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Objekt des Monats

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

Oktober 2017

Einladungskarte zum „Gottesdienst für evangelische Auswanderer in Bremen“, um das Jahr 1929

Material

Papier

Maße

7,7 cm x 12,5 cm

Schenkung

Evangelischer Kirchenkreisverband Lausitz

Oktober 2017: Einladungskarte zum Gottesdienst, 1929 Newsbild 1

Historische Einordnung

Nicht nur staatliche Stellen, sondern auch kirchliche Institutionen kümmerten sich  in Bremen um die Betreuung der Auswanderer. Schon 1821 wurde dort der evangelische „Verein zur Verbreitung kleiner christlicher Schriften“ gegründet; 1872 folgte der katholische St. Raphaels-Verein und seit 1892 stand mit dem „Deutschen Zentralkomitee für die russischen Juden“, seit 1901 dann dem „Bremer Komitee für hilfsbedürftige Juden durchreisende Juden“ auch jüdischen Transitwanderern eine Anlaufstelle zur Verfügung. Neben der Organisation von Abschiedsgottesdiensten, der Verteilung von kirchlichen Schriften und der Entsendung von Geistlichen in die jeweiligen Zielländer standen die kirchlichen Institutionen den Emigranten auch in weltlichen Belangen zur Seite: sie berieten in Fragen über die Zielländer, verteilten Kontaktadressen von Gemeinden und Unterstützungsorganisationen oder kümmerten sich um Geldüberweisungen in die neue Heimat.

Kurzbiographie

Anlässlich des Kirchentages in Wittenberg 1848 forderte der evangelische Pfarrer Johann Hinrich Wichern in einer Rede dazu auf, Kirche müsse sich stärker der sozialen Nöte der Menschen annehmen. Missernten und Massenarmut, Unfreiheit und Ungerechtigkeit seien dafür verantwortlich, dass sich Gläubige von Gott entfernten. Am 21. Februar 1849 wiederholte er seine Rede während eines Besuches in Bremen, die keine drei Wochen später 60 Bremer Bürger und Bürgerinnen zur spontanen Gründung des „Vereins für Innere Mission in Bremen“ veranlasste. Schon 1850 unterhielt der Verein 13 Stadtbüchereien, fünf Näh- und Strickschulen für Kinder von Armen und 40 Betreuungsstellen für Waisenkinder. 1897 wurde die Bahnhofsmission gegründet, es folgte die Errichtung eines Hospizes und 1907 die Einrichtung eines Übernachtungshauses für wohnungslose Frauen. In den 1960er und 1970er Jahren kamen Betreuungsangebote für psychisch erkrankte Menschen hinzu. Bis heute ist der Verein im Sinne des Anspruchs von Wichern in Bremen tätig.

Bedeutung des Objekts

Religion spielt eine wichtige Rolle bei Migrationen. Zum Einen kann die Suche nach religiöser Freiheit der Grund sein, der Menschen dazu bringt ihre Heimat zu verlassen. Weit häufiger jedoch stellt Religion einen Faktor dar, der Migranten Halt und Kraft gibt. Wer seine Heimat verlässt, um in der Fremde Arbeit, Freiheit oder einfach einen Neuanfang zu suchen, hat viele Übergänge und Brüche zu bewältigen: eine fremde Sprache, ein neues soziales Umfeld, andere Sitten und Bräuche, ungewohnte Arbeitsabläufe erwarten ihn. Die eigene Religion ist dabei ein konstant bleibender Faktor, auf den sich die Migranten berufen und verlassen können. Gotteshäuser, Gemeindezentren und kirchliche Organisationen bieten darüberhinaus erste Anlaufstationen für die Neuankömmlinge um Gleichgesinnte zu treffen, Kontakte zu knüpfen und Informationen zu erhalten für die Einrichtung in der neuen Umgebung.

Haben auch Sie …

… eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Dr. Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0

oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de

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