Objekt des Monats: Zeitungsgrafik, 1897

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Initiativkreis Deutsches Auswandererhaus e. V.

Objekt des Monats Januar 2021

Zeitungsgrafik „Ansicht des Landungsdepots für Einwanderer auf Ellis Island vor der Brandkatastrophe“, erschienen in: „Die Gartenlaube“, 1897

anlässlich der Eröffnung der US-amerikanischen Einwanderungsstation Ellis Island 1. Januar 1892

Material:
Papier, schwarze Druckfarbe

Maße:
7,5 x 18 cm

Dauerleihgeber:
Initiativkreis Deutsches Auswandererhaus e. V.

Historische Einordnung

Am 1. Januar 1892 wurde auf Ellis Island, einer kleinen Insel vor Manhattan, die größte Einwanderungsstation der USA eröffnet; die erste registrierte Einwanderin war die Irin Annie Moore.

Die Passagierschiffe legten bei ihrer Ankunft in New York zunächst an den Anlegern in Manhattan, Brooklyn oder Hoboken an, je nach Schifffahrtsgesellschaft. Die Passagiere der 1. und 2. Klasse wurden direkt an Bord abgefertigt und konnten das Schiff nach einer kurzen ärztlichen Untersuchung verlassen, sofern sie gesund und ihre Papiere einwandfrei waren. Die Passagiere der 3. Klasse hingegen, die über weniger finanzielle Mittel verfügten, wurden mit Barkassen nach Ellis Island gebracht, wo ärztliche Untersuchungen und amtliche Befragungen über Einreise oder Abweisung entschieden.

Am 15. Juni 1897 wurde die Arbeit auf Ellis Island durch einen Großbrand unterbrochen. Die Abwicklung der Einwanderungsformalitäten musste vorübergehend ins Barge Office auf dem Festland verlegt werden. Am 17. Dezember 1900 erfolgte die Wiedereröffnung der Station auf Ellis Island, die nun mit feuerfesten Gebäuden versehen war. Durch das US-amerikanische Quotengesetz von 1924 reduzierte sich nicht nur die Zahl der Einwanderer erneut, sondern auch das Prozedere änderte sich. Die Untersuchung der Einwander*innen erfolgte nun bereits in den jeweiligen Heimatländern durch Angestellte der amerikanischen Konsulate. Dadurch veränderte sich die Funktion von Ellis Island. Nur wenn es Probleme mit den Papieren gab, der Einwanderungsstatus fraglich oder eine medizinische Behandlung erforderlich war, kamen sie nach Ellis Island.

Immer weniger Neueinwander*innen gelangten auf die Insel. Einschnitte erfuhr die Arbeit auf Ellis Island zudem während der beiden Weltkriege, in denen die Einwanderungsstation zeitweise zum Internierungslager und Lazarett umfunktioniert wurde. Im November 1954 wurde die Anlage endgültig geschlossen.

Der Leihgeber

Nachdem sich bereits 1985 engagierte Bremerhavener Bürger*innen zu dem Zweck zusammengeschlossen hatten, an authentischem Ort die Einrichtung eines Museums zur Auswanderungsgeschichte anzuregen, gründeten 1998 Bremerhavener Unternehmer*innen und Politiker*innen den „Initiativkreis Erlebniswelt Auswanderung“, um diesem Zweck verstärkt politischen Nachdruck zu verleihen. Als dann 2005 das Deutsche Auswandererhaus eröffnet wurde, übergab der nun in „Initiativkreis Deutsches Auswandererhaus e. V.“ umbenannte Verein dem Museum eine umfangreiche und bedeutende Grafiksammlung, die in zwanzig Jahren zusammengetragen worden war. Sie liegt heute als Dauerleihgabe in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses.

Bedeutung des Objektes

Wohl kaum ein anderer Ort ist so mit der Einwanderung in die USA verbunden wie Ellis Island. Die Einwanderungsstation auf der kleinen Insel stellte die letzte Hürde auf dem Weg in ein neues Leben dar. Hier entschied sich für Auswanderer aus aller Welt, ob ihnen die Einreise gestattet oder verwehrt werden würde. Zwischen 1892 und 1924 passierten rund zwölf Millionen Einwander*innen die Station – und noch einmal wenige Hunderttausend bis zu ihrer Schließung. Über 40 Prozent aller Amerikaner können heute von sich sagen, dass ihre Vorfahren über Ellis Island eingewandert sind. Über Jahrzehnte stellte Ellis Island so einen entscheidenden Punkt für Millionen von Migrationsgeschichten dar. Heute bewahrt es die Erinnerung daran: Am 10. September 1990 wurde hier das „Ellis Island Immigration Museum“ eröffnet.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Dr. Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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