Wir suchen Ihre Heimat!

Ein Wort, das groß wird, wenn die Welt groß wird: HEIMAT. Oft bekommen wir erst dann eine Idee, was es für uns bedeutet, wenn uns „die Heimat“ fehlt. Dann sind wir froh über die kleinen Dinge, die uns an sie erinnern. Haben auch Sie so ein Ding?

Mit einer Umfrage suchen das Deutsche Auswandererhaus und die Nordsee-Zeitung genau dieses Stück - und die dazugehörige Geschichte.

Was nimmt man eigentlich mit, wenn man für lange Zeit fortgeht? In eine andere Stadt, in ein anderes Land oder sogar einen anderen Kontinent. Was packt man in die wenigen Koffer? Erst einmal das Vernünftige, das Nützliche, das objektiv Wertvolle. Werkzeug, Geld, Schmuck. Vieles davon liegt einem eigentlich gar nicht so sehr am Herzen, aber man wird es brauchen. Und dann gibt es da diese ein, zwei wichtigen Dinge: der alte Plüsch-Hase, der Hut des Großvaters oder ein Rezept aus der elterlichen Küche, ein Foto vom 16. Geburtstag, der getrocknete Kommunionskranz oder ein traditionelles Musikinstrument.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Heimat-Ideen und Heimat-Objekte

Diese Objekte sind auch für die Forscher*innen des Deutschen Auswandererhauses etwas Besonderes: Sie sind nicht nur persönliche Erinnerungsobjekte, sondern stehen unter anderem auch für eine ganz individuelle Bedeutung des Wortes „Heimat“. Sie sind die realen Spuren der Geschichten und Erfahrungen, die das Museum sammelt und präsentiert – als Gegenstände und in Interviews, real wie digital.

Nun will das Deutsche Auswandererhaus in Kooperation mit der Nordsee-Zeitung mehr von Heimat-Ideen und von Heimat-Objekten erzählen. Nicht nur von denen, die es schon hat, sondern von Ihren!

Haben oder hatten Sie auch so ein Objekt, das für Sie „Heimat“ bedeutet und das Sie unbedingt begleiten müsste? Kann man „ihre“ Heimat überhaupt im Koffer mitnehmen? Oder bedeutet Heimat etwas ganz anderes für Sie? Dann berichten Sie uns doch bitte davon!

Sie müssen keine Auswanderin, kein Auswanderer sein oder aus einer bestimmten Region stammen und nur einen kurzen Fragebogen ausfüllen. Diesen Fragebogen können Sie mitsamt der Datenschutzerklärung hier als pdf-Datei herunterladen und gleich am Computer ausfüllen. Wir freuen uns außerdem über ein Foto von Ihrem persönlichen Heimat-Objekt.

Eine Auswahl der Beiträge erscheint in der Nordsee-Zeitung.

Wer einen besonderen Beitrag zur Forschung leisten möchte: Das Deutsche Auswandererhaus ist immer auf der Suche nach neuen Objekten zum Thema „Heimat“ für seine Sammlung.

Senden Sie uns diesen Fragebogen bitte als pdf-Datei oder eingescannt/abfotografiert per E-Mail mit dem Betreff „Heimat-Umfrage“ an: presse@dah-bremerhaven.de. Bitte fügen Sie auch ein digitales Foto Ihres Heimat-Objektes an.

Oder schicken Sie den ausgefüllten und unterschriebenen Fragebogen mit einem Foto Ihres Heimat-Objektes (das wir Ihnen gerne wieder zurückschicken) postalisch an:

Deutsches Auswandererhaus
„Heimat-Umfrage“
Columbusstraße 65
27568 Bremerhaven

Wir freuen uns auf Ihre Einsendung bis zum Sonntag, 17. Mai 2020, und verlosen unter allen Teilnehmer*innen drei Familientickets für das Deutsche Auswandererhaus!

#heimatobjekt

Gerne können Sie auch unter dem Hashtag #heimatobjekt Ihre Bilder und Geschichten auf Instagram oder Facebook teilen.

Heimat-Objekte aus der Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Zahlreiche Objekte in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählen eine Heimat- oder Heimwehgeschichte, wie zum Beispiel diese hier. Lassen Sie sich inspirieren!

Heimat im Gepäck

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird Familie Schastok aus dem heute zu Polen gehörenden Oberschlesien vertrieben. Der Teddybär ist der einzige persönliche Besitz, den die sechsjährige Sabine mitnehmen darf. Er ist ihr Trostspender und einziger Freund während der Zwangsumsiedlung und in späterer Zeit alleiniges Erinnerungsstück an die alte Heimat. Schon früh hegt Sabine den Wunsch, einmal nach Amerika auszuwandern. 1958 erfährt sie, dass es für Auswanderungswillige aus England leichter sei, ein Visum für die USA zu erhalten, und zieht nach London. Im Gepäck der 19-Jährigen befindet sich auch der geliebte Freund aus Kindertagen, der Teddybär. Zwei Jahre später erfüllt sich ihr Traum: Sabine und ihr Teddy ziehen gemeinsam in die USA.

Eine Tasse voll Heimat

1952: Die 15-jährige Renate Dewosch besteigt mit ihren Eltern in Cuxhaven die SS „Homeland“ in Richtung New York. Mit im Gepäck ist eine zierliche Mokkatasse, ein Geschenk von ihrer Tante Martha. Renate lebt sich schnell in den USA ein und wohnt bis heute in New York. Über all die Jahre erinnert die Tasse sie an ihre Kindheit und Jugendjahre in Berlin – denn immer, wenn Renate ihre Tante in Berlin-Tempelhof besuchte, durfte sie aus der kleinen Mokkatasse trinken. Ein Stück Heimat in den USA.
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

„Vergesse nie die Heimat …“

Christel Leuker wird 1940 im westfälischen Soest geboren, wo sie aufwächst und den Beruf der Kindergärtnerin erlernt. In diesem arbeitet sie einige Jahre, bis sie die Abenteuerlust packt und sich 1962 entschließt in die USA auszuwandern. Mit im Gepäck: ihr Poesiealbum. Dieses hat Christel am Weißensonntag 1950 zur ersten heiligen Kommunion von ihren Großeltern geschenkt bekommen – zu jener Zeit ein sehr wertvolles Geschenk, das sie fortan pflegt und hegt, da in diesem Büchlein ihre Familie und Freunde besondere Zeilen mit Wünschen für ihre Zukunft hineinschreiben. Noch heute erinnert sie sich besonders an einen Spruch aus dem Poesiealbum: „Vergesse nie die Heimat, wo deine Wiege stand. Du findest in der Fremde kein zweites Heimatland.“

Heim-Kehren

Als Martha Hüner 1923 an der Kaje in Bremerhaven Abschied von ihrer Familie nimmt, steckt in ihrem Koffer eine Pferdebürste. „Du heiratest bestimmt einen Cowboy.“ Mit diesem Scherz schenkte ihr Vater der 17-Jährigen das Familienerbstück des großelterlichen Bauerhofs. Zwar heiratet Martha keinen Cowboy, sondern einen ebenfalls aus Deutschland stammenden Bäcker, doch die Bürste kommt trotzdem jeden Tag zum Einsatz: Mit ihr fegt Martha allabendlich die Brotkrümel vom Tresen der Bäckerei in New York, die sie dort gemeinsam mit ihrem Ehemann führt – und gedenkt ihrer Familie zuhause in Deutschland. Als Martha Hüner im gehobenen Alter 1985 nach Bremerhaven zurückkehrt, kehrt auch die Pferdebürste heim.

Heimat: Schneeberg im Sommer

27. August 1933: An diesem Tag erlegt Karl Tischer, Förster in der fünften Generation, einen Hirsch, dessen Geweih er präparieren lässt. Als Familie Tischer 1946 aus Schneeberg im Elbsandsteingebirge – damals zur Tschechoslowakei gehörend – zwangsumgesiedelt wird, nimmt Karl auch sein schweres Hirschgeweih mit. Obwohl es unglaublich sperrig ist, bedeutet es ihm so viel, dass er es auf den Güterwagen packt. Bedeutend bleibt es auch für seine Tochter Paula, die trotz ihrer Abneigung gegen Geweihe dieses stets aufbewahrt, weil sie mit ihm die Heimat ihrer Kindheit und Jugend verbindet – ein Heimatgefühl jenseits der staatlich-politischen Grenzziehungen.

Ein Orden für zwei Heimaten

Helmuth Osmers wird 1929 in New York als Sohn zweier deutscher Einwanderer geboren. Ab dem zweiten Lebensjahr wohnt er bei seinen Großeltern in Deutschland, während seine Eltern aus Arbeitsgründen in den USA verbleiben. So ist das Leben von Helmut Osmers von steten Wanderungen zwischen den Welten geprägt – auch in seinem späteren Berufsleben. In seiner Freizeit engagiert er sich im Faschingsverein in Würzburg und wird 1965 zum Prinz von Würzburg ernannt. Für Helmuth Osmers symbolisiert der Faschingsorden ein Gefühl von Heimat, das beide Länder als wichtige Bezugspunkte in seinem Leben einschließt: Ihm zu Ehren sind auf dem Orden sowohl die Alte Mainbrücke von Würzburg als auch die Skyline von New York eingraviert. Beiden Orten fühlt sich Helmuth Osmers tief verbunden.

Der Klang der Heimat

Die USA, Frankreich, Großbritannien, Slowenien, Deutschland … Nach seinem Schulabschluss in Korea lebt der Architekt Hyunggu Kim in ganz unterschiedlichen Ländern. Da bleibt es nicht aus, dass er manchmal Heimweh bekommt. Er bittet seine Mutter, ihm seine Flöte aus Kindheitstagen, die „Danso“, zu schicken. Das Musizieren auf der Flöte stellt für Hyunggu Kim eine Verbindung zu seiner koreanischen Heimat her.

Heimat zum Frühstück

Als Büroleiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Washington D.C. lebt Bastian Hermisson seit 2014 gemeinsam mit seiner Familie in den USA. Dort fehlen ihm manchmal Dinge, die für andere banal erscheinen mögen: ein Eierpikser zum Beispiel, stellvertretend für die deutsche Frühstückskultur.