Objekt des Monats: Brief, 1947

Jedes Objekt in der Sammlung des Deutschen Auswandererhauses erzählt eine ganz persönliche Auswanderungs- oder Einwanderungsgeschichte. In dieser Rubrik stellen wir Ihnen jeden Monat ein anderes Objekt vor – eine Fotografie, ein Dokument oder ein persönliches Erinnerungsstück.

© Sammlung Deutsche Auswandererhaus

Objekt des Monats November 2020

Brief, 1947

zum Weltgütetag (World Kindness Day) am 13. November.

Begründet wurde dieser besondere Tag im jahr 1998 vom World Kindness Movement, einem Bündnis 22 gleichgesinnter Organisationen, mit dem Ziel, die Welt zu mehr Freundlichkeit zu bewegen. Insbesondere soll die Aufmerksamkeit auf die Kraft der Gemeinschaft und auf die gegenseitige Unterstützung gelenkt werden.

Material:
Papier, Schreibmaschine

Maße:
Höhe: 27,9 cm
Breite: 21,6 cm

Schenkung:

Robert Naumann
© Sammlung Deutsche Auswandererhaus

Historische Einordnung

Der Zweite Weltkrieg und die nationalsozialistische Herrschaft hinterlassen Verwüstung. Die Menschen in ganz Europa leiden an den Folgen. Besonders hart trifft es Deutschland. Nicht nur Lebensmittel sind sehr knapp, sondern auch Bekleidung und Medikamente. Zusätzlich wird Europa 1946/47 von einem sehr strengen Winter heimgesucht – Verzweiflung und Elend machen sich breit. Angesichts dieser Situation beginnen weltweit Organisationen und auch Privatpersonen sogenannte Pflegepakete zu versenden. Diese Pakete versorgen Millionen Menschen in Deutschland und Europa nicht nur mit dringend gebrauchten Kalorien, sondern auch mit „kleinen Wundern“, etwa Schokolade, Kakao und/oder Erdnussbutter. Diese Pakete setzen vor allem ein Zeichen der Hoffnung für viele Millionen Menschen.

Kurzbiographie Willy Carl

Willy Carl wird am 10. April 1904 in Sonneberg in Südthüringen geboren. Er träumt davon, Musik zu studieren, seine Eltern haben jedoch eine andere Laufbahn für ihren Sohn im Sinn. Willys Vater ist ein bekannter Porzellanfachmann und wünscht sich eine entsprechende kaufmännische Ausbildung für seine Kinder.

Da es Willy in Deutschland wirtschaftlich nicht gut geht, entschließt er sich in die USA auszuwandern. Im Jahr 1927 verlässt er auf der „Cleveland“ Deutschland und sucht eine neue Chance in New York City. In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft verliert Willy den Kontakt zu seinen daheimgebliebenen Eltern. Diesen kann er erst im Jahr 1946 wiederherstellen. Willy ist entschlossen, seiner Familie durch die schwere Zeit zu helfen und versendet regelmäßig Pakete, um seine Familie zu unterstützen.

Seine Pakete kündigt er seiner Familie in Briefen an, wie beispielsweise in seinem Schreiben vom 30. August 1947.

Er versorgt seine Familie mit Lebensmitteln, Kleidung, Medikamenten für den Vater und mit Dingen, die in Deutschland nicht oder nur schwierig zu erstehen sind, wie beispielsweise einer Kaffeemühle. Einige Male werden seine Pakte abgefangen und erreichen seine Familie nicht. Willy wird seine Familie nie wiedersehen – er verstirbt bereits 1957. Bis zu seinem Lebensende hat er seiner Familie geholfen. Nach seinem Tod übernimmt seine Freundin Helen die Versorgung der Verwandten.

Bedeutung des Objektes

Willy Carls Geschichte ist nur ein Beispiel dafür, wie wichtig Zusammenhalt sein kann und welche, manchmal entscheidende Rolle die Verbindung zum Herkunftsort und den Daheimgebliebenen in Migrationskontexten spielen kann.

Haben auch Sie …

... eine Aus- oder Einwanderungsgeschichte Ihrer Familie zu erzählen und möchten diese mit den dazugehörigen Objekten und Dokumenten dem Deutschen Auswandererhaus für seine Sammlung übergeben? Dann kontaktieren Sie bitte Dr. Tanja Fittkau unter der Rufnummer 0471 / 90 22 0 – 0 oder per E-Mail unter: t.fittkau@dah-bremerhaven.de.

Weitere Informationen zu Schenkungen und zu unserer Museumssammlung finden Sie auf der Seite Sammlung.

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