Objekt des Monats: Brief, 1859

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Brief von Daniel Hoffheiser (Sandhurst, Australien) an seinen Vater in Hamburg, um August 1859.

 

Material:
Papier

Maße:
18,5 x 23,5 x 0,2 cm

Schenkung:
Karin und Rainer Kröger
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

 

Historische Einordnung

Diesen Brief schickt Daniel Hoffheiser um 1859 aus Australien an seinen Vater in Hamburg. Ausführlich beschreibt er das Gold-Nugget, das auf dem Briefkopf abgebildet ist. Es handelt sich dabei um das „Welcome Nugget“, das bis 1869 das größte jemals gefundene Gold-Nugget war. Der Fundort liegt in Ballarat im Bundesstaat Victoria, wo auch Daniel mit der Hoffnung auf den Fund seines Lebens nach Gold gräbt.

Kurzbiographie

Daniel Hoffheiser wird am 22. September 1836 in Hamburg geboren. Über seine Jugendzeit ist nichts bekannt, seine flüssigen und fast fehlerfreien Briefe lassen aber auf eine höhere Schulbildung schließen. Als jungen Mann lockt Daniel nicht die bürgerliche Karriere im Holzhandel seines Vaters, sondern das Gold Australiens. Am 18. April 1855 besteigt er in Hamburg das Segelschiff „Neumühlen“ mit Ziel Melbourne. Verschiedene Briefe an seinen Vater in Deutschland berichten von der harten Arbeit auf den Goldfeldern, von Krankheit und Unfällen – und der niemals endenden Hoffnung mit „solch einem Klumpen nach Hause“ kommen zu können.Daniels Vater übt sich in Geduld, obwohl er ihn lieber im heimischen Geschäft tätig sähe. Er unterstützt die abenteuerlichen Pläne des Sohnes sogar, in dem er einen Ersatzmann bezahlt, der stellvertretend für Daniel den Soldatendienst ableistet. Dadurch ermöglicht er ihm den legalen Verbleib in Australien. Mindestens sechs Jahre hält Daniel an seinem Traum fest, dann kehrt er zurück nach Deutschland – ohne den erhofften Reichtum im Gepäck.

In Deutschland arbeitet er im Holzhandel seines Vaters. Im Mai 1869 heiratet er Auguste Caroline Mühlbach. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt das Familiengeschäft und führt es erfolgreich bis er selbst 1912 verstirbt.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Bedeutung des Objekts

Das „Welcome Nugget“ wurde am 9. Juni 1858 von Kornischen Siedlern in einer Mine im Herzen von Victoria, Australien gefunden. Mit einem Gewicht von 69 Kilogramm und in Größe und Form an einen Pferdekopf erinnernd, ist es bis heute das zweitgrößte jemals gefundene Gold-Nugget.

Auf der Nordhalbkugel des Globus könnte man den Fund als ein Sommermärchen bezeichnen, denn der Fund ereignete sich pünktlich zum Sommeranfang, der kalendarisch auf den 1. und meteorologisch auf den 21. Juni fällt. Die Sonne ist der Erde in der nördlichen Hemisphäre nun näher. In Australien handelt es sich jedoch um ein Wintermärchen, denn in der Südlichen Hemisphäre läutet der Juni die sonnenfernen Wintermonate ein.

Daniel Hoffheiser hat in Victoria vermutlich fünf oder sechs Winter erlebt – die dort mit durchschnittlichen zehn Grad Celsius recht mild sind, wobei im Bergland sogar schneebedeckte Berge und Skigebiete zu finden sind. Mit Wintern, wie Daniel sie aus Hamburg kannte (mit Durchschnittstemperaturen um 1,5 Grad Celsius), hat der australische Winter ziemlich wenig gemein.

Ob und in welcher Form das Klima zu seinem Entschluss, nach Deutschland zurückzukehren, beigetragen hat, wissen wir leider nicht. Dass seine Rückkehr aber erfolgreich war und er in Hamburg eine Familie gegründet hat mit der er noch viele Sommer und Winter auf der Nordhalbkugel verbracht hat, das wissen wir dank seiner Urenkelin und ihrem Ehemann, Karin und Rainer Kröger, die dem Deutschen Auswandererhaus viele Objekte aus Daniel Hoffheisers Nachlass übergeben haben.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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