Angst in Neugierde verwandeln
Das neue „Studio Migration“ am Deutschen Auswandererhaus

Bremerhaven, 21. April 2017  – Das Studio Migration ist ein Ort der Kommunikation und Vermittlung, in dem sich Museumsbesucher, Wissenschaftler und Zeitzeugen treffen und austauschen. Ein Aufnahmestudio für ein audiovisuelles Oral-History-Archiv, Besucherumfragen zu aktuellen Migrationsdebatten und interaktive Medienstationen, die zur Reflexion wissenschaftlicher Methoden anregen – all das beherbergt das neue Studio Migration am Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven. Dieser vielfältige Ort der Auseinander-setzung steht ganz unter dem Motto: „Angst in Neugierde verwandeln“. Mit dem Studio Migration verlässt das Deutsche Auswandererhaus die gewohnten Pfade eines Museums und führt die museale Geschichtsdarstellung zusammen mit einem aktuellen Forum zu gesellschaftlichen Debatten um Migrationsfragen: Besucher sollen animiert werden, ihre eigene Familiengeschichte zu erzählen, historische Vergleiche zu ziehen, ihre Meinung zu äußern und in Frage zu stellen sowie wissenschaftliche Methoden kritisch zu betrachten.

Das Studio Migration bildet – neben der druckfrischen Publikation mit dem Titel „Angst in Neugierde verwandeln“ – das Ergebnis des bundesweit einzigartigen Pilotprojektes „Forum Migration“, das dank einer zweijährigen Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien am Deutschen Auswandererhaus zustande kam.

So standen zu Beginn des Projektes drei Fragen: Wie präsentiert man aktuelle Ereignisse und Debatten rund um Migrations- und Integrationsfragen in einem kulturhistorischen Museum? Wie vermittelt man Kompetenzen zum Verständnis von Migrations- und Integrationsgeschichte? Wie stärkt man die persönliche Meinungsbildung und die Lust am gemeinsamen Diskutieren gerade bei Kindern und Jugendlichen in Bezug auf Migrations- und Integrationsfragen?

Diesen Fragen entsprechend besteht das Projekt „Forum Migration“ aus drei Bereichen: Evaluation, Oral History – die durch Zeitzeugen mündlich übermittelte Geschichte – und Vermittlung von Interkultur. Die drei Bereiche spiegeln sich in den drei „Themeninseln“ des neuen Ausstellungsraumes Studio Migration wieder, das Tools für Besucherumfragen, ein Aufnahmestudio und interaktive Medienstationen beherbergt. Im Aufnahmestudio zeichnen Wissenschaftler Zeitzeugeninterviews mit Auswanderern, Einwanderern und deren Nachfahren audiovisuell auf. Sequenzen dieser Interviews können die Besucher später an Medienstationen hören und sehen. An anderen Stationen sind die Museumsgäste gefragt, ihre Meinung zu aktuellen politischen Fragen anonym abzugeben. Am nächsten Tag werden die Ergebnisse als Stimmungsbarometer und Spiegelbild der Gesellschaft im Studio Migration veröffentlicht. „Die Besucherbefragungen werden zudem, da wir sie langfristig und in einer entsprechenden Größenordnung durchführen, eine wertvolle Quelle für die Migrationsforschung am Deutschen Auswandererhaus bilden“, erläutert Direktorin Dr. Simone Eick. 

 

Das Aufnahmestudio im neuen „Studio Migration“: Hier werden Oral History-Intreviews mit Auswanderern, Einwanderern und deren Nachfahren audiovisuell aufgezeichnet.

Weitere Medienstationen im Studio Migration beschäftigen sich mit Statistiken und deren verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten sowie mit einem „Persönlichkeitstest“ für die Besucher, die so herausfinden können, ob sie Gegner, Skeptiker oder Befürworter von Einwanderung sind – um anschließend gefragt zu werden, wie sie es finden, von Wissenschaftlern derartig kategorisiert zu werden.

Um die Multiperspektivität des Raumes zu illustrieren, befindet sich eine Krähe im Logo des Studio Migration: Krähen werden in einigen Kulturen sehr positiv, in anderen sehr negativ dargestellt. So sind sie Symbol der Fruchtbarkeit genauso wie Symbol des Todes. Eine solch starke Gegensätzlichkeit der Wahrnehmung findet sich auch bei Migrationsfragen und so ist die Krähe ein passendes Symbol für einen Raum, in dem verschiedene Blicke auf ein Phänomen geworfen werden sollen.