Objekt des Monats: Schallplatte, 1950er Jahre

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Schallplatte „Hansel and Gretel“, 1950er Jahre

Material:
Cover: Papier
Schallplatte: Kunststoff (Polyvinylchlorid)

Maße:
Cover: 18 x 18 x 0,1 cm
Schallplatte: 17,5 cm Durchmesser

Schenkung:
Renate Mönnich
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

„Knuper, knuper, kneischen! Wer knupert an meinem Häuschen?“

Mit dieser Frage hat die berühmt-berüchtigte böse Hexe aus dem Märchen „Hänsel und Gretel“ ihren ersten Auftritt. Was darauf folgt ist seit Generationen bekannt: Gefangenschaft, Mästerei von Hänsel, geplanter Kannibalismus sowie anschließende Rettung und Befreiung der Geschwister. Harter Tobak für ein Kindermärchen, das die Brüder Grimm 1812 in ihrer ersten Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ veröffentlichten. Trotz solcher Inhalte erfreut sich das Märchen seit nun mehr als 200 Jahren sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen großer Beliebtheit. Der Erfolg ist dabei nicht auf den deutschsprachigen Raum beschränkt. Bis heute wurden die Geschichten der „Kinder- und Hausmärchen“ in mehr als 170 Sprachen übersetzt, die erste englische Teilausgabe folgte bereits 1823. Dort heißt es bei „Hänsel und Gretel“ übrigens:

„Nibble, nibble, little mouse,who is nibbling at my house?“

Kurzbiographie

Emmi und Richard Voigt heiraten 1947 in Oldenburg-Ohmstede. So unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nehmen die USA, Kanada und Australien grundsätzlich keine deutschen Einwanderer auf. 1948 wird diese Regelung schließlich gelockert und viele Deutsche entscheiden sich dazu, ihr Glück in Übersee zu suchen und Nachkriegsdeutschland zu verlassen. Unter ihnen befindet sich auch das Ehepaar Voigt, das 1949 Oldenburg in Richtung USA verlässt. Trotz der Auswanderung reißt der Kontakt in die alte Heimat nie ab. Die Eheleute senden regelmäßig Pakete an ihre Familien in Deutschland. Einer der Empfänger ist auch Emmis Patentochter Renate. Auf diesem Weg bekommt sie nicht nur dringend benötigte Kleidung, sondern auch die Kinderschallplatte „Hansel and Gretel“. Das aus Deutschland stammende Märchen wird hier auf Englisch erzählt (das verrät unter anderem der fehlende Umlaut im Namen von Hänsel).

Bedeutung des Objektes

Im Januar jährt sich Jacob Grimms Geburtstag zum 245. Mal. Gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm veröffentlichte er zahlreiche Geschichten über Gut und Böse, die 2005 sogar von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Das zeigt nicht nur die Bekanntheit der Märchen, sondern auch ihre Internationalität. Grimm’s Märchen können überall auf der Welt verstanden werden, da sie universelle Themen ansprechen. So zum Beispiel „Hänsel und Gretel“: Eine Geschichte über die Vernachlässigung von Kindern – ein Thema, nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Doch dass sich die Märchen weltweit verbreitet haben, dazu tragen auch die Menschen bei, die die Geschichten auf Papier oder aber auch nur mündlich auf ihre Auswanderung mitnahmen. So waren die Geschichten der Brüder Grimm auch in den USA der 1950er Jahre zu erhalten – und konnten so von dort aus nach Deutschland „remigrieren“.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

Archiv “Objekt des Monats”