Objekt des Monats: Grußkarte, um 1936

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Grußkarte am Valentinstag, um 1936

 

Historische Einordnung

Anders als gemeinhin angenommen, handelt es sich bei dem 14. Februar nicht um eine geldgewinnende Idee von Floristen und Pralinenherstellern. Tatsächlich liegt die Geschichte des Valentinstags viele hunderte Jahre zurück; über den genauen Ursprung herrscht allerdings Uneinigkeit. Fest steht, dass er nicht, wie meist angenommen, aus den USA stammt. Einer Erklärung nach entstand der Brauch im dritten Jahrhundert im damaligen Römischen Reich - der Bischof Valentin von Terni soll Verliebte trotz Verbotes christlich getraut und ihnen anschließend Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Den von ihm getrauten Ehen sagte man zudem nach, unter einem besonders guten Stern zu stehen. Aufgrund seines christlichen Glaubens wurde Bischof Valentin schließlich an einem 14. Februar enthauptet. Mit dieser Geschichte war die Idee für den Brauch bereits in der Antike da, in Deutschland konnte sich der Valentinstag als Tag der Liebenden trotzdem nicht durchsetzen. Es brauchte dazu eine wahre Auswanderungsgeschichte – den europäischen Kontinent verlassend, nahmen britische Auswanderer den Brauch mit in die Neue Welt, wo er sich im 20. Jahrhundert schließlich zu einem Massenphänomen entwickelte. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Brauch wiederum über die US-Soldaten nach Deutschland. Im Jahr 1950 fand in Nürnberg der erste Valentinsball statt. Der Valentinstag wurde bald offiziell eingeführt und entwickelte sich mit den Jahrzehnten zu dem, was er heute ist.

 

Material:
Papier

Maße:
15,4 x 13,4 cm

Schenkung:
Hanna Veenhuis
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

 

Kurzbiographie von Ebeling Johannes Veenhuis

Ebeling Johannes Veenhuis wurde am 26. Dezember 1929 in Rockaway Park, N.Y. als Sohn deutscher Eltern geboren. Wenige Monate zuvor hatten sich seine Mutter und sein Vater in Deutschland kennengelernt und ihre Auswanderung in die USA beschlossen. Nach der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929/30 litten auch Johannes Eltern unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die es ihnen erschwerten sich um ihr Kind zu kümmern. Aus diesem Grund schickten sie ihren zweijährigen Sohn 1931 in die Obhut seiner Tante ins niedersächsische Papenburg. Johannes wuchs dort auf, ging zur Schule und absolvierte seine Lehre. Nach dem Ende des Krieges 1945 riet ihm sein Großvater, das durch den Krieg erschütterte Deutschland zu verlassen. Im Jahr 1947 kehrte Johannes in die USA zurück und sah nach 15 Jahren seine Eltern zum ersten Mal wieder. Doch der Aufenthalt sollte nicht von Dauer sein: Während eines Urlaubsaufenthalt in Deutschland lernte er seine zukünftige Ehefrau Hanna kennen und entschied sich 1953 endgültig nach Deutschland zurück zu kehren, um dort Hanna zu heiraten und ein gemeinsames Leben aufzubauen.

Bedeutung des Objekts

Bevor sich der Valentinstag in den 1950er Jahren auch in Deutschland als Brauchtum etablierte, erreichte Johannes dieser Valentinstags-Gruß seiner Eltern aus den USA. Trotz der weiten Entfernung blieb die kleine Familie im regen Kontakt. Dieses persönliche Erinnerungsstück verdeutlicht, dass mit der Migration nicht nur ein Ortswechsel einher geht, sondern auch die Öffnung gegenüber neuen Bräuchen, Traditionen und Feiertagen. Im Falle der Familie Veenhuis schloss dies das Zelebrieren des Valentinstages mit ein, durch ihre Grußkarte schaffte es der Brauch sogar über den Ozean nach Papenburg. Anders als heutzutage oftmals angenommen, beschränkt sich der Valentinstag nicht ausschließlich auf Liebespaare. Wie es die Eltern in ihrem Gruß beschreiben, ist der 14. Februar „[…] bestimmt für die allerliebsten die man hat.“. Ob Familie, Freunde, Haustier oder man selbst – das bleibt einem selbst überlassen.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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