Objekt des Monats: Koffer

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

 

Objektbezeichnung

Koffer, um 1922

Material:
Leder, Metall

Maße:
39,5 x 77,5 x 24 cm

Schenkung:
Jürgen Dietrich
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

Am 5. Mai wird in Japan traditionell der Kodomo no Hi gefeiert. Kodomo no Hi ist Japanisch (こどもの日) und bedeutet übersetzt „Kindertag“. An dem japanischen Kindertag wird der Respekt gegenüber der Persönlichkeit der Kinder zelebriert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1948, bestimmte die japanische Regierung den 5. Mai als nationalen Feiertag, um die Freude aller Kinder zu feiern und Dankbarkeit gegenüber den Eltern auszudrücken. An diesem Feiertag hissen die Familien die koi-nobori-Flaggen. Diese ähneln in der Form den Koi-Karpfen. Wenn die bunten Flaggen im Wind flattern, erinnern sie an Fische, die im Wasser schwimmen. Ein jeder Karpfen steht sinnbildlich für ein Mitglied der Familie.Traditionell werden an diesem Feiertag mochi-Reiskuchen serviert, die eingepackt in Eichenblättern verspeist werden. Außerdem wird an dem Tag kashiwa-mochi gegessen: eine Marmelade, die unter anderem aus roten Bohnen hergestellt wird. Zudem wird eine süß-schmeckende Reispaste mit dem Namen chimakiaufgetischt. Diese Reispaste wird in Bambusblätter eingerollt und im Kreise der Familie verzehrt.

Koi-nobori-Flagge. © Wikimedia Commons

Kurzbiographie Johanna Dietrich

Das Land Japan spielte im 19.und 20. Jahrhundert bei europäischen Auswanderern keine große Rolle. Dennoch verschlug es die deutsche Auswanderin Johanna Dietrich dorthin. Johanna lernte im Berlin der frühen 1920er Jahre den in Japan geborenen Max Dietrich kennen und lieben. Gemeinsam wanderten die beiden 1922 nach Yokohama aus. Johanna und ihr Ehemann haben gemeinsam zwei Kinder, die beide in Japan geboren wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Johanna für sich und ihre Familie eine Aufenthaltsgenehmigung für Japan. Viele andere deutsche Staatsangehörige hatten nicht so viel Glück, sondern wurden nach Ende des Krieges aus Japan ausgewiesen. Doch Johannas Ehemann konnte eine Arbeitsstelle als Koordinator zwischen den japanischen Behörden und der amerikanischen Besatzung erhalten und so den Unterhalt für die kleine Familie erwirtschaften.

Bedeutung des Objekts

Johanna Dietrich nahm den braunen Lederkoffer mit auf ihre Auswanderung nach Japan. Das Reiseutensil wurde mit verschiedenen Reiseaufklebern verziert. Auch ist der Aufkleber „Yokohama“ zu lesen. Die japanische Stadt ist eine bedeutende Handelsstadt auf dem asiatischen Kontinent. Sie ist Teil des Ballungsgebiets der Hauptstadt Tokio und bildet ein politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Japans. Viele Jahre verlebte Johanna gemeinsam mit ihren zwei Kindern und ihrem Ehemann in Yokohama.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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