Objekt des Monats: Foto, 1929

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Fotografie: Chanukkafeier der Religionsschule in der Geestemünder Synagoge, 1929.

Material:
Fotopapier

Maße:
12,8 x 17,5 x 0,1 cm

Schenkung:
Renate Gabcke
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

Das jüdische Lichterfest Chanukka wird seit über 2000 Jahren gefeiert. Bei dem acht Tage dauernden Fest wird der Wiedereinweihung (hebräisch: „Chanukka“) des zweiten Tempels in Jerusalem nach dem erfolgreichen Makkabäer-Aufstand 164 v. Chr. gedacht. Der Überlieferung zufolge wurden in den Wirren des Aufstandes alle Ölvorräte im Tempel entweiht oder zerstört. Das Öl reichte nicht aus, um die Menora, den Tempelleuchter, der nie erlöschen soll, brennen zu lassen, bis neues Öl hergestellt werden konnte. Es geschieht ein Wunder, das Wunder von Chanukka: Ein kleiner unversehrter Öl-Krug, dessen Füllmenge den Leuchter eigentliche nur für einen Tag hätte versorgen können, brannte ganze acht Tage lang – so lange, wie es dauerte, frisches geweihtes Öl herzustellen.

Kurzbiographie

Seit 1895 lebt Familie Kirchheimer in Bremerhaven. Dort ist sie Mitglied der jüdischen Gemeinde. In Bremerhaven führt Moses „Moritz“ Kirchheimer eine Buch- und Briefmarkenhandlung, bis ihn die Nationalsozialisten zur Aufgabe zwingen. Er selbst bleibt in der Stadt, obwohl seine Ehefrau 1931 verstorben war und zwei seiner Söhne, Herbert und Arnold, bereits in den USA leben. Erst kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs gelingt es den nun vier ausgewanderten Söhnen – Berthold und Siegfried reisen 1936 und 1938 in die USA aus – ihren Vater nach Amerika nachzuholen. Dort verstirbt er 1942 im Kreis seiner Familie. Seine Söhne leben mit ihren Familien nach dem Krieg weiter in den USA.

Siegfried Kirchheimer steht seit den 1960ern in regem Briefkontakt mit dem Bremerhavener Lokalhistoriker Harry Gabcke. Dieser war über Zeitungsartikel und –fotos, die Siegfried Kirchheimer in Deutschland veröffentlicht, auf die Geschichte der Familie aufmerksam geworden. In den vielen Briefen, auch mit anderen Familienmitgliedern, und bei Besuchen in den USA erhält Harry Gabcke Erinnerungsstücke der Familie, darunter zahlreiche Fotografien und Dokumente. Sie bilden die Grundlage für das Buch „Liebe zur Heimat – trotz allem“ über die Familie Kirchheimer das 2005 erscheint. Im Jahr 2006 hat seine Witwe, Renate Gabcke, dem Deutschen Auswandererhaus einige der Dokumente geschenkt.

Beschriftung auf der Rückseite des Fotos. © Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Bedeutung des Objektes

Das Bild, das 1929 bei einer Chanukkafeier in der Geestemünder Synagoge aufgenommen wird, zeigt viele junge Menschen, die um eine festliche Tafel stehen. Das Foto entsteht vermutlich bei einem Besuch Herbert Kirchheimers in seiner alten Heimat. An jedem Abend während des Chanukkafestes kommen Familie, Gemeinde und Freunde zusammen, um gemeinsam zu feiern– traditionell mit ölgebackenen Speisen.

Rechts am Ende der Tafel sieht man die typische Chanukkia, einen Leuchter mit neun Kerzen, dessen acht Arme für die acht Tage des Öl-Wunders stehen. Die neunte Kerze heißt Schamasch, hebräisch für „Diener“: Nur mit dieser Kerze dürfen, nach den entsprechenden Segensgebeten, die anderen Kerzen angezündet werden. Am letzten Tag des Festes brennen schließlich alle acht Kerzen.

Das Foto, ein Schnappschuss, ist neunzig Jahre nach seiner Aufnahme ein Zeugnis für jüdisches Leben in Bremerhaven vor der rassistischen Verfolgung und Zerstörung jüdischen Lebens durch die Nationalsozialisten. Heute gibt es in Bremerhaven eine orthodoxe und eine liberale jüdische Gemeinde – für die, entsprechend dem jüdischen Kalender, das Fest am Vorabend des 25. Kislew beginnt. Im gregorianischen Kalender variiert das Datum. In diesem Jahr fällt das Chanukkafest auf die Zeit vom 23. bis zum 30. Dezember.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

Archiv “Objekt des Monats”