Objekt des Monats: Buch

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

 

Objektbezeichnung

Buch
Christoph von Schmid: Die Ostereier. Eine Geschichte für Kinder und Kinderfreunde, New York: Verlag von E. Steiger & Co. O. J. (=Steiger’s Jugend-Bibliothek No. 23)

 

Material:
Karton, Papier, Druckfarbe

Maße:
20,5 x 15,8 x 0,9 cm

Ankaufsanlass:
Sonderausstellung des Deutschen Auswandererhauses „Von der Lutherbibel zur Gaunergeschichte. Bücher für deutsche Einwanderer in Nordamerika 1728 – 1946“
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

Mitte des 19. Jahrhunderts konnte der deutschsprachige Buchdruck in den USA bereits auf eine mehr als 100 Jahre zählende Geschichte zurückblicken. Unterhaltende Kinderbuchliteratur jenseits der pädagogischen und moralisierenden ABC-Bücher hatte sich nicht prominent darunter befunden. Im Zeitalter der deutschen Masseneinwanderung in die USA ab ca. 1830 änderte sich das. Der zunehmende Bedarf an zeitgemäß unterhaltenden Büchern für die zweite Einwanderergeneration wurde zunächst durch Importe aus deutschsprachigen Landen gestillt. Als sich der hohen Einfuhrzölle wegen der Import nicht länger rentierte, begannen Verleger in den USA, im großen Stil deutsche Werke nachzudrucken – legal nach den zeitgenössischen Bestimmungen des amerikanischen Copyrights, das nicht den geistigen Urheber, sondern die wirtschaftliche Unternehmung schützte. Zu einem der wichtigsten solcher nachdruckenden Verleger mit einem Produktionsschwerpunkt auf deutschsprachiger Kinderliteratur wurde der deutsche Auswanderer Ernst Steiger.

Kurzbiographie des Verlegers

Ernst Steiger wurde am 4. Oktober 1832 in Gastewitz bei Oschatz (Sachsen) geboren. Der begabte Sohn einer bäuerlichen Familie schloss eine Buchhändlerlehre in Leipzig ab. Nach zweijähriger Arbeit in Dresden nutzte er 1855 das Angebot des deutsch-amerikanischen Verlegers Bernhard Westermann, als sein Gehilfe nach New York zu gehen. Dort machte er sich 1864 mit einer eigenen Zeitungsagentur selbständig, der er später Verlagsgeschäft, Buchhandlung und Druckerei angliederte. 1867 heiratete er in New York Bertha Krehbiel, eine Tochter deutscher Auswanderer. Tat sich Steiger zu dieser Zeit noch mit importierten deutschen Druckerzeugnissen hervor, verlegte er sich bald auf den Nachdruck deutscher und europäischer Autoren. Diese Nachdrucke erschienen in Serien unter seinem Verlagsnamen; „Steiger’s Jugend-Bibliothek“ ist nur eine neben anderen wie „Steiger’s Hausbibliothek“ oder „Steiger’s Lesebücher“. Für seine Verdienste um die Förderung der deutschen Literatur in Nordamerika erhielt Steiger zahlreiche Ehrungen, unter anderen den Preußischen Krone-Orden im Jahr 1873. Sein Verlag firmierte seit 1880 als „E. Steiger & Company“, blieb aber ein Familienunternehmen, in das alle vier Kinder des Ehepaars Steiger involviert waren. Erst mit 82 Jahren – drei Jahre vor seinem Tod im Jahr 1917 – hatte sich Ernst Steiger aus dem Geschäft zurückgezogen.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Bedeutung des Objekts

Die 1816 zunächst erschienene Erzählung „Die Ostereier“ soll, wie der Autor Christoph von Schmid in einer „Vorerinnerung an die Kinder“ ausführt, „zu einer lehrreichen und angenehmen Unterhaltung“ dienen – und dies nicht nur „Euch, meine[n] lieben Kinder[n]“, sondern „ja wohl auch Euch größern Geschwistern und selbst Euern Eltern“. Ist es da verwunderlich, wenn Ernst Steiger mit diesem Titel noch mehr als ein halbes Jahrhundert später auf guten Verkaufserfolg rechnete? Wer die rührselige Geschichte noch in der „Alten Welt“ als Kind gelesen hatte, dem musste sie nicht nur eigene Erinnerungen wachrufen, sondern den konnte sie auch mit der Hoffnung erfüllen, den in Amerika aufwachsenden Kindern die Welt jener Erinnerungen, die sie nie gesehen haben mochten, auf literarischem Wege erfahrbar zu machen.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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