Objekt des Monats
Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.
April 2017
Bierkrug des Norddeutschen Lloyd aus dem Jahr 1967
Material | Keramik |
Maße | Höhe 13 cm; Durchmesser oberer Rand 8 cm, unten 9,7 cm |
Schenkung | Tom Reimer |




Historische Einordnung
Bier ist bei den Deutschen seit jeher ein Nationalgetränk. In den Jahren 2015 und 2016 rangierte es laut statischen Erhebungen auf Platz Eins ihrer bevorzugten alkoholischen Getränke. Das war im 19. Jahrhundert nicht anders, und so begleitete diese Vorliebe für „das kühle Blonde“ die deutschen Auswander:innen auch auf ihrem Weg in die USA. Mit der Gründung von Brauereien wie Anheuser-Busch (1852, St. Louis) oder Joseph Schlitz Brewing Company (1858, Milwaukee) erarbeiteten sie sich eine wichtige Stellung in der amerikanischen Bierindustrie. In allen deutschen Vierteln eröffneten Kneipen und Biergärten; allein in Cincinnati waren es 1860 rund 2.000 solcher Lokale. Die Einstellung der Deutschen zum Alkoholkonsum führte jedoch vielfach zu Konflikten mit sittenstrengen Amerikanern, die gegen den Alkoholgenuss insbesondere an Sonntagen ankämpften. Den Volstead Act, mit dem 1919 die Prohibition in Kraft gesetzt wurde, empfanden viele Deutschamerikaner als gegen sich gerichtete, anti-deutsche Maßnahme.
Kurzbiographie
Viel wissen wir nicht über den ehemaligen Besitzer dieses Bierkruges: Es handelt sich um einen jungen Mann, der in den USA „gutes Geld“ verdienen wollte. 1967 begibt sich der Arbeitssuchende in Bremerhaven an Bord des Passagierdampfers „Bremen“ und macht sich auf den Weg nach New York. Als Erinnerung an diese Reise bewahrt er das mit dem Wappen des Norddeutschen Lloyd verzierte Trinkgefäß. Als er schließlich in späteren Jahren nach Deutschland zurückkehrt, befindet sich auch der Bierkrug wieder im Gepäck.
Bedeutung des Objekts
Seine Bedeutung als migrationsgeschichtliches Museumsobjekt erklärt sich vor allem als Erinnerungsstück: Der ehemalige Auswanderer bewahrte den Krug bis heute als Andenken für seinen bedeutenden Schritt und die damit verbundenen Hoffnungen. Zugleich erinnert das Trinkgefäß an den Norddeutschen Lloyd, die einst größte norddeutsche Reederei für den Auswanderertransport. Das eigens für die Schifffahrtsgesellschaft hergestellte Geschirr im Corporate Design diente als Marketingmittel.
Haben auch Sie …
… eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Dr. Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0
oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de