Fassadenporträt: Cynthia Andraczek

Wer in letzter Zeit am Deutschen Auswandererhaus vorbei gekommen ist, der wird sie vielleicht schon erkannt haben - die Porträts von 30 Einwander*innen oder deren Nachfahr*innen, die reliefartig die Außenwand des zweiten Erweiterungsbaus zieren und je nach Lichteinfall mal mehr, mal weniger zu sehen sind. Unser Museum bekommt somit nicht nur ein neues Gesicht, sondern viele. Wer diese Menschen sind oder waren? Für einen Teil ihres Lebens ganz normale Bremerhavener*innen. Nach ihrer Migration nach Deutschland wurde die Seestadt ihr erstes neues Zuhause in einem neuen Land. In den nächsten Wochen werden wir Ihnen die Menschen hinter den 30 verschiedenen Porträts vorstellen. Auf unserer Website genauso wie auf Instagram unter #havenmenschenmitprofil.

Die Weltentdeckerin: Cynthia Andraczek

Cynthia Andraczek wird 1981 in Nordfrankreich im kleinen Ort Denain geboren und wächst dort zusammen mit ihrem Bruder auf. Gemeinsam fährt die Familie gerne in den Camping-Urlaub durch Frankreich. Cynthia Andrazcek trifft hier oft auf Familien, die andere Sprachen sprechen. Schon als Kind ist sie fasziniert und möchte verstehen, worüber die Familien sprechen. Aufgrund ihrer Liebe zu Sprachen entscheidet sie sich, an der Lycée Jean-Baptiste Corot in Douai nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin anzutreten. Teil der Ausbildung ist ein sechswöchiges Auslandspraktikum. Durch einen Kontakt ihrer Mutter tritt Cynthia Andraczek im Jahr 2000 ihr Praktikum bei der Bremerhavener Sparkasse und dem Amtsgericht Bremerhaven an. In einer Propellermaschine fliegt sie von Brüssel nach Bremen.

Bremerhaven macht auf die junge Frau einen sehr guten Eindruck:

„Ich wollte die Welt entdecken!“

Durch die Freunde ihrer Mutter lernt sie auch Martin Andraczek kennen. Die beiden befreunden sich in dieser Zeit. Doch auch als Cynthia Andraczek zurück nach Frankreich geht, bleiben sie in gutem Kontakt und verlieben sich. Als sie ihre Ausbildung abschließt, möchten Cynthia und Martin Andraczek ihre Beziehung festigen. Da Martin Andraczek zu dieser Zeit seinen Zivildienst absolviert, entscheidet sich Cynthia Andraczek nach Deutschland auszuwandern.

„Der weiße Ei“

Die ersten zehn Monate lebt sie bei Martin Andraczeks Großmutter und verdient ihren Lebensunterhalt mit verschiedenen Jobs. Doch obwohl Cynthia Andraczek deutsch schon sehr gut beherrscht, bereitet ihr in der neuen Umgebung die Sprache die meisten Schwierigkeiten. Doch sind es nicht nur Schwierigkeiten, sondern auch lustige Momente, die so entstehen: Als etwa ihr Schwiegervater ihr von einem interessanten Film namens „Der weiße Ei“ erzählt, wundert sie sich ein wenig über die Begeisterung und das Filmthema – bis sie lachend feststellt, dass er von „Der weiße Hai“ sprach. Nach anderthalb Jahren findet sie eine Anstellung als Fremdsprachenkorrespondentin bei Rogge – Marine Consulting GmbH. Sie ist verantwortlich für die Organisation und Abwicklung verschiedener französischsprachiger Projekte vor allem im afrikanischen Raum.

„Das war ein Traum – das war perfekt!“

Im Jahr 2002 heiratet sie den Steuerfachangestellten Martin Andraczek und zieht mit ihm in eine gemeinsame Wohnung in Geestemünde. Cynthia Andraczek findet viele neue Freunde und besucht regelmäßig ihre französische Heimat. Als ihr Sohn Dorian im Jahr 2008 geboren wird, geht sie zwei Jahre in den Mutterschutz. Dorian wird bilingual erzogen. Aufgrund von Personalkürzungen bei der Firma Rogge muss sich Cynthia Andraczek im Jahr 2010 eine neue Anstellung suchen. Sie findet eine neue Stelle als Lehrkraftassistentin für Französisch und gibt zusätzlich privaten Nachhilfeunterricht.

Im Jahr 2012 übernimmt ihr Mann den Tauchbetrieb Helgoland im Bremerhavener Fischereihafen und Cynthia Andraczek wird in der Firma angestellt. Heute identifiziert sie sich als Bremerhavenerin und beschreibt die Seestadt mit den Worten:

„Seeluft, Wind, Möwe und Heimat!“

Für ihre Zukunft wünscht sie sich, dass sie mit ihrer Familie weiterhin glücklich zusammen in Bremerhaven leben kann.

Die Porträtserie

Folgen Sie auch dem Instagramkanal des Deutschen Auswandererhauses und dem #havenmenschenmitprofil, um keine Porträtvorstellung zu verpassen!

Mehr zu den Porträtgeschichten erfahren Sie auch in der Nordsee-Zeitung sowie auf der Homepage und dem IGTV von NordErlesen.

Geburt: 1981 in Denain/Frankreich
Einwanderung nach Bremerhaven: 2001

Cynthia Andraczek, geb. Cartigny, 2020. © Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Das Porträt von Cynthia Andraczek an der Fassade des Deutschen Auswandererhauses. © Deutsches Auswandererhaus

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