Fassadenporträt: Hasan Sahin

Wer in letzter Zeit am Deutschen Auswandererhaus vorbei gekommen ist, der wird sie vielleicht schon erkannt haben - die Porträts von 30 Einwander*innen oder deren Nachfahr*innen, die reliefartig die Außenwand des zweiten Erweiterungsbaus zieren und je nach Lichteinfall mal mehr, mal weniger zu sehen sind. Unser Museum bekommt somit nicht nur ein neues Gesicht, sondern viele. Wer diese Menschen sind oder waren? Für einen Teil ihres Lebens ganz normale Bremerhavener*innen. Nach ihrer Migration nach Deutschland wurde die Seestadt ihr erstes neues Zuhause in einem neuen Land. In den nächsten Wochen werden wir Ihnen die Menschen hinter den 30 verschiedenen Porträts vorstellen. Auf unserer Website genauso wie auf Instagram unter #havenmenschenmitprofil.

Folgte seinen Eltern nach Deutschland: Hasan Sahin

„Mensch, das ist doch kein Meer, das ist ja eine dunkle Suppe.“

So erinnert sich Hasan Sahin an seine ersten Eindrücke von Bremerhaven, nachdem er in der türkischen Hafenstadt Istanbul mit hellblauem Meer aufgewachsen ist und 1974 gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester nach Bremerhaven migriert.

„Ich bin meinen Eltern gefolgt – die waren schon ein Jahr vorher in Deutschland und ich bin dann 1973 nachgekommen.“

Hasan Sahins Eltern kommen wie viele ausländische Arbeitnehmer Anfang der 1970er Jahre nach Deutschland, um hier Geld zu verdienen und sich später nach einer Rückkehr in die Türkei ein eigenes Haus zu bauen. Die Eltern waren zuerst in einer Porzellanfabrik in Bayern angestellt. Während dieser Zeit bleiben Hasan und seine Schwester in der Türkei bei Verwandten – getrennt voneinander. 1973 entschließen sich Hasan Sahins Eltern endlich, ihren Sohn und ihre Tochter nachzuholen. Das allerdings gestaltet sich aufgrund der Sprachbarriere zunächst etwas schwierig, doch nach einem kurzen behördlichen Hin und Her ist die Familie wiedervereint.

Mit bayrischem Akzent in Norddeutschland

Nach einem kurzen Aufenthalt in Bayern zieht die Familie im Sommer 1974 schließlich nach Bremerhaven, wo die Eltern eine Arbeit bei der Molkerei Bremerland bekommen. Für Hasan Sahin heißt das, weiter Deutsch lernen, vor allem durch Bücher. Bereits in Bayern hat er sich Deutsch mit Hilfe eines Wörterbuchs beigebracht:

„Ich habe das Wörterbuch auswendig gelernt. Am Ende hat es aber trotzdem nicht gereicht, weil die in Bayern mit oberfänkischem Dialekt gesprochen haben und das konnte ich natürlich nicht verstehen. Als ich dann hier in Bremerhaven war, hatte ich einen bayrischen Akzent und da haben sich die Kinder hier kaputt gelacht.“

Nach seinem Schulabschluss 1976 macht er eine Lehre zum KFZ-Mechaniker und arbeitet inzwischen bei der BLG.

„Ich mag meine Arbeit gerne, da gibt es jeden Tag etwas Neues. Es fasziniert mich, was da alles in den Schiffen drinnen ist, wie groß die sind und was man da alles machen kann.“

Zurück in die Türkei sind die Sahins nie gegangen. Immer kam irgendetwas dazwischen, eine Ausbildung oder Kinder, sodass eine Rückkehr wieder und wieder verschoben wurde.

Die Porträtserie

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Mehr zu den Porträtgeschichten erfahren Sie auch in der Nordsee-Zeitung sowie auf der Homepage und dem IGTV von NordErlesen.

Geburt: 1959 in Istanbul/Türkei
Einwanderung nach Bremerhaven: 1974

Hasan Sahin. © Sammlung Deutsches Auswandererhaus / Foto: Frank Wrobel

Das Porträt von Hasan Sahin an der Fassade des Deutschen Auswandererhauses. © Deutsches Auswandererhaus

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