Objekt des Monats: Poesiealbum, 1950

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Poesiealbum, 1950

 

Material:
Papier, Pappe

Maße:
20,5 x 14,9 x 3,0 cm

Schenkung:
Christel Leuker
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

 

Historische Einordnung

Das Poesiealbum geht auf das „Album der Freunde“ (Album amicorum) zurück. Dieses war in der Form eines Stammbuches, ab der Mitte des 16. Jahrhunderts bei Adeligen beliebt. Mit ihm entstand die Tradition guten Freunden, Verwandten und Gönnern seinen Namen, sein Wappen und seinen Wahlspruch schriftlich zu hinterlassen. Im 18. Jahrhundert veränderte sich dieser Brauch und es gewannen neben den Sinnsprüchen ebenso Widmungen und Zeichnungen an Beliebtheit, auch bei bürgerlichen Familien. Die Blütezeit des Poesiealbums war im 19. Jahrhundert, als das ursprüngliche Stammbuch außer Mode geriet und die Funktion eines Erinnerungsbuches einnahm. Insbesondere bei Mädchen und Frauen ist das Poesiealbum beliebt und dient bis heute als Zeugnis der Erinnerung und dem Ausdruck der Freundschaft.

Kurzbiographie der Schenkerin

Christel Leuker wird im Dezember 1940 im westfälischen Soest geboren. Sie wächst dort auf und lernt den Beruf der Kindergärtnerin. In diesem arbeitet sie einige Jahre in der Domstadt, bis sie die Abenteuerlust packt und sie sich entschließt im Jahr 1964 für anderthalb Jahre in die USA auszuwandern und nach Cincinnati zu ziehen. Die Überfahrt unternimmt sie auf dem Schiff „Bremen“. Nach ihrer Ankunft wird sie von einer deutschen Arztfamilie aufgenommen und lernt kurz darauf ihren zukünftigen Ehemann kennen.

Nach der Hochzeit im Jahr 1965 planen beide aufgrund der vielversprechenden beruflichen Chancen, für ein paar Jahre in den USA zu bleiben. Mit der Geburt ihrer Kinder treffen sie die Entscheidung, ihr Leben endgültig in den USA zu verbringen. Christel Leuker übt bis heute ihren Beruf als Kindergärtnerin aus und engagiert sich dafür Mädchen und Jungen die deutsche Sprache mit Spaß und Kreativität zu vermitteln.

Bedeutung des Objekts

Am 30. Juli ist der Internationale Tag der Freundschaft. Er wurde am 27. April 2011 ins Leben gerufen und geht auf eine UN-Resolution von 2011 zurück. Die Freundschaft ist ein nicht zu ersetzendes Gut, dem an diesem Tag besondere Aufmerksamkeit zukommt.

Das Poesiealbum bekommt Christel Leuker am Weißensonntag 1950, zur ersten heiligen Kommunion, von ihren Großeltern geschenkt. Zu dieser Zeit ist dies ein sehr wertvolles Geschenk und wird von ihr sehr gut gepflegt, da in diesem Buch ihre Familie und ihre Freunde besondere Zeilen mit Wünschen für ihre Zukunft hineinschreiben. Am Tag ihrer Auswanderung in die USA ist dieses Album unter den Gegenständen die sie mit auf ihre Reise nimmt. Sie erinnert sich besonders gut an einen Spruch aus dem Buch:

Vergesse nie die Heimat,
wo deine Wiege stand.

Du findest in der Fremde
kein zweites Heimatland.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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