Fassadenporträt: Khalil Koto

Wer in letzter Zeit am Deutschen Auswandererhaus vorbei gekommen ist, der wird sie vielleicht schon erkannt haben - die Porträts von 30 Einwander*innen oder deren Nachfahr*innen, die reliefartig die Außenwand des zweiten Erweiterungsbaus zieren und je nach Lichteinfall mal mehr, mal weniger zu sehen sind. Unser Museum bekommt somit nicht nur ein neues Gesicht, sondern viele. Wer diese Menschen sind oder waren? Für einen Teil ihres Lebens ganz normale Bremerhavener*innen. Nach ihrer Migration nach Deutschland wurde die Seestadt ihr erstes neues Zuhause in einem neuen Land. In den nächsten Wochen werden wir Ihnen die Menschen hinter den 30 verschiedenen Porträts vorstellen. Auf unserer Website genauso wie auf Instagram unter #havenmenschenmitprofil.

Trägt Erinnerungen in seinem Herzen: Khalil Koto

„Kurden tragen ihre Heimat auf dem Rücken. Wenn du sie verlässt, geht dein Land mit dir. Und die Erinnerungen bleiben in deinem Herzen.“

So lautet eine Lebensweisheit, die sein Großvater Khalil Koto mit auf den Weg gibt, als er mit seiner kurdischen Familie im Jahr 2014 aus Syrien nach Deutschland flieht.

Als 2011 der Bürgerkrieg in Syrien begann, lebte Familie Koto in Afrin im Nordwesten Syriens, wo der Elektroingenieur Khalil Koto eine Zweigstelle des Energieministeriums leitete. Bald mündeten die friedlichen Demonstrationen gegen das Assad-Regime in blutige Kämpfe zwischen Aufständischen und der Regierung. Immer mehr Menschen werden getötet, hunderttausende entscheiden sich zur Flucht. Im April 2014 beschließt auch Familie Koto ihre Heimat zu verlassen. In Afrin gibt es kaum noch Lebensmittel, Wasser oder Strom. Zudem hat Vater Khalil vor mehr als einem Jahr seine Arbeit verloren. Die Regierung hatte ihn zurück nach Aleppo versetzen wollen. Für Khalil Koto undenkbar:

„Wie sollte das gehen? In Aleppo ist Krieg. Unsere alte Wohnung ist kaputt. Dann haben sie mich entlassen.“

Zog aufgrund seiner Arbeitserfahrungen nach Deutschland

Zunächst ging die Familie in die Türkei zu Khalil Kotos Mutter, die in Istanbul lebt. Doch auch dort fand Khalil Koto keine Arbeit und so beschloss die Familie im Juli 2014, nach Deutschland zu fliehen. Beeinflusst hatte diese Entscheidung unter anderem sein Bruder, der sich bereits in Europa aufhielt und mit seiner Familie in London lebt:

„Er erzählte mir, dass es sehr gut für meine Familie wäre, wenn ich nach Deutschland ginge. Sie würden sich um mich kümmern und aufgrund meiner Zeugnisse und meiner Arbeitserfahrung fände ich vielleicht einen Job – vielleicht.“

Sechs Monate verbrachte die Familie zunächst in Flüchtlingslagern in Bulgarien, ehe sie in Dortmund Asyl beantragten und nach Bremen zugewiesen wurden. Seit November 2014 lebt die Familie nun in Bremerhaven. Die Kinder besuchen die Schule oder absolvieren eine Ausbildung. Khalil arbeitete zunächst in der Windenergie in Bremerhaven und Cuxhaven. Jetzt macht er eine Weiterbildung im Bereich der elektrotechnischen Automatik. Er und zwei seiner Kinder haben eine Niederlassungserlaubnis.

Die Porträtserie

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Mehr zu den Porträtgeschichten erfahren Sie auch in der Nordsee-Zeitung sowie auf der Homepage und dem IGTV von NordErlesen.

Geburt: 1971 in Kara Kol / Syrien
Einwanderung nach Bremerhaven: 2014

Khalil Koto in seinem Heimatort Karagoule bei Afrin im Nordwesten Syriens, 2003. © Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Das Porträt von Khalil Koto an der Fassade des Deutschen Auswandererhauses. © Deutsches Auswandererhaus

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