Objekt des Monats: Rehabilitations-Bescheinigung, 2003

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsche Auswandererhaus

Objekt des Monats August 2020

Rehabilitationsbescheinigung von Karl Wasiliewitsch Schmik (richtig: Schmück), ausgestellt am 19.02.2003 auf der Grundlage des Gesetztes über die Rehabilitation der Opfer von politischen Repressionen vom 18.10.1991

Anlass

Seit 1982 wird am 28. August in der Bundesrepublik Deutschland mit dem „Tag der Russlanddeutschen“ an die Deportation der Sowjetbürger*innen deutscher Nationalität während des Zweiten Weltkrieges erinnert. Die Deutschen aus der ehemalgien UdSSR stellen nicht nur den Großteil der so genannten „(Spät)Aussiedler“, sondern eine der größten Migrantengruppen in der BRD überhaupt – auch wenn viele Interessenvertreter*innen nicht als Migrant*innen bezeichnet werden wollen und lieber den „Heimkehr“-Aspekt betonen. Die meisten Vorfahren der etwas ungenau als „Russlanddeutsche“ bezeichneten Gruppe kamen noch vor der Gründung des deutschen Nationalstaates in das Gebiet des damaligen Russischen Reiches.

Material:
Papier

Maße:
210 x 297 mm

Schenkung:
Katharina Schmück
© Sammlung Deutsche Auswandererhaus

Kurzbiographie

Karl Wassiliewitsch Schmik (richtig: Schmück) wurde 1877 geboren, laut der Urkunde lebte er vor der Deportation in Kalatsch-Rajon (Bezirk) des Gebietes (Oblast) Stalingrad. Seine Vorfahren stammen aus Isenburg bie Gödingen und brachen 1863 in das Russische Reich auf. Zwischen 1898 und 1902 diente er in der russisch-kaiserlichen Armee. Bis zur Beginn der Kollektivierung lebte seine Familie in der deutschen Kolonie Grimm, danach zog er weiter nach Sarepta und schließlich nach Kalatsch, wo er in der Landwirtschaft arbeitete. Von dort aus wurde die Familie im September 1941 nach Kasachstan deportiert. Im Gegensatz zu seinem Sohn musste Karl aufgrund des hohen Alters keine Zwangsarbeit leisten. Das Dokument stammt aus der Schenkung seiner Enkeltochter Katharina Schmück, die 1949 an dem Verbannungsort im Ostkasachstan geboren wurde und 1993 nach Deutschland kam.

Historische Einordnung / Bedeutung des Objektes

Am 28. August 1941 beschließt das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR den Erlass „Über die Umsiedlung der Deutschen, die in den Wolga-Rayons leben“. Offizielle Begründung: Die wolgadeutsche Bevölkerung „verbirgt in ihrer Mitte“ „zehntausende Diversanten und Spione“. Die Bevölkerung der Autonomen Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen wird nach Kasachstan, Sibirien und in die Altaj-Gebirge deportiert. Damit endet die wechselvolle Geschichte der zahlreichen deutschen Gemeinden an der Wolga, wo vor allem die Nachfahren von deutschen Bauern, Handwerkern und Händlern gelebt hatten, die seit 1763 von Kaiserin Katharina II. dort angesiedelt worden waren.Da die Deportation ohne Feststellung der Individualschuld und ohne Gerichtsbeschluss erfolgt, ist auch nach der offiziellen Aufhebung des Erlasses am 29. August 1964 und der Freizügigkeitsbeschränkungen 1972die juristische Rehabilitation erschwert. Im juristischen Sinne gelten die ehemaligen Deportierten nicht als vorbestraft. In diesem von der Hauptverwaltung für Innere Angelegenheiten der Region Wolgograd ausgestellten Dokument aus dem Jahr 2003wird als Repression eingegeben: „als sozial gefährlich nach nationalem Merkmal anerkannt“. Ein konkreter Strafgesetzparagraph liegt im Falle von Deportierten nicht vor. Die Entschädigung für die konfiszierten Güter war bereits 1941 am Deportationsort vorgesehen, was jedoch in den meisten Fällen nicht bzw. nicht vollständig erfolgte.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Dr. Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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