Zu Gast in der „Plattenkiste“ von NDR 1 Niedersachsen

Viel zu erzählen gab es in der Sendung „Plattenkiste“ bei NDR 1 Niedersachsen. Am 30. April 2018 zwischen 12 und 13 Uhr unterhielten sich Museumsdirektorin Dr. Simone Eick, Pressesprecherin Ilka Seer und Diab Bransi, Gästebetreuer am Deutschen Auswandererhaus, mit Moderator Jens Krause über die Arbeit des preisgekrönten Migrationsmusuems, wo sich schon mehr als 2,4 Millionen Besucher über Aus- und Einwandererschicksale informiert haben.

Vor Beginn der Live-Sendung am 30. April 2018 im Studio von NDR 1, Hannover (v.l.n.r.: Ilka Seer, Dr. Simone Eick, Jens Krause und Diab Bransi). © NDR 1

Worum ging es in der „Plattenkiste“?

Perspektivlosigkeit, Hunger, keine Verdienstmöglichkeiten – so war es besonders im 19. Jahrhundert in Deutschland. Das zwang viele zum Auswandern, fasst Moderator Jens Krause die damalige Situation knapp zusammen. Auswanderer jener Zeit aus Niedersachsen, aus der Region Schaumburg beispielsweise, waren häufig Kleinbauern. Mit seinen vielleicht nur zwei Hektar Land konnte der Kleinbauer die Familie nicht ernähren, erläutern die Gäste: Dafür brauchte ein Bauer mindestens fünf Hektar. Wenn er dann erfuhr, wie viel man in Amerika verdienen kann, wie viel Land zur Verfügung stand, verkaufte er seinen Besitz, fuhr die Weser hoch mit seiner Familie und trat die lebensgefährliche und wochenlange Überfahrt ab Bremerhaven an. Nicht alle, aber immerhin viele solche Geschichten hatten ein Happy End: Am Ende hatte der Kleinbauer aus dem genannten Beispiel in seiner neuen Heimat 64 Hektar Land und konnte davon gut leben.

Seit 1840 bis ins 20. Jahrhundert wanderten zwölf Millionen Menschen aus. Bekannt waren ihnen die Briefe der Bekannten und Verwandten. Doch das richtige Ankommen in der neuen Heimat fiel nicht leicht. Englisch zu lernen, war das erste Problem. Denn der Bildungsstand – und somit auch die Sprachkenntnisse – war niedrig. Auch war dann doch alles anders als in der Vorstellung. Im Deutschen Auswandererhaus kann man das nachvollziehen: Der deutsche – wie auch andere – Einwanderer musste über die 1892 eröffnete Einwanderungsstation Ellis Island vor den Toren New Yorks gehen und dort zahlreiche Fragen beantworten. Wer dann in Manhattan landete, musste sich sofort vor Kleinkriminellen schützen, die es auf Geld und Gepäck absahen. Viele Menschen wollten weiterziehen, wanderten durch die Straßen New Yorks Richtung Bahnhof Grand Central Terminal, versuchten dabei, Gepäck und Familie zusammen zu halten.

Etwa 60 Mitarbeiter hat das Deutsche Auswandererhaus. Diab Bransi kommt aus Israel. Er hatte Cousins, die in Deutschland studierten und ihm viel erzählten. Das wollte er auch erleben, kam aber ohne Deutschkenntnisse an. Da wurden Behördengänge ein kleines Problem, obwohl er Englisch sprach. Auch für ihn war die Ankunft im ersten Moment verwirrend – vielleicht ähnlich einem Auswanderer voriger Jahrhunderte in New York: Auf dem Flughafen Frankfurt zu landen – Menschenmassen und Helligkeit überwältigten ihn zunächst. Im Deutschen Auswandererhaus betreut Diab Bransi jetzt Besucher. Vor einiger Zeit war Otto Waalkes zu Gast. Der Künstler hatte einen Auftritt in Bremerhaven und kam spontan mit Sohn und Manager zu Besuch ins Deutsche Auswandererhaus – mit großem Interesse an dem preisgekrönten Erlebnismuseum, seinem Vermittlungskonzept und der Ausstellungsgestaltung sowie grundsätzlich an dem Thema Migration. Gerade aus Ostfriesland sind sehr viele Menschen ausgewandert.

Mehr als 3.000 Familiengeschichten hat das Deutsche Auswandererhaus in einer einzigartigen Sammlung bislang zusammengetragen. Reale Geschichten von Aus- und Einwanderern erzählen über mehrere Generationen, wie es ihren Familien vor, während und nach der Aus- und Einwanderung erging. Besucher können sich diese Biographien anhören, aber auch ihre eigene Familiengeschichte recherchieren. Das Museum hat jederzeit Interesse an neuen Geschichten und sucht neben den erzählten Familiengeschichten Fotografien und Dokumente, vor allem aber persönliche Erinnerungsobjekte, wie zum Beispiel den ersten verdienten Dollar oder das vom ersten ersparten Geld Erworbene – oder andere wunderbare, außergewöhnliche Objekte, die für die jeweilige Migrationsgeschichte von Bedeutung sind.