekt des Monats: KFZ-Kennzeichen, 1963

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Objektbezeichnung

KFZ-Kennzeichen, Illinois, 1963
 

Material:
Blech

Maße:
15 x 30 x 0,2 cm

Schenkung:
Rita Bendler
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

 
  
   

Historische Einordnung

In den USA gibt jeder Bundesstaat seine eigenen KFZ-Kennzeichen heraus. Am oberen Rand des jeweiligen Nummernschildes befinden sich der Name des ausgebenden Staates und das Jahr der Gültigkeit, in diesem Fall: Illinois, 1963. Am unteren Rand befindet sich das „Motto“ des jeweiligen Staates, hier: „Land of Lincoln“ – „Lincolns Land“. Der US-Staat Illinois trägt diesen Beinamen, weil der spätere 16. US-Präsident Abraham Lincoln seit 1830 hier lebte – und nach seiner Ermordung auch die letzte Ruhestätte in der Hauptstadt Springfield fand.

Kurzbiographie der Auswanderin Rita Bendler

Rita Bendler wird 1957 als einziges Kind von Ursula und Günter Matschke in Berlin geboren. Die Eltern reisen viel und gerne. Die Entwicklung in Deutschland macht den Beiden jedoch zunehmend zu schaffen. Die Auftragslage für Vater Günter, einem Werkzeugmacher, ist schlecht. 1961 beginnt der Mauerbau, ihre Heimatstadt ist fortan geteilt. 1962 entschließen sie sich in die USA auszuwandern. Eine Schwester von Mutter Ursula hatte das bereits einige Jahre zuvor erfolgreich unternommen und verspricht Unterstützung. Mit der „Bremen“ reist Familie Matschke 1962 von Bremerhaven nach New York, mit der Bahn geht es weiter nach Chicago. Für die vierjährige Rita ist alles spannend, schnell lebt sie sich in Amerika ein und findet dort im Kindergarten neue Freunde. Mutter Ursula hingegen findet, da sie kaum Englisch spricht, zunächst keine Arbeit. Der Job als Verkäuferin, den sie schließlich annimmt, füllt die junge Frau nicht aus. So engagiert sie sich in der Freizeit für den deutschen Verein „Berliner Bären“. Sie ediert die Vereinszeitung, organisiert Feste und Veranstaltungen, lernt neue Bekannte kennen – dennoch fühlt sie sich unwohl in Amerika. Als ihr Vater in Deutschland an Lungenkrebs erkrankt, kehrt die Familie 1966 zurück. Für die neunjährige Rita eine folgenreiche Entscheidung: Sie muss ihre Freunde in Chicago zurücklassen und in dem kleinen Dorf in der Nähe von Braunschweig, in das ihre Eltern mit ihr ziehen, lebt sie sich nur schwer ein. Nach der Schulzeit studiert sie in Göttingen Kunstgeschichte, lernt dort ihren Mann Thilo kennen, der ebenfalls einige Zeit in den USA gelebt hatte. Heute pendeln Rita und ihr Mann „zwischen den Welten“ – herzliche Bindungen ziehen das Ehepaar alle sechs Monate zurück in die USA.

Bedeutung des Objektes

Das KFZ-Kennzeichen aus Illinois ist ein Alltagsgegenstand aus dem Jahr 1963. Seine Bedeutung als migrationsgeschichtliches Museumsobjekt erklärt sich als Erinnerungsstück: Das Kennzeichen gehörte zum ersten eigenen Auto der Familie in den USA, einem blauen VW-Käfer, auf dessen Besitz Ritas Eltern stolz waren, und ist eine Kindheitserinnerung an ein Land, dem sie sich bis heute verbunden fühlt. Andererseits steht es stellvertretend als Beleg für die Motivation vieler Auswanderer: der Suche nach Arbeit und einem besseren Auskommen, das sich häufig in dem Erwerb eines eigenen Autos als wirtschaftlichem Statussymbol manifestiert(e). Auch stehen die amerikanischen Autos und Highways bis heute für Freiheit, etwas, das viele mit den USA gleichsetzen.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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