Objekt des Monats: Eisbecher

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsche Auswandererhaus

Material:
Silber

Maße:
Höhe 12 cm
Durchmesser: 7 cm

Schenkung:
Rosemarie Blum
© Sammlung Deutsche Auswandererhaus

Objekt des Monats März 2020

Eisbecher o.J.

zum Europäischen Tag des handwerklich hergestellten Speiseeises am 24. März

Historische Einordnung

Im 19. Jahrhundert wird die Herstellung von Speiseeis zu einem Handwerk. Eine milchbasierte Flüssigkeit wird in einem durch gefrorenes Wasser und Salz von außen gekühlten Zinnbehälter gedreht und von den Behälterwänden gespachtelt. Aus zwei Tälern der norditalienischen Dolomiten, dem Zoldo- und dem Cadoretal, bringen Saisonwanderer die Spezialität in die nördlicheren Gebiete Europas. Ihr Produkt bieten die „Gelatieri“ zunächst im Straßenverkauf mittels der schnell populären „carretti“, den Handkarren, an. Als aber 1894 in Wien die alteingesessenen Zuckerbäcker der Stadt darauf bestehen, dass ihre Konkurrenten für die Konzession einen festen Firmensitz angeben müssen, entstehen die ersten italienischen Eissalons. Deren Verbreitung auch nach Deutschland erfolgt nach dem Ersten Weltkrieg, wo hauptsächlich Eismacher aus dem Zoldotal Eisdielen eröffnen. Seit den 1950er Jahren ist die Eisdiele aus dem deutschen Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Nach Angaben der „Union der italienischen Speiseeishersteller“ (UNITEIS e. V.) gibt es heute etwa 9.000 handwerklich arbeitende Eicafés in Deutschland, etwa ein Drittel von ihnen mit eigener Produktion. 26.000 Arbeitsplätze soll der Eiscafémarkt gewährleisten.

Kurzbiographie

Emilio Toscani wird am 24. August 1895 als jüngstes von drei Kindern im mährischen Brünn geboren. Seine Eltern stammen aus dem Cadoretal, aus dem sie als Eishersteller und -verkäufer nach Österreich-Ungarn gegangen waren. Nach der Geburt Emilios zieht die Familie wieder ins Cadoretal zurück. Die Söhne hält es nicht lange dort; wie ihre Eltern ziehen sie als Eismacher in den Norden. Emilios Bruder Albano macht den Anfang. Ihn verschlägt es nach Bremen, wohin ihm Emilio 1912 folgt. Nach dem Ersten Weltkrieg nimmt Albano das Eisgeschäft wieder auf und eröffnet 1920 in Bremen eine „Eisstube und alkoholf. Schankwirtschaft“. Wieder folgt ihm sein Bruder nach. Als dieser jedoch 1926 Clara Eickhoff heiratet, machen sich die Eheleute selbständig und eröffnen, bald schon als Eltern dreier Kinder, in Langen bei Bremerhaven, direkt an einem beliebten Baggersee, das Lokal und Eiscafé „Strandhalle“. Mehr als 40 Jahre lang, bis zu Emilios Tod im Jahr 1967, bildet das Lokal der Familie Toscani einen Anziehungspunkt in Langen und darüber hinaus – wenn das „Gelati“ nun einmal nicht mehr per Handkarren zu einem kommt, dann muss man eben selber in die Eisdiele gehen ...

Bedeutung des Objektes

Der Eisbecher stammt aus der Gaststätte der Familie Toscani. Die Schenkerin ist Nichte von Bruno Toscani, einem der drei Kinder Emilios. Als aus der Einrichtung des 1967 geschlossenen Lokals stammendes Familienerbstück erinnert der Eisbecher daran, wie Emilio und seine Familie in Langen ansässig wurde. Darüber hinaus vermag der recht schwere, silberne Eisbecher, der für den Eisverzehr im Sitzen am Tisch gedacht ist, auch die Geschichte des italienischen Speiseeises vom mobilen Straßenverkauf zum ansässigen Ladenlokal sinnfällig vor Augen führen.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Dr. Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

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