Fassadenporträt: Fernando Valero

Wer in letzter Zeit am Deutschen Auswandererhaus vorbei gekommen ist, der wird sie vielleicht schon erkannt haben - die Porträts von 30 Einwander*innen oder deren Nachfahr*innen, die reliefartig die Außenwand des zweiten Erweiterungsbaus zieren und je nach Lichteinfall mal mehr, mal weniger zu sehen sind. Unser Museum bekommt somit nicht nur ein neues Gesicht, sondern viele. Wer diese Menschen sind oder waren? Für einen Teil ihres Lebens ganz normale Bremerhavener*innen. Nach ihrer Migration nach Deutschland wurde die Seestadt ihr erstes neues Zuhause in einem neuen Land. In den nächsten Wochen werden wir Ihnen die Menschen hinter den 30 verschiedenen Porträts vorstellen. Auf unserer Website genauso wie auf Instagram unter #havenmenschenmitprofil.

Aus zwei Welten: Fernando Valero

Fernando Valero wuchs in „zwei Welten“ auf: Er lebte mit seiner Familie in einem Slum in Ecuador, besuchte jedoch bis zur sechsten Klasse – bis zum Ende der Grundschulzeit – durch Kontakte seiner Mutter eine Privatschule. Sie war es auch, die besonderen Wert auf eine gute Bildung ihrer fünf Kinder legte. Nach seiner Schulbildung verfolgte Fernando Valero verschiedene akademische Ziele und Ausbildungen: Dem Wunsch seines Vaters entsprechend studierte er zunächst Medizin, begann gleichzeitig eine Ausbildung zum Pastor und eine technische Ausbildung. Stets musste er in unterschiedlichen Anstellungen arbeiten um Geld zu verdienen; Freizeit blieb ihm dabei kaum. Während dieser bewegten Zeit studierte seine jüngere Schwester in Deutschland Ingenieurwesen. Als Fernando Valero 30 Jahre alt war, überzeugte diese ihn ebenfalls nach Deutschland zu ziehen, um dort zu studieren. So ging er 1988 zu seiner Schwester nach Hamburg. Sein Ziel war jedoch die Hochschule in Bremerhaven, wo er ab 1988 Lebensmitteltechnologie studierte.

In den kühlen Norden und bis an den Polar

Das Leben als Student in der Seestadt hielt einige Herausforderungen für Fernando Valero bereit. Nicht nur die deutsche Sprache musste er erlernen, sondern war ihm auch die Kommunikations- und Lebensweise fremd. „Ich bin Südländer und kam nach Norddeutschland. Was am Anfang schockierend war, habe ich gelernt zu lieben, zum Beispiel die sehr direkte, aber auch sehr ehrliche Art der Menschen hier.“ Neu waren für ihn auch die Wechsel von Jahreszeiten und Schnee.

Auch als Student in Bremerhaven musste Fernando Valero Geld verdienen. So arbeitete er beispielsweise als studentische Hilfskraft für das Bremerhavener Institut für Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik. Durch die Erzählung eines Kommilitonen erfuhr er 1989, dass das Alfred-Wegener-Institut eine studentische Hilfskraft für die Eislabore der Glaziologie-Abteilung suchte. „Es gab viele Leute, die diesen Job nicht machen wollten – Eiskernmessungen bei minus zwanzig Grad. Doch ich dachte, wow, das ist etwas, das ich gerne machen würde!“ Seitdem ist Fernando Valero bei den Glaziologen als technischer Angestellter tätig, seit 1996 ist er dort fest angestellt.

Während dieser Zeit nahm Fernando Valero an zehn mehrmonatigen Polarexpeditionen teil: viermal ging es – unter anderem auf der „Polarstern“ – in die Arktis, viermal nach Grönland; zwei Expeditionen fanden in der Antarktis statt. Als erster Ecuadorianer erreichte der damals 38-Jährige im Jahr 1996 den Nordpol.

Mit Kreativität für das Klima der Erde

Unter der Leitung des Geophysikers Heinrich Miller gewannen Valero und die Arbeitsgruppe Glaziologie des AWI im Jahr 2007 als erste und bisher einzige Gruppe den „Communicator-Preis – Wissenschaftspreis des Stifterverbandes“ für herausragende Vermittlungsarbeit zur Klimaentwicklung, worauf der Familienvater auch heute noch besonders stolz ist.

Er nutzt in seiner Freizeit viele verschiedene Wege, um Wissen über Klimaveränderungen an die Öffentlichkeit zu tragen, etwa durch Unterricht an Kinderuniversitäten und durch Ausstellungen. Außerdem schreibt und illustriert er die Kinderbuchreihe „Paul und Napoleon“, dreht Kurzfilme und codiert Animationen, erschafft Kunstwerke aus hauchdünnen Eisscheiben oder komponiert „Bremerhaven – 4 Jahreszeiten“, indem er unterschiedliche Wetterfrequenzen in Musik umwandelt.

Als seine „größten Geschenke“ bezeichnet Valero seine Kinder und seine Frau Anna. Der gebürtige Südamerikaner liebt Bremerhaven, „die kleine Stadt am Meer“, wie er die Seestadt in seinen Kinderbüchern liebevoll nennt, und sagt von sich selbst: „Ich lebe länger in Bremerhaven als in irgendeiner anderen Stadt – ich bin Bremerhavener!“

Die Porträtserie

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Mehr zu den Porträtgeschichten erfahren Sie auch in der Nordsee-Zeitung sowie auf der Homepage und dem IGTV von NordErlesen.

Geburt: 1958 in Guayaquil/Ecuador
Einwanderung nach Bremerhaven: 1988

Fernando Valero, 2020. © Deutsches Auswandererhaus / Foto: Ilka Seer

Das Porträt von Fernando Valero an der Fassade des Deutschen Auswandererhauses. © Deutsches Auswandererhaus

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