Eine europäische Tragödie

Der Freundeskreis Deutsches Auswandererhaus e.V. hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1985 erheblich für das Migrationsmuseum verdient gemacht: So hat er in den vergangenen Jahrzehnten eine bedeutende Grafiksammlung erworben und den Grundstock für die Bibliothek zur deutschen Ein- und Auswanderungsgeschichte zusammengetragen. Diese wurde als Präsenzbibliothek, dank der Unterstützung der Stiftung Deutsches Auswandererhaus, 2013 im historischen Seeamt eröffnet. Auch organisiert der Freundeskreis jedes Jahr eine Vortragsreihe mit ausgewiesenen Experten sowie Konzerte, Lesungen und Filmvorführungen, die mit deutscher Migrationsgeschichte zu tun haben. Die Matineen finden in den Räumlichkeiten des Deutschen Auswandererhauses statt.

Freundeskreis-Matinee zur Situation in den griechischen Flüchtlingslagern am Sonntag, 23. Februar 2020, um 10.30 Uhr

Der Freundeskreis des Deutschen Auswandererhauses widmet sich in seiner nächsten Sonntags-Matinee am 23. Februar 2020 der aktuellen Situation in den griechischen Flüchtlingslagern. Zunächst referiert der Europareferent der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl, Karl Kopp, über die europaweite Vernetzung von Pro Asyl mit weiteren Menschenrechts-und Flüchtlingsorganisationen. Anschließend berichtet die in Bremerhaven geborene Sozialarbeiterin Jannike Keil von dem Projekt „Habibi Works“, das sie in den vergangenen vier Jahren während ihres Studiums in Heidelberg zusammen mit einer Gruppe von Studentinnen und Studenten in dem griechischen Flüchtlingslager Katsikas aufgebaut hat. Die Veranstaltung beginnt um 10.30 Uhr; der Eintritt ist frei.

Karl Kopp leitet die Europa-Abteilung von Pro Asyl und vertritt die Organisation im Europäischen Flüchtlingsrat ECRE. Er stellt die aktuelle Lage in griechischen Flüchtlingslagern vor. Nach Informationen von Pro Asyl harren im fünften Jahr des EU-Türkei-Deals zehntausende Menschen unter schwierigen Bedingungen auf den griechischen Inseln aus – unter ihnen geschätzt 14.000 Kinder und Jugendliche, die mehr als ein Drittel der derzeit rund 41.000 Geflüchteten ausmachen. Mehr als 60 Prozent der Kinder sind unter zwölf Jahre alt. Knapp 15 Prozent der etwa 2.000 Kinder und Jugendlichen auf den griechischen Inseln flohen allein oder sind von ihren Familien getrennt und komplett auf sich allein gestellt. Viele von ihnen leben schutzlos in Zelten oder auf der Straße. Der Zugang zu Betreuung, Bildung und notwendiger (medizinischer) Versorgung bleibt ihnen, so Pro Asyl, vielfach verwehrt.

Jannike Keil wird über das Projekt „Habibi.Works“ berichten, bei dem die Geflüchteten im griechischen Flüchtlingslager Katsikas durch die Arbeit in verschiedenen Werkstätten und durch gemeinsame Aktivitäten Hilfe zur Selbsthilfe erhalten. Die Hilfe basiert auf fünf Säulen: Bildung, Lebensverhältnisse, Wohlbefinden und mentale Gesundheit, Begegnung und Integration, Aufklärung in Europa. Jannike Keil stellt die Arbeit von „Habibi.Works“ vor und berichtet über die hoffnungsvolle Entwicklung des Projekts im Laufe der letzten vier Jahre. Angesichts der „Europäischen Tragödie“ in den griechischen Flüchtlingslagern zeigt sie an der Arbeit von „Habibi.Works“ auf, wie beispielhafte Wege einer Verbesserung der Situation der Geflüchteten aussehen können.

Die Veranstaltung ist öffentlich. Der Eintritt ist frei.

www.freundeskreis-dah.de