Fassadenporträt: Edward Mazurkiewicz

Wer in letzter Zeit am Deutschen Auswandererhaus vorbei gekommen ist, der wird sie vielleicht schon erkannt haben - die Porträts von 30 Einwander*innen oder deren Nachfahr*innen, die reliefartig die Außenwand des zweiten Erweiterungsbaus zieren und je nach Lichteinfall mal mehr, mal weniger zu sehen sind. Unser Museum bekommt somit nicht nur ein neues Gesicht, sondern viele. Wer diese Menschen sind oder waren? Für einen Teil ihres Lebens ganz normale Bremerhavener*innen. Nach ihrer Migration nach Deutschland wurde die Seestadt ihr erstes neues Zuhause in einem neuen Land. In den nächsten Wochen werden wir Ihnen die Menschen hinter den 30 verschiedenen Porträts vorstellen. Auf unserer Website genauso wie auf Instagram unter #havenmenschenmitprofil.

Der Marineoffizier Edward Mazurkiewicz

Regelmäßig verkehrt der US-amerikanische Truppentransporter „Darby“ zwischen New York und Bremerhaven. Der junge Marineoffizier Edward Mazurkiewicz und seine Kameraden nutzen den eintägigen Aufenthalt in der deutschen Hafenstadt jedes Mal gerne, um dort Bratwurst essen zu gehen. Das haben die drei Männer auch 1965 vor – doch auf dem Weg zum Bratwurststand erregt etwas anderes ihre Aufmerksamkeit. Interessiert beobachten sie zwei Frauen, die scheinbar wahllos Passanten ansprechen. Das Geheimnis ist schnell gelüftet: Eine der beiden Frauen, Waltraud, hat eine Laufmasche in ihren Strümpfen und benötigt Kleingeld für den Strumpfautomaten. Die drei Amerikaner helfen gerne aus. Der geplante Kinobesuch von Waltraud und ihrer Freundin ist vergessen, ebenso wie das Bratwurstessen von Edward und seinen Kameraden. Er hat nur noch Augen für sie. Trotz der fehlenden Sprachkenntnisse verstehen sich die beiden auf Anhieb. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Edward heute schmunzelnd. Die Beiden tauschen ihre Adressen aus, und als der Marineoffizier am nächsten Tag wieder in See stechen muss, ist ihm eines klar: Er muss Waltraud wiedersehen. Fast ein Jahr lang schreiben sich die beiden, sehen sich allenfalls kurz, wenn Edwards Schiff wieder einmal in Bremerhaven einläuft. 1966 schließlich endet seine Militärzeit. Edward packt kurzerhand zwei Koffer und besteigt ein Flugzeug nach Bremen. Dort angekommen, ruft er Waltraud an: „Hol mich ab vom Bremen-Airport!“

Angekommen in Bremerhaven

In Bremerhaven findet Edward Arbeit als Zivilangestellter der US-Armee, als Logistiker für die Verschiffung von Autos. Edward ist glücklich, er ist bei seiner großen Liebe und gründet eine Familie mit ihr. 1968 heiratet das Paar in der Großen Kirche in Bremerhaven. Da Zivilangestellte der Armee immer nur eine begrenzte Zeit an einem Standort bleiben dürfen, zieht die Familie in den folgenden Jahren mehrfach um: erst nach Washington, dann nach Neapel, wieder nach Washington und 1985 schließlich zurück nach Bremerhaven. Nachdem dort 1995 der US-amerikanische Stützpunkt geschlossen wird, geht es nach Rotterdam. Als Edward 1999 in Rente geht, ziehen er und seine Frau endgültig zurück nach Bremerhaven. Heute wohnen sie in ihrem Haus in Geestland. Ihre beiden Töchter leben in Deutschland, der Sohn in Colorado. Mittlerweile haben Waltraud und Edward sieben Enkel und zwei Urenkel.

Die Porträtreihe

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Mehr zu den Porträtgeschichten erfahren Sie auch in der Nordsee-Zeitung sowie auf der Homepage und dem IGTV von NordErlesen.

Geburt: 1940 in Reading, Pennsylvania
Einwanderung nach Bremerhaven: 1966

Edward Mazurkiewicz, Passfoto 1966 / Foto: privat.

Edward Mazurkiewiczs Porträt an der Fassade des Deutschen Auswandererhauses.
© Deutsches Auswandererhaus