Objekt des Monats: Postkarte, um 1930

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Objektbezeichnung

Postkarte, um 1930

Material:
Karton

Maße:
9 x 14 cm

Schenkung:
Claudia Wirth
© Sammlung Deutsches Auswandererhaus

Historische Einordnung

Am späten Nachmittag des 16. März 1941 löste der Wachoffizier auf der „Bremen“, einem der beliebtesten Auswandererschiffe des Norddeutschen Lloyd, Alarm aus: Im Jagdzimmer des Schiffes war Feuer ausgebrochen. Obwohl die Besatzung sofort Löschversuche unternahm, breiteten sich die Flammen aus und griffen auf andere Räume über. Als die Wesermünder Feuerwehr eintraf, brannte das Schiff bereits über mehrere Decks lichterloh. 25 Besatzungsmitglieder, deren Fluchtweg von Bord durch die Flammen abgeschnitten war, konnten gerade noch über eine Drehleiter vom Achterschiff geborgen werden. Zwei lange Tage kämpfte die Feuerwehr gegen die Flammen – dann endlich erloschen sie. Die oberen Decks waren gänzlich ausgebrannt, der Dampfer auf Grund gesetzt. Das einst so stolze Passagierschiff des Norddeutschen Lloyd war vernichtet. Da offensichtlich Brandstiftung die Unglücksursache war, leitete die Geheime Staatspolizei eine Untersuchung ein. Bei der Vernehmung der Besatzung gestand der 17-jährige Schiffsjunge Gustav Schmidt, das Feuer gelegt zu haben. Seiner Aussage zu Folge hatte er den Brand jedoch nicht, wie von der Gestapo vermutet, aus politischen Hintergründen gelegt, sondern um sich für die Ohrfeige eines Vorgesetzten zu rächen. Dabei habe er nicht beabsichtigt, das Schiff zu vernichten; er habe lediglich auch die Matrosen „einmal rennen sehen wollen“. Trotz mehrfacher Verhöre blieb der Junge bei seiner Aussage. Gustav Schmidt wurde daraufhin zum Tode verurteilt. Bis heute bestehen aber Zweifel daran, ob er wirklich der alleinige Urheber des Brandes war. Das Wrack der „Bremen“ wurde schließlich von der Marine angekauft, die es heben und in den Bremerhavener Kaiserhafen verholen ließ. Hier wurden ab 1942 sämtliche noch brauchbaren Materialien ausgebaut, der Rest des Schiffes schließlich verschrottet.

Kurzbiographie der „Bremen“

Das Turbinenschiff „Bremen“ lief am 16. August 1928 bei der AG Weser, Bremen, vom Stapel und wurde im Juli des folgenden Jahres an den Norddeutschen Lloyd abgeliefert. Es war bereits das vierte Schiff der Reederei, das den Namen „Bremen“ trug. Seinen großen Erfolg verdankte der Norddeutsche Lloyd dem Auswanderergeschäft – bis zu seinem 50-jährigen Jubiläum im Jahr 1907 war er zur führenden Passagierreederei der Welt aufgestiegen. Die Jungfernreise der neuen „Bremen“ erfolgte am 16. Juli 1929 von Bremerhaven nach New York, auf der sie mit 27,83 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit einen neuen Rekord aufstellte: Mit einer Fahrzeit von 4 Tagen, 17 Stunden und 42 Minuten auf der Strecke von Cherbourg bis New York eroberte die „Bremen“ das Blaue Band. Nach 22 Jahren erhielt damit erstmals wieder ein deutsches Schiff die Auszeichnung für die schnellste Atlantiküberquerung. Der formschöne Dampfer gehörte zu den internationalen Spitzenschiffen seiner Zeit und war mit 51.656 BRT das größte bis dahin in Bremen gebaute Schiff. Bis zu 2.278 Passagiere konnte die „Bremen“ bei voller Auslastung transportieren. Als sensationelle Neuigkeit wurde auf dem Schiff eine Katapultanlage für ein Flugzeug zur Postbeförderung installiert. Ungefähr einen Tag vor Ankunft des Schnelldampfers in New York – oder auf der Rückreise in Cherbourg – wurde das Flugzeug gestartet. So konnte die Laufzeit der Post zwischen Europa und den USA bis zu 24 Stunden verkürzt werden. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs musste die „Bremen“ ihren Passagierdienst einstellen und wurde zunächst aufgelegt. Ab Sommer 1940 diente das 286 Meter lange und 31 Meter breite Schiff dann als Wohnschiff der Marine in Bremerhaven, bis es durch den Brand im März 1941 vernichtet wurde.

Bedeutung des Objekts

Die Postkarte der „Bremen“ ist ein handelsübliches Serienprodukt ihrer Zeit, der gleichwohl eine wichtige Bedeutung als migrationsgeschichtliches Erinnerungsstück zukommt. Schiffe waren bis zum Aufkommen der Konkurrenz durch den Luftverkehr ab Mitte des 20. Jahrhunderts das einzige Verkehrsmittel für Millionen Auswanderer nach Übersee. Für die Reedereien stellten Postkarten beliebte Marketingmittel dar. Durch imposante Abbildungen ihrer Passagierschiffe bewarben sie diese und suchten potenzielle Reisende dafür zu interessieren. Die Auswanderer hingegen versandten Postkarten mit Nachrichten an zurückgebliebene Familienmitglieder oder Freunde; für sie stellten diese eines der Kommunikationsmittel dar, mit denen die Verbindung in die alte Heimat aufrechterhalten wurde. Die Postkarten wurden aber ebenso häufig aufbewahrt als persönliche Erinnerung an die Überfahrt.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

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