Fassadenporträt: Alojzija Wilmes

Wer in letzter Zeit am Deutschen Auswandererhaus vorbei gekommen ist, der wird sie vielleicht schon erkannt haben - die Porträts von 30 Einwander*innen oder deren Nachfahr*innen, die reliefartig die Außenwand des zweiten Erweiterungsbaus zieren und je nach Lichteinfall mal mehr, mal weniger zu sehen sind. Unser Museum bekommt somit nicht nur ein neues Gesicht, sondern viele. Wer diese Menschen sind oder waren? Für einen Teil ihres Lebens ganz normale Bremerhavener*innen. Nach ihrer Migration nach Deutschland wurde die Seestadt ihr erstes neues Zuhause in einem neuen Land. In den nächsten Wochen werden wir Ihnen die Menschen hinter den 30 verschiedenen Porträts vorstellen. Auf unserer Website genauso wie auf Instagram unter #havenmenschenmitprofil.

Mit einer Idee, wie es besser sein kann: Alojzija Wilmes

Alojzija Wilmes wird am 24. Juni 1944 in Unterloibach in Österreich geboren. Sie wächst im heutigen Slowenien in verschiedenen familiären Konstellationen mit drei Geschwistern auf. Dort arbeitet sie nach ihrer Schullaufbahn als Verkäuferin und Schaufensterdekorateurin. 1968 trifft sie die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, um dort vorübergehend zu arbeiten.

„Die Firma Nordsee in Bremerhaven hat eine Anzeige geschaltet. Ich habe mich gemeldet und wurde angenommen. So kam ich am 8. August 1968 nach Bremerhaven. Am Hauptbahnhof warteten der jugoslawische Konsul und einige Vertreter der Firma Nordsee auf uns. In den ersten Tagen wurden uns die Stadt und die Fabrik gezeigt.“ Die ersten Erfahrungen, die Alojzija Wilmes in Deutschland macht, sind ihr nicht alle positiv in Erinnerung geblieben. So muss sie sich zum Beispiel auf dem Arbeitsplatz dafür einsetzen, nicht mit einer Nummer, sondern mit ihrem Namen angesprochen zu werden.

Nach diversen Fortbildungen beginnt sie 1982 als Sozialberaterin für die AWO Bremerhaven zu arbeiten. Zunächst betreut sie dabei vor allem Menschen aus der ehemaligen Jugoslawischen Republik. Und auch nachdem sie 2009 in den Ruhestand geht, bleibt sie in beratender Funktion weiterhin ehrenamtlich für ältere und alleinstehende Migrant*innen tätig.

Ihr Lebensmittelpunkt ist hier in Deutschland. Seitdem Alojzija Wilmes Rentnerin ist, genießt sie aber die Möglichkeit, sich bei Heimweh ins Auto setzen zu können und ihre Freund:innen und Angehörigen in ihrer Heimat zu besuchen. „Ich bin mal hier, ich bin mal dort. Ich fühle mich hier wohl – ich kann nicht sagen, dass ich hier unglücklich bin. Hier sind die Kinder, die Enkelkinder, mein Mann ist hier. Eigentlich habe ich hier ein schönes Leben. Aber ich bin auch dort glücklich.“

Die Porträtserie

Folgen Sie auch dem Instagramkanal des Deutschen Auswandererhauses und dem #havenmenschenmitprofil, um keine Porträtvorstellung zu verpassen!

Mehr zu den Porträtgeschichten erfahren Sie auch in der Nordsee-Zeitung sowie auf der Homepage und dem IGTV von NordErlesen.

Geburt: 1944 in Unterloibach/Österreich
Einwanderung nach Bremerhaven: 1968

Alojzija Wilmes, 2020. © Deutsches Auswandererhaus/ Foto: Ilka Seer

Das Porträt von Alojzija Wilmes an der Fassade des Deutschen Auswandererhauses. © Deutsches Auswandererhaus

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